» zur Übersicht Kunst und Kultur
    
    
Artikel
 
    
 

Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text   
Happy End, soweit möglich

Festival-Familie | Die Kino-Besucher zeigen großes Interesse an dem mutigen Eröffnungsbeitrag „Draußen am See“. Die Gäste loben die Herzlichkeit der Gastgeber.
Von Andrea Herdegen
  • Grenzland-Filmtage Das Interesse an den ungewöhnlichen und anspruchsvollen Beiträgen war riesig, das zeigte schon der Andrang im Foyer: Vor vollem Haus sind die 33. Grenzland-Filmtage in Selb eröffnet worden.
    Andrea Herdegen
Bild von

"Ich finde es sehr, sehr mutig, dass mein Film hier zur Eröffnung läuft. Denn es ist wirklich kein Wohlfühl-Film." Mit diesen warnenden Worten richtet sich Regisseur Felix Fuchssteiner an das Publikum im Selber Kino-Center. Mit seinem Beitrag "Draußen am See" sind die 33. Grenzland-Filmtage vor vollem Haus eröffnet worden.

Darüber freut sich besonders Dagmar Franke vom Filmtage-Team: "So viele Zuschauer wünsche ich mir auch in den kommenden Tagen." Die Festivalleiterin bedankt sich bei allen Helfern und Sponsoren sowie bei dem "tollen ehrenamtlichen Team" für die Vorbereitung. "Wir werden mit unseren Aufgaben wachsen und noch weitere Filmtage organisieren", verspricht Franke. Dass die Grenzland-Filmtage nicht nur für Selb, sondern für die gesamte Region von Bedeutung sind, darauf macht der Selber Bürgermeister Dr. Hermann Friedl aufmerksam.

Das größte Lob aber kommt von Regisseur Claus Oppermann, der zum siebten Mal einen Film in Selb vorstellt: "Hier wird man jedes Mal mit großer Herzlichkeit empfangen. Davon kann sich die Berlinale ein Stück abschneiden", lobt er und versichert: "Ich komme jedes Mal total gerne in diese Festival-Familie zurück."

Ein trügerisches Familienidyll zeigt dann der erste Film "Draußen am See". In Großaufnahme werden zu Beginn die noch unbeschriebenen Blätter eines edlen goldfarbenen Tagebuchs gezeigt, ein Geschenk zum 14. Geburtstag von Tochter Jessika. Deren scharfsinnige, kluge Einträge führen nach und nach durch das Filmgeschehen, das in einem Verbrechen gipfelt. Doch zuerst wird die scheinbar perfekte Familie vorgestellt: Der Vater liebt Cowboy-Romantik und gesellige Runden im Haus am See, die Mutter inszeniert sich als taffe Frau, hat aber jede Menge unerfüllter Träume. Was ihre Eltern von ihr erwarten, weiß Jessikas ältere Schwester genau, macht das Spiel zwar mit, beginnt sich aber langsam abzunabeln. Und dann ist da natürlich noch Jessika, Herz und Seele des Ganzen. Um sie dreht sich alles, und sie fühlt sich für alles verantwortlich.

Die schöne Fassade bekommt Risse, als der Vater seine Arbeit verliert. Die Spannungen zwischen den Eltern verschärfen sich, der Alltag gerät aus den Fugen. Die Schwester kümmert sich nicht mehr um die Nöte der Familie, ist hauptsächlich an Jungs interessiert. Dann passiert etwas Ungeheuerliches. Es wird, wie alles Unangenehme, von den Eltern verschwiegen. Jessika weiß trotzdem Bescheid und droht, an dem schrecklichen Geheimnis zu zerbrechen.

"Draußen am See" ist eine Coming-of-Age-Geschichte, und doch noch viel, viel mehr. Eine ganze Fülle von denkbaren Schwierigkeiten und Konflikten wird aufgeboten. Dazu noch als hochbrisantes Thema ein Verbrechen in der Familie, für das eine Erklärung gesucht wird. Dadurch wirkt der Film zwar überladen, doch seine emotionale Kraft spricht den Zuschauer stark an.

