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Tinnitus am Fichtelsee

Von Andrea Herdegen
  • Classic Meets Pop Kathy Kelly mit der Habanera aus Bizets Oper "Carmen".
    Hannes Bessermann
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Fichtelberg - Zwei Lieder lang, nach der Pause, konnten sich die Ohren erholen. Dann war das nervtötende Brummen wieder da. Der Musikabend "Classic meets Pop am Fichtelsee" wurde zum fast dreistündigen Kampf gegen diesen technischen Tinnitus, und die Akteure der "Opera Classica Europa" verloren ihn leider über weite Strecken.

So werden die Geigen der von Sybille Wagner keck dirigierten Kammerphilharmonie Europa zunächst schmerzend nur in ihren schrillsten Höhen übertragen, und aus der Stimme des tapfer gegen das Ton-Fiasko ansingenden Wiener-Staatsopern-Tenors Keith Ikaia-Purdy wird anfangs jegliche Wärme gekappt. Die Moderation von Martin Constantin kommt wie aus den Tiefen eines Blecheimers, und eine viel zu laute Gitarre deckt die Feinfühligkeit eines hawaiianischen Liebeslieds zu.

Überhaupt hat man den Eindruck, ein, zwei Proben mehr hätten dem Ensemble gut getan. Vieles an diesem Abend wirkt eher improvisiert denn einstudiert, selbst die Namen der Mitsänger muss Conférencier Constantin mühsam vom Zettel lesen. Die Mikros wandern planlos von Hand zu Hand; es ist, als beobachtete man eine hochkarätig besetzte Karaoke-Show.

Respekt vor den Fichtelberger Chören: Die einzigen Amateure dieses Abends haben sich unter Leitung von Gerald Haug akribisch vorbereitet und schmettern den Gefangenenchor aus Verdis "Nabucco" wuchtig und voller Inbrunst über den See. Den Profis auf der Bühne gelingt es erst nach der Pause, sich den Beifall, am Ende sogar den Jubel eines gnädigen Publikums zu ersingen. Dabei scheint die - poppig wie klassisch - ohrwurmsatte Lied-Auswahl von "We Will Rock You" bis "O Sole Mio" doch von Beginn an einen durchschlagenden Erfolg zu garantieren.

Aber aus dem angestrebten Treffen von Klassik und Pop wird zunächst nur eine von sägenden E-Gitarren verhackstückte "Zauberflöten"-Ouvertüre. Mozart meets Motörhead? Das geht daneben. Erst allmählich finden Orchester und Band einander - und immer, wenn diese Symbiose gelingt, wird der Abend hörenswert, etwa bei Metallicas "Nothing Else Matters", bei "Jump" von Van Halen oder der Deep-Purple-Hymne "Smoke On The Water". Rock-Musik mit Pauken und Trompeten reißt die Zuhörer schließlich mit, ebenso der stimmgewaltige Sängerwettstreit der keine-Ahnung-wie-vielen Tenöre am Schluss.

Stargast Kathy Kelly, die den süßlichen Pilcher-Pop ihrer "Family" hinter sich gelassen hat, weiß überraschenderweise vor allem als versierte Sopranistin mit Bizets Habanera aus der Oper "Carmen" zu überzeugen. Castingshow-Gewinner Martin Kesici wagt sich mit verblüffender Stimmsicherheit an Songs von Lionel Richie und Robbie Williams. Als lockerer Kumpel mit schnoddriger Schnauze reißt er so manche von Martin Constantin steif aufgesagte Moderation herum, feuert die Kollegen an, sucht nach funktionierenden Mikros, dirigiert Nachwuchs-Choristinnen in die richtige Position. "Angel of Berlin", die seelenvoll vorgetragene Hommage des 37-Jährigen an seine Heimatstadt, wird zum emotionalen Höhepunkt eines Abends, dem die ordnende Hand im Programm und ein Fachmann am Mischpult schmerzlich fehlen.

    
    

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Die neuesten Kommentare

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von frankedanke am 11.08.2010 13:03
ohne live dort gewesen zu sein liest sich der artikel schon sehr bissig... für technische probleme können die akteure wohl nichts, es dann aber so auszulassen unschön
(0)

Kritik ist eine bodenlose Unverschämtheit

von unbekannt am 11.08.2010 09:52
Peinlich ist diese Kritik. Jeder Künstler muss eine Kritik im kauf nehmen aber wenn die Kritik nicht nur Unverschämt sodern auch fachlich daneben ist, muss ein Kommentar geschrieben werden. Martin Kesici, Kathy Kelly, Keith Ikaia-Pury, Giorgio Martin, Martin Constantin, Steve Jackson und viele Andere waren alle in Top-Form und sind von so eine Kritik nicht betroffen. Die sogenannten "Nachwuchs-Choristinnen" waren alle Gesangsstudenten der University of Northern Colorado, , die sogar schon solistisch singen. Sie standen alle vor den Fichtelberger Chören. Es ist schon Seltsam, dass nur die lokalen Chöre in beiden Artikeln gelobt wurden. Die Zuschauer wussten, dass die Künstler für den schlechten Ton nicht zuständig waren.
Peinlich ist diese Kritik
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