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Die Nacht der Macher

Philipp Rosenthal entsteigt, die unvermeidliche Pfeife rauchend, als Geist einer Kaffeekanne, die - natürlich - aus Rosenthal-Porzellan ist. Louis Armstrong bläst "What a Wonderful World" auf der Trompete und denkt sich, frei nach Kennedy: "Ich bin ein Selber.

Von Kerstin Starke
  • fpku_foto_5sp_BITTE_links_u Als stünde diese Ausstellungsbesucherin mitten auf dem Piccadilly Circus in London - Manfred Jahreiß' Aufnahmen internationaler Großstädte faszinieren durch ihre Authentizität und Brillanz. Dabei spiegeln sie vor allem technische, künstliche Welten wieder; viele weitere Fotos unter www.frankenpost.de. Fotos: Hannes Bessermann
     
  • fpku_karikaturen_4sp_150310 Der Bayreuther Karikaturist Matthias Ose vor einer Reihe seiner Selber Blätter in der Sparkasse Hochfranken in Selb.
     
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Philipp Rosenthal entsteigt, die unvermeidliche Pfeife rauchend, als Geist einer Kaffeekanne, die - natürlich - aus Rosenthal-Porzellan ist. Louis Armstrong bläst "What a Wonderful World" auf der Trompete und denkt sich, frei nach Kennedy: "Ich bin ein Selber." Victor Vasarely, der französischer Maler und Grafiker, testet den von ihm gestalteten Sprungturm mit einer "A...bombe"; und einer der Selber Wölfe stürzt sich drohend und brüllend auf einen harmlos dasitzenden Tiger. Das ist Selb, wie es der Bayreuther Karikaturist und Zeichner Matthias Ose sieht.

Mit spitzer Feder

Diese und weitere Blätter - darunter viele über Bayreuth, Richard Wagner und dessen Familie - bilden eine Ausstellung im Hauptsitz der Sparkasse Hochfranken in Selb, wo am späten Samstagnachmittag die zehnte Kunstnacht eröffnet wurde. Mit spitzer Zeichenfeder schaut der Karikaturist Ose auf den Grund der Dinge und offenbart dabei viel Humor, der nicht verletzen will. Vor allem die Bayreuther Ikone Richard Wagner hat es ihm angetan, zum großen Gadium des Betrachters. Ob es nun die kruden Verhältnisse im Hause Wagner/Bühlow/Liszt sind, die abgehobene und gleichzeitig so kleinstädtische Welt der Bayreuther Opern- und Konzertbesucher oder der Meister selbst, dessen Riechorgan Ose maßlos überzeichnet - hinter all diesen Betrachtungsweisen stecken scharfe und genaue Blicke auf das Wesentliche.

    
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Kunstnacht in Selb
Selb
13.3.2010
    

Matthias Ose liebe es, sagte Dr. Frank Piontek am Samstag in seiner Einführungsrede zur Ausstellung (die bis zum 9. April zu sehen ist), sich Begriffe so genau anzuschauen, bis sich ihm ihr wahrer Kern enthülle. Dies hat der Karikaturist in den vergangenen Monaten auch in Selb getan und deckt mit seinem "Humor, gewirkt aus Ironie und Ortskenntnis" (Piontek), aktuelle und vergangene kleine Schwächen und Stärken auf.

Umgesehen hat sich auch der Fotograf Manfred Jahreiß aus Hohenberg; und zwar in der weiten Welt. Die zwingt er für die Kunstnacht 2010 in den "Untergrund" der Tiefgarage der Selber VR Bank - ein Ort, wie er passender nicht sein könnte. Auf den kahlen, grauen Betonwänden im schmucklosen, niedrigen Raum wirken die großformatigen Aufnahmen auf den ersten Blick wie ein magnetischer Farbenrausch. Bei näherer Betrachtung offenbaren die "nächtlichen Impressionen", die in Peking, New York, Prag, London, Paris - und Selb entstanden sind, vor allem eines: eine technische, künstliche, von Menschen geschaffene un-natürliche Welt, die dennoch voller Leben ist und den Betrachter durchaus positiv anspricht.

Genauso interessant, wenn auch mit anderen Mitteln entstanden, sind die Arbeiten etwa von Hans Gert Winter, der seine Zeichnungen, Aquarelle und Grafiken im Porzellanikon zeigte, die "Holzköpfe und andere Hingucker" von Irene Meier eine Treppe weiter, die Fotos unter dem Titel "momentwarten" von Laura Pöhlmann im Factory In, Glaskunst, Goldschmiede-Arbeiten oder auch das Deutsch-tschechische Kunstprojekt "Verknüpfungen" im Rosenthal-Theater.

Sich wiederfinden

In all den Beiträgen sieht der Schirmherr der Kunstnacht, Bernd Würstl, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Hochfranken, ein Zeichen dafür, "dass die Region sich selbst wiederfindet". Dass dieses Ereignis, so der Schirmherr weiter, zum zehnten Mal stattfinde und sich so toll entwickelt habe, zeige, dass die Organisatoren und Veranstalter auf Nachhaltigkeit und Langlebigkeit setzten. Würstl: "Man merkt daran, dass wir alle hier nach vorne schauen. Die Kunstnacht ist für mich eine Nacht der Visionäre, der Quer- und Positivdenker; eine Nacht der Macher."

    
    

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Die neuesten Kommentare

Nicht übertreiben

von Flieger am 15.03.2010 19:17
Tausende kommen zum Selber Wiesenfest und z.Zt. zum VER, also bitte nicht übertreiben! Es reicht schon, wenn der Schreiberling aus Höchstädt immer Tausend mit Hundert verwechselt!
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