Mit viel Natürlichkeit und Einfühlungsvermögen stellt Jungdarstellerin Elisa Schlott die 14-jährige Jessika äußerst glaubhaft dar, die durch den Untergang ihrer Familie in einen psychischen Grenzbereich gerät. Die ungeheure Wut und die Selbstzerstörung des Teenagers wird von ihr ebenso gut herausgearbeitet wie die nachdenkliche, sanfte Seite.

Der Film bleibt nicht an der Oberfläche, er will tiefer blicken, dabei aber niemanden dämonisieren. Am Ende glimmt noch ein Fünkchen Hoffnung. Regisseur Fuchssteiner nennt dies ein "Happy End im Rahmen der Möglichkeiten".

Die Grenzland-Filmtage Selb dauern noch bis zum Sonntag, www.grenzlandfilmtage-selb.de

    
»Fotostrecke starten Fotogalerie
    
    
    

Diesen Artikel

  • Teilen:
  •  
  • Facebook
  •  
  • MySpace
  •  
  • Twitter
  •  
  • StudiVZ / MeinVZ
  •  
  • Google
  •  
  •  
Bewertung: 
  •  
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
0 Bewertungen (Sie müssen angemeldet sein)
    
    

Die neuesten Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare geschrieben...
Zum Kommentar abschicken bitte vorher einloggen
Benutzername
Passwort
 
     
Sie sind noch kein Mitglied auf frankenpost.de? Dann jetzt gleich »hier registrieren
    
    

Ȇbersicht Kunst und Kultur

Totentanz an der Grenze der Tonalität

Das zweite Orgelkonzert der Hofer Heidenreich-Tage ist hauptsächlich, aber nicht nur der Romantik gewidmet. Jens Amend mutet sich und den Zuhörern Grandioses und Anspruchsvolles zu. »mehr
    
    

 
Literarischer Superstar mit Trauma

Vor 200 Jahren wurde Charles Dickens geboren. Der Engländer ist einer der meistgelesenen Schriftsteller seines Landes da... »mehr
    
 
    

 
Was den Kopf kostet

Man kann auch die Gastgeberin verstehen. Die protestantische Königin war not amused, als die katholische Exilantin, die ... »mehr
    
 
    

 
Aus fürs Guggenheim...

Berlin - Überraschend schlägt für das Deutsche Guggenheim in Berlin das letzte Stündlein: Das Renommierprojekt, eines de... »mehr
    
    

Das könnte Sie auch interessieren 

    
    

Party

 
    

Nachrichten

 
    

Sport

    
    

Magazine

Wir in Wunsiedel Februar 2012
Nördliches Fichtelgebirge Ausgabe 4
Thüringen im Blick
Schlaglichter 2011
Gesundheitsführer Kulmbach
Gesundheitsführer Naila
Hochzeitsmagazin November 2011
Frankenreiter November
Börsenforum Oktober 2011
Leserreisen Oktober 2011
Berufsmagazin
Besser Bauen schöner Wohnen
5. Sechsämterland Holztage
Gesundheitsführer Hof 2011
Gesundheitsführer Münchberg
Gesundheitsführer Selb
Erfolgreiche Familienunternehmen
Bikers Guide
Gesundheitsführer Rehau
Gesundheitsführer Wunsiedel
    
Anzeige
Marktplatz und Bayreuther Woche
Logo Frankenwäldler
    

Umfrage

Lade TED
 
Die Umfrage wird geladen, bitte warten...
 

    
    

Was Rodlerin Tatjana Hüfner so schnell macht

Schnelligkeit ist keine Hexerei - aber viel Training, gute Konzentration und ausgezeichnetes Material können dabei helfen, beim Rennrodeln richtig hohe Geschwindigkeiten zu erzielen. »mehr
    
    

Die Sache mit dem freien Medikament

Frage des Tages
Ein freies Medikament ist laut Apotheke nicht lieferbar. Nun muss der Mann aus Helmbrechts eines nehmen, für das er eine Aufzahlung tragen muss. »mehr
    
    

Webcams aus der Region 

Eine Vielzahl von Webcams, die von Firmen, öffentlichen Einrichtungen oder Privatpersonen installiert wurden, zeigen aktuelle Bilder aus der Region. »mehr
    
    

Börseninformationen