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Als Rucksacktouristen durch ein buntes Angebot

"Was gibt es denn sonst noch auf dieser Kunstnacht in Selb?", fragt Gunnar Seitz im Alten Brennhaus in Selb-Plößberg. Der Gitarrist ist die eine Hälfte vom "Duo Double Talk" und zusammen mit Andreas Wiersich engagiert, um an mehreren Stellen im Porzellanikon die Kunstnacht-Gäste zu unterhalten.

Von Bärbel Lüneberg
  • fpku_Kunstnacht_3sp_150310 Das "Duo Double Talk" im Porzellanikon Plößberg: Gunnar Seitz (links) und Andreas Wiersich mit brillantem Jazz. Fotos: L. B.
     
  • fpku_kunstnacht3_4sp_150310 Außergewöhnliche Orte fanden die Mitglieder des Fotoklubs Selb, die Ansichten der Stadt in einem Rundofen zeigten.
     
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"Was gibt es denn sonst noch auf dieser Kunstnacht in Selb?", fragt Gunnar Seitz im Alten Brennhaus in Selb-Plößberg. Der Gitarrist ist die eine Hälfte vom "Duo Double Talk" und zusammen mit Andreas Wiersich engagiert, um an mehreren Stellen im Porzellanikon die Kunstnacht-Gäste zu unterhalten. Doch das ist nicht das richtige Wort: Wenn man dem Gasthauslärm den Rücken kehrt und ihnen zuhört, entdeckt man die anspruchsvolle und exquisite Improvisationskunst der beiden studierten Jazz-Gitarristen.

"Rucksack" spielen sie als Erstes. Ihre Komposition im Stil des Zigeuner-Jazz fasziniert durch die vielfarbigen Endlos-Einfälle und durch die Leichtigkeit, mit der alle beide von der Solo-Rolle in die - ebenfalls stark variierende - Begleitung abtauchen. In Jazzliedern, klassischem Swing oder ihrer Version von "Singing in the Rain" scheinen sie erregte Dialoge zu führen: Immer, wenn einer sich in alle denkbaren Höhen und Tiefen hinein "diskutiert" hat, antwortet der andere - gar nicht leise übrigens im "Mr. Sandman". Und sie versuchen, den Lärmpegel des Publikums abzuschwächen, indem sie augenzwinkernd mit schrägen Parallelen quälen oder indem sie ihrem Namen auch anders Ehre machen: Sie verdoppeln ganz lässig ihre ohnehin schon rasanten Tempi.

    
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Kunstnacht in Selb
Selb
13.3.2010
    

Die jungen, aufgeschlossenen Musiker bedauern es, nicht in der Stadt die anderen Kunstangeboten besichtigen zu können. In der Bezirksschau des Fotoklubs Selb im Haus 4 des Museums haben sie zwar gespielt, aber mehr als die Einbeziehung des riesigen Rundofens konnten sie dabei nicht bewundern. So schauen sie nach ihrem zweistündigen Auftritt gerne die eben geschossenen Fotos auf dem Kamera-Bildschirm einer Kunstnacht-Bummlerin an, und obwohl sie aus Berlin und Nürnberg kommen, sind sie beeindruckt. Die Glaskunst von Peter Schöffel interessiert sie, seine Kompositionen aus einem einzigen Glasfaden oder seine Demonstration einer Glasscheibe, die sich als unerwartet elastisch erweist. Ganz genau schauen sie hin bei den ungewöhnlichen Perlen- und Juwelen-Arrangements von Bernd Brunat, der sich im Casino zu seinen Colliers das passende Geschirr im kupfrigen Lüster bei Chefin Sandra Körber ausgesucht hat.

Die Musiker erfahren auch, dass noch andere Künstler ihre Umgebung mit einbezogen. So die Malerin Barbara Heun, die ihre großzügig gepinselten Menschen- und Tierfiguren im "ars habitandi" bisweilen mit Humor platziert, etwa einen intensiv roten Riesenhummer über einem Regal mit Kochtöpfen. Und auch Hari Beierl wäre ohne die freizügigen ehemaligen Fabrikräume im Factory In schwer zu denken: Mit viel Platz in seiner Werkstatt hat er sich ein "Wohnzimmer" eingerichtet; von da aus kann er seine Objekte aus Fundstücken betrachten oder seine großformatigen Bilder im Stil von Kindern, "bevor sie ihren freien Strich verlieren". In der Etage über ihm hütet Bildhauer Jörg Sander sein Baby und seine geometrisch wirkenden Betontische und runden Objekte, die, geölt und poliert, einen sanften Glanz ausstrahlen.

Während sich die Band "Hot Staff" zum Finale im Factory In rüstet, baut das "Duo Double Talk" die Lautsprecher ihrer Jazz-Gitarren ab. Sie wollen die Gelegenheit zu einer Probe nutzen, denn so sehr oft können sie sich nicht treffen. Nein, morgen, am Sonntag, können sie sich leider auch nichts mehr anschauen - sie müssen ganz früh aufbrechen nach Berlin und Nürnberg.

    
    

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