zuletzt bearbeitet: 19.07.2010 16:06 Uhr
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Premieren-Kritik "Die kleine Hexe": Heute fliegt man Staubsauger
Luisenburg | Die „Kleine Hexe“ macht Hunderten von Kindern bei der Premiere trotz Kälte warm ums Herz.
Wunsiedel - Dichter Rauch verschleiert Hunderten von Kindern und ihren Begleitpersonen die Sicht - haben doch die großen Hexen der kleinen Hexe ihren Flug-Besen weggenommen, nachdem sie unbefugterweise am Walpurgisnachtstanz auf dem Blocksberg hatte teilnehmen wollen. Und nach drei Tagen Fußmarsch nach Hause können einem die Füße schon mal brennen und qualmen ...
Vom ersten Moment an nehmen der Rabe Abraxas und die kleine Hexe im gleichnamigen Stück nach Otfried Preußler das junge Publikum für sich ein, das sich trotz eisiger vier Grad am gestrigen Mittwochvormittag zur Premiere des Familienstücks auf der Luisenburg bei Wunsiedel eingefunden hat. Eingehüllt in Decken können die Besucher die flotte, ideenreiche, 75-minütige Inszenierung von Petra Wüllenweber sehr gut überstehen.
Ein Besen aus der Boutique
Sofort überschlagen sich die Ereignisse: Die böse Wetterhexe Muhme Rumpumpel, von Caroline Hetényi fies-vertrottelt gespielt, landet auf dem Dach des schiefen, fast lebendig wirkenden Hexenhäuschens (für das einfallsreiche, wandelbare Bühnenbild ist Peter Engel verantwortlich). Sie kommt aber nicht etwa auf einem Besen angeritten, sondern auf einem Staubsauger - man geht ja auch als Hexe mit der Zeit; die Kinder sind begeistert. Der kleinen Hexe richtet Rumpumpel folgendes von der Oberhexe aus: Wird sie innerhalb des kommenden Jahres zu einer guten Hexe und besteht die Hexenprüfung, darf sie in der nächsten Walpurgisnacht auf dem Blocksberg mittanzen.
Katharina Schwägerl als kleine Hexe ist bester Dinge. Ausführlich studiert sie ihr G 8-Hexenbuch, kauft in Pfefferkorns Besenboutique einen neuen Hexenbesen und hext, begleitet von gymnastisch-akrobatischen Gesten, nur Gutes. Den bösen Oberförster verzaubert sie in einen netten Menschen, nimmt dem frierenden Maronimann seinen Schnupfen und unterstützt zwei Kinder im Kampf gegen Schläger-Fritz und die fiese Sabine, indem sie den Schneemann der Kinder kurzerhand zum Leben erweckt.
Die bunteste Szene spielt sich am Markt ab: Für die Verkäufer hat Kostümbildnerin Heide Schiffler-El Fouly, die überhaupt mit fröhlich-frechen Kreationen glänzt, lebende Möhren und Würste erschaffen und für Milchflaschenkleid, Schwammgürtel und Klostopferhut alle erdenklichen Haushaltswaren recycelt. Nachdem die kleine Hexe die Papierblumen der traurigen Blumenverkäuferin zum Duften gebracht und ihr so zu reißendem Absatz verholfen hat, bemerkt ein kleine Besucherin erleichtert: "Jetzt sind alle glücklich." Alle, das sind Susanna Kratsch, Ina Meling, Matthias Lehmann, Holger Matthias Wilhelm, Constantin Buschmeyer, Miriam Krist, Barbara Macheiner, Uschi Reifenberger, Alfred Schedl, Günter Ziegler und Philipp Wendler - sie alle schlüpfen facettenreich von einer Rolle in die andere.
Frack und Pilotenbrille
Auch die kleine Hexe genießt ihr Hexenglück in vollen Zügen und feiert mit ihrem Freund und ständigen Begleiter, dem Raben Abraxas: Johann Anzenberger, in Frack und mit Fliegerbrille, hüpft und stakst wie ein echter Vogel. An einem Disco-Song über weitere gute Hexentaten (Musik: Markus Reyhani) fasziniert das Publikum besonders die bunt-flimmernde Beleuchtung - der Lärmpegel steigt, Köpfe recken sich, die Stimmung kocht.
Eine spritzige Idee jagt die nächste: Wegen der aktuellen Vulkanasche-Gefahr rauschen die kleine Hexe und ihr Gefährte lieber im Sessellift davon; auf dem Blocksberg raucht und donnert es ordentlich (Pyrotechnik: Thomas Ködel); Straßenfeger kehren in Sebastian Eilers Choreografie im Schuhplattler-Rhythmus; und zur Prüfung saust die kleine Hexe mittels Seilbahn auf ihrem Besen durch den Wald.
Wer nun wissen möchte, ob sie tatsächlich im nächsten Jahr am Blocksberg mittanzen darf, der sollte sich unbedingt selber die spritzige Inszenierung ansehen.
Nächste Vorstellungen: Heute, Donnerstag, und am 13. Juni, jeweils um 10.30 Uhr.
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