zuletzt bearbeitet: 27.04.2011 16:14 Uhr
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Eine Passion, die bestärkt
HOF – Ein Konzert zur Passionszeit, das die Menschen gestärkt und nicht bedrückt entlässt, – Georg Stanek, Stadt- und Dekanatskantor der St. Michaeliskirche Hof, schenkt es am Karfreitag einem großen Publikum, zusammen mit seiner Kantorei, Gesangssolisten und den Hofer Symphonikern. Ein Schwede und ein Franzose sind die Komponisten zweier Werke, die nicht nur bei uns ein Außenseiter-Dasein führen, obwohl sie schon eine Weile existieren: die „Sinfonia per archi“ von Kurt Atterberg und „Die sieben Worte Jesu am Kreuz“ von César Franck. Stanek fand die Streichersinfonie aus dem 20. und die Oratorium-Kantate aus dem 19. Jahrhundert bei seiner Suche nach unverbrauchten Werken, die den Weg zur Popularität nicht wegen mangelnder Qualität sondern eher aus biografischen Gründen verpasst haben.
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Kühle Lieblichkeit
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Eine tief liegende, absteigende Mollmelodie der Celli wird durch diffizil in der Höhe arbeitende Geigenbegleitung aufgehellt und besinnt sich daraufhin auf ihre Dur-Gestalt, die übergibt sie bald an die Geigen, die sie klar und frisch an die Oberfläche tragen. Aus den modernen Harmonien filtert das Ohr immer wieder und ganz mühelos diese volkstümliche Melodie heraus – eine Verflechtung, die Hörgenuss aus kühl leuchtender Lieblichkeit bereitet.
Heftig akzentuieren die Hofer Symphoniker insistierende Motive im zweiten Satz, akkurat gelenkt von Staneks knappen Bewegungen. Die laden später weit aus zum Stimmungswechsel, in weiche Melodik hinein. Samtige Höhenbögen im Ballwechsel mit den Cello-Tiefen führen im langsamen Satz ohne Gefühlsduselei zu wacher Nachdenklichkeit; ein markantes Dreiermotiv tobt durch den letzten Satz, wird von den Celli zum Schluss per Vergrößerung abgebremst und in einem langen Schlusston ohne hochstimmende Effekte aufgefangen: Ein Passionskonzert ist ein guter Platz für dieses Werk.
Alles Schmerzliche, das César Franck seiner Komposition „Die Sieben Worten Jesu am Kreuz“ zugedacht hat, wird im „Prolog“ komprimiert und vorweggenommen: Einer Sopranstimme fällt es zu, in langgezogenen Klagerufen und traurig stimmenden Vorhalten zu fragen, ob es „einen Schmerz gibt gleich meinem Schmerz“. Diese Frage wie auch seine anderen Texte um die sieben Worte herum hat Franck – in lateinischer Sprache – nicht den Evangelien, sondern anderen Bibelstellen, hier aus dem alten Testament, entnommen, und die strahlende, tragende Stimme von Iris Meier fügt dem interpretierenden Text emotionale Tiefe hinzu. So beginnt sonst wohl eine Kantate; dagegen sind das große Orchester und die Länge von etwa 40 Minuten Zutaten für ein Oratorium.
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Gregorianische Art
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Doch das sind noch nicht alle Besonderheiten dieses Werkes. „Vater, vergib ihnen ...“ – milde und verklärt schweben die Chorworte, in gregorianischer Art schlicht und ohne Instrumente dem Wortrhythmus folgend. Dagegen übergangslos einen höllischen Stampftanz zu setzen, gehört wohl eher zur dramatischen Ausdrucksweise einer Bühne. Aber Franck wusste sehr wohl, was er da tat, denn mit demselben Wutausbruch wie hier die Stelle „Er ist unter die Übeltäter gerechnet worden“, versieht er auch (im fünften Wort) die höhnischen Worte des Volkes „Wenn du der König der Juden bist ...“ Und fraglos steigert sich nach diesem weltlichen Aufruhr, bei der Wiederholung der Christusworte, das Empfinden für deren überirdische Bedeutung.
Die Kantorei, im gesamten Werk diesmal nicht um stimmliche Artistik und Höhenflüge gebeten, meistert das gedehnte Schweben der Wörter und das überwiegende Verharren im Piano, das eine starke innere Anspannung voraussetzt. Darin folgen ihr die Instrumentalisten; dass diese Musizierweise aber auch Ungeduld und bisweilen leichte Verstimmungen verursachen kann, ist dem Solo-Bassisten Michael Lion anzumerken, auch wenn sich sein sonores Timbre in der schwierigen Akustik dieser Kirche gut durchsetzt. Der stark erkältete Tenor Rüdiger Husemeyer kann seinen anspruchsvoll hohen Part nur mit Mühe durchhalten. Und so trägt in seinem abschließenden Zwiegesang mit dem Chor „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist“ weitgehend die Kantorei die Schilderung ruhig entsagender Demut.
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