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Wie man mit Worten spielt, als wären's Klaviertasten

Von Christine Wild
  • fpku_pfingstreise_3sp_120610 Hans-Jürgen Schatz zwischen Alexander Popp (rechts) und Michael Thumser in Bad Berneck unterm Schlossturm: Die schönste Gegend. Foto: Peter Kolb
     
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Bad Berneck - Fränkisch, fröhlich und frei improvisierend: So bilden Carolin Pruy und David Saam als Violin-Akkordeon-Gesangs-Duo ihre Heimat auf bodenständig-weltoffene Weise ab. Und so auch stimmten sie am Donnerstagabend im voll besetzten Jean-Paul-Saal des Bad Bernecker Hotels Lindenmühle gekonnt auf einen Abend ein, der sich mit der hochfränkischen Region beschäftigt: Anlässlich des Fichtelgebirgstags, der dieser Tage in Bad Berneck stattfindet, hatten Günther Grieshammer, Vorsitzender des dort ansässigen Fichtelgebirgsvereins, und der zweite Bürgermeister Alexander Popp ihren langjährigen Vereinsbruder Hans-Jürgen Schatz für eine Lesung gewinnen können; kennenzulernen waren Auszüge aus der "Pfingstreise", die die Jung-Dichter Wilhelm Heinrich Wackenroder und Ludwig Tieck 1793 durch die Fränkische Schweiz, den Frankenwald und das Fichtelgebirge führte.

Zur größten Freude vieler Literaturfreunde bleibt es übrigens nicht bei der Lesung. Gemeinsam mit dem Auricula-Verlag hat der bekannte Berliner Schauspieler und Rezitator Schatz die Reiseerlebnisse der 20-jährigen Früh-Romantiker in die Hörbuch-Reihe der "Literatur(ver)führer" aufgenommen. So kann der (fast) komplette Text der "Pfingstreise" - der auf dem regulären Buchmarkt derzeit nicht erhältlich ist - auch zu Hause nachgehört werden.

Durch ihre Briefberichte legten Wackenroder und Tieck unbewusst den Grundstein zur Romantik - zu einer Epoche, die im Wandern den Ausbruch aus der engstirnigen Philisterwelt sah, die die Reize des Fremden suchte und Märchenhaft-Gruseliges in scheinbar inszenierten Landschaften erkannte. Eine vielschichtige Gefühlsepoche: Viele versuchten der Alltagswelt zu entgehen durch die Flucht in eine fast zur Religion erhobenen Kunst und Natur. Diese Zusammenhänge besser zu verstehen, hilft ein - auf der CD ebenfalls von Schatz gelesenes - Essay als Einführung, verfasst von Frankenpost-Kulturchef Michael Thumser (dem "Mann mit der goldenen Feuilleton-Feder", wie Hans-Jürgen Schatz den Kritiker schmunzelnd vorstellt). Auch persönlich tritt Thumser an diesem Abend vors Publikum, um kurz und informativ ins Thema einzuführen.

Dann besteigt der Rezitator das kleine Bühnenpodest. Auf einer Klavierbank nimmt er vor seinem Lesetisch Platz. Fehlt ihm auch das Klavier, so musiziert er doch meisterlich: Als Klaviatur dient ihm der tieck-wackenrodersche Text; gespielt wird mit der Stimme. In hohem Lesetempo setzt er an, die Reiseberichte der beiden 20-Jährigen an die Eltern vorzutragen. Vor allem die Beschreibungen hochfränkischer Orte wie Bayreuth, Hof, Wunsiedel mit der Luisenburg und Naila hat er, aus gegebenem Anlass, ausgewählt. In pragmatisch-ironischem Ton lässt Schatz die Frühromantiker sprechen. Exakt führt er jede Wortendung aus - fast unbemerkt geschieht das in seinem natürlichen Redegestus.

Als Grundtempo wählt er durchgehend sozusagen ein lebhaftes Allegro, um dann plötzlich zu bremsen auf seiner Wort-Klaviatur. Er rhythmisiert, verleiht einigen Sätzen oder auch nur einzelnen Wörtern im Adagio oder gar Grave ein besonderes Gewicht.

So beschreibt er mit den Worten Wackenroders und Tiecks teils empfindsam-schwärmerisch, teils rational-detailreich die Landschaft, witzig-ironisch Begegnungen mit mancherlei Personen, die Industrie, die "höflichen, gutmütigen Einwohner" und auch die märchenhafte Wirkung mancher Gegend. Seinen Schlussakkord setzt Schatz gekonnt mit Tiecks Urteil über Bad Berneck, der "nichts hinzuzufügen" sei: "Diese Gegend hier ist die schönste, die ich auf der ganzen Reise gefunden habe."

    
    

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