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Ein Rotschopf rockt auf der Luisenburg

Auf der Luisenburg spukt flink und frech ein Kobold: Hunderte von Kindern bejubeln zum Wunsiedler Saisonstart den "Pumuckl".

Von Michael Thumser
  • Auch das kommt vor: Pumuckl, nachdenklich (Ferdinand Schmidt-Modrow).
    Bessermann
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Wunsiedel - "Und was steht hier?", fragt die Lehrerin, aufs nächste Schild deutend. Der kleine Junge, auf dem Anstieg zur Naturbühne, buchstabiert für sich und antwortet dann: "Näisen der Weise." - "Nathan", verbessert die Lehrerin nachsichtig. " 'Nathan der Weise'. Das ist ein deutsches Theaterstück." Manchmal bietet ein Besuch auf der Luisenburg die Gelegenheit für ein bisschen Literaturunterricht.

Vor allem aber ist er ein Mordsspaß für die Kinder, denen die Wunsiedler Freilicht-Festspiele alljährlich ihre allererste Premiere widmen. Der inoffizielle Saisonstart, von Hunderten kleiner Leute im fast voll besetzten Auditorium mit weithin gellendem Jubel gefeiert, brachte manch einem sogar die Begegnung mit einem großen und einem kleinen Unbekannten: Denn offenbar sind "Meister Eder und sein Pumuckl" heutzutage weder in Buch- oder Hörbuch-Form noch auf Video Standardgäste in den Kinderzimmern. Mit den prominenten Namen aus Ellis Kauts Büchern, so berichtet eine Lehrerin, hätten die ersten und zweiten Klassen ihrer Grundschule bisher nichts anfangen können. Das änderte sich nun: Nach dem ohrenbetäubenden Beifall zu schließen, haben die Kleinen ein Traumpaar für sich entdeckt.

Das ist ein deutsches Theaterstück: ein süddeutsches. Bis auf den Pumuckl, der als Klabautermann die Welt zur See befuhr, fühlen sich alle Figuren wohlig daheim in der bayerischen Mundart. Deren Behaglichkeit verkörpert der Meister Eder ganz und gar: Dieter Fischer spielt ihn als gemütlichen, mal erschrockenen, auch mal erstaunten, aber unverdrossen gut gelaunten Handwerker; selber fast wie ein Kind, zeigt er sich handfesten Lösungen nicht abgeneigt, wenn der unversehens hereingeschneite Hausgeist ihn durch seinen Schabernack vor saftige Probleme stellt. Mit Tricks und Gags erzählt Regisseurin Petra Wüllenweber, wie alles begann: Das Ensemble spielt die erste Begegnung der beiden lustig und teils herzerfrischend laut durch, und Peter Engels kindgemäß unaufgeräumte Werkstatt-Bühne kündet buchstäblich davon, dass Späne fallen, wo gehobelt wird. Gelegentlich fällt auch eine liebeshungrige Dame (Katharina Schwägerl); die wird dann - laut schnarchend, weil mit Baldrian eingeschläfert - eben mal kopfüber im zunftgemäß gezimmerten Schrank zwischengelagert.

Alfred Schedl als Toni, der muntere Mopedschrauber; oder Susanna Kratsch als Hausmeisterin, ein grimmiger Putzteufel mit Stützstrümpfen und Kontrollzwang; oder Ina Meling als schwäbelnde Kleptomanin mit "Uhr-Instinkt"; oder der Herr Lehrer (Andreas Schwaiger, ein Steißpauker) mitsamt seiner aufsässigen Schülerschar ("Kevin, Aische und Chantal ..."): Sie alle finden ihren Meister im Pumuckl. Als aufgekratzter Unruhestifter wirkt er im Verborgenen, und nur der Meister Eder und natürlich das Luisenburg-Publikum können ihn sehen.

Der wunderbar unaufhaltsame Ferdinand Schmidt-Modrow - artgerecht unter feuerroter Struwwelperücke, mit gelbem Hemd, grünen Hosen und übergroßen Füßen - verwandelt den Klabautermann in einen Kletterkünstler. Gelenkig durchtrainiert, saust und springt er Rad schlagend durch die Werkstatt und liefert sich gar mit dem Meister eine klassische Verfolgungsjagd. Das Lesen muss er erst noch lernen - aber ordentlich rocken, singen und tanzen (zu fetziger, pfiffig getexteter Musik von Markus Reyhani), das hat er schon drauf.

Über der Luisenburg lacht die Sonne, und die Kinder tun's ihr schallend nach. Nebenbei begreifen sie zusammen mit dem Pumuckl, wie wichtig es sein kann, die richtigen Fragen zu stellen. "Sind Lehrer auch Menschen? Und wozu braucht man die?", will der Wicht wissen. Hierauf bleibt die Luisenburg die Antwort schuldig. Aber wer den Meister Eder und seinen Pumuckl bis gestern nicht kannte, weiß heute: Die beiden haben ihm noch gefehlt.

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Nächste Vorstellungen heute, Mittwoch, und am 12. Juni, jeweils um 10.30 Uhr. Festakt und Premiere von "Der Holledauer Schimmel" am 24. Juni um 20 Uhr.

 

 


    
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