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Das Ende der "Songs"

Die Kultveranstaltung auf Kloster Banz wird im Juli zum letzten Mal in gewohnter Form stattfinden. Alle wollen das Event am Leben erhalten. Doch keiner weiß so recht wie.

Von Mathias H. Walther, Von Mathias H. Walther
  • "In der bisherigen Form wird es die ,Songs an einem Sommerabend' nicht mehr geben": Ado Schlier. Foto: Walther
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Kloster Banz - Freitagvormittag im historischen Sitzungssaal des Bad Staffelsteiner Rathauses: Thema der anberaumten Pressekonferenz ist das für den 3. Juli geplante Abschlussfest "Songs am Sonntag Nachmittag um 4". Zum Schluss gibt's eine Darbietung des Liedermacher-Duos Carolin No. Mit zu Ohren gehenden Harmonien, wohltuender Kontrast zu den vorher gehörten kritischen Tönen zum Aus der "Songs an einem Sommerabend" im dreißigsten Jahr.

Die Veranstalter, allen voran das Studio für Veranstaltungen aus Würzburg, die Stadt Bad Staffelstein, die Hanns-Seidel-Stiftung und nicht zuletzt der Vater der "Songs", Ado Schlier, winden sich in wohlgefälligen Worten. Dabei geht es lediglich um die Frage, ob ein Abschlussfest das ist, was es vorgibt zu sein: der Schlusspunkt einer drei Jahrzehnte währenden Erfolgsstory.

"In der bisherigen Form", sagt Schlier, "wird es die ,Songs an einem Sommerabend' nicht mehr geben." Wenn sich jedoch ein neuer Veranstalter finde ("Es gibt Interessenten, aber das ist noch nicht spruchreif"), könne er sich vorstellen, beratend weiter tätig zu sein. Was freilich nichts an den genannten Gründen für den Rückzug ändert. Und die sind aus Sicht der Geschäftsführerin des Würzburger Veranstaltungsunternehmens, Monika Schlier, und ihres Ehemanns Ado vielschichtig.

Da ist zum einen das liebe Geld. Zwar hat man inzwischen einen Sponsor in Form eines regionalen Bankinstituts gefunden, dennoch trage man das erhebliche finanzielle Risiko. Ado Schlier spricht von etwa 200 000 Euro, die man als Kleinunternehmen vorhalten müsse. "Die Gagen der Künstler sind der geringste Teil", heißt es.

Ein weiteres Problem sei die unwegsame Location am Berg über dem Klosterbau. Nicht nur, dass hier die Infrastruktur wie Kabelschächte fehle. Auch der Bühnenaufbau gestalte sich schwierig. Das freilich ist nichts Neues - die "Songs" finden in diesem Jahr zum dreißigsten Mal statt.

Und dann seien da noch Gespräche, die mit der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung - ihr gehört Kloster Banz mit der Klosterwiese - geführt werden müssten. Dabei geht es - so zumindest der erweckte Eindruck - um den politischen Konsens zwischen den Liedermachern und den Christsozialen. Da wird man über mehr als sieben Brücken gehen müssen. Aber auch das ging ja fast dreißig Jahre gut.

Bleibt das überzeugendste Argument der Familie Schlier für den Ausstieg: das fortgeschrittene Alter. Und weil ein bisschen schwanger nicht geht, verbietet sich auch der Ausstieg vom Ausstieg. Also bleibt es beim Fazit: Im Juli ist Schicht im Schacht.

Das freilich kann den anderen Beteiligten und Nutznießern des Liedermacher-Festivals am Obermain nicht gefallen. Die "Songs" gehören letztlich zum Marketing-Mix des Landkreises Lichtenfels und der Stadt Bad Staffelstein wie Vierzehnheiligen, der Staffelberg, Kloster Banz oder die Obermain-Therme. So deutlich drückt es Helmut Fischer, Stellvertreter des Landrats von Lichtenfels, aus. Deshalb würden Gespräche geführt. Mit wem und mit welchem Hintergrund blieb allerdings im Dunkel. Auch Bad Staffelsteins zweiter Bürgermeister Hans-Josef Stich stößt ins gleiche Horn: Wir wissen, was wir an den ,Songs' haben. Und wenn wir Gespräche führen, dann gibt es keine Denkverbote und keine politische Festlegung."

Etwas deutlicher wird da schon Michael Möslein, Statthalter der Hanns-Seidel-Stiftung in der Bildungsstätte Kloster Banz: "Wir haben großes Interesse daran, den von uns jahrelang durchgeführten Nachwuchswettbewerb der Liedermacher am Leben zu erhalten. So wie es aussieht in veränderter Form, notfalls auch im kleineren Umfeld." Dem Eindruck, dass die Hanns-Seidel-Stiftung aus politischen Erwägungen heraus, die Klosterwiese nicht mehr für ein Liedermacher-Festival zur Verfügung stellen wolle, widerspricht er allerdings vehement.

Die dreißigsten "Songs an einem Sommerabend" finden am 1. und 2. Juli auf der Klosterwiese von Kloster Banz statt. Der Samstag ist bereits ausverkauft. Beginn ist jeweils um 19 Uhr, Einlass ab 16 Uhr.

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Restkarten gibt es im Ticketshop der Frankenpost und bei den bekannten Vorverkaufsstellen.

Fest zum Abschluss

Das große Abschlussfest der "Songs" findet am Sonntag, dem 3. Juli, um 16 Uhr unter dem Titel "Songs am Sonntag Nachmittag um 4" statt. Es will als Finale nach dreißig Jahren Liedermacher-Festival auf der Klosterwiese daran erinnern, dass es auch in einer Zeit der Schnelllebigkeit Künstler gibt, die nicht mit Händen und Füßen um den Anschluss an das Pop-Getöse kämpfen.

Es singen und spielen: Konstantin Wecker mit Band, Klaus Hoffmann und Band, Solozuviert, Bodo Wartke und The Capital Dance Orchestra, Viva Voce, Dominik Plangger mit seiner neuen Band, Andi Weiss und als Moderator Matthias Brodowy.

    
    

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Die neuesten Kommentare

Spendergeld, ungünstige Berglage und problematische "Liedermacher-(Songs)"....

von Rut66 am 14.03.2016 11:30
DAS sind klar heftige Lasten.

Und wenn man dann auch noch die Kohle zum Fenster-rauswerfen-soll - ääähh....línken Barden, linken Vögeln, an den Hals werfen - tja dann ist logischerweise irgendwann mal Schicht im Schacht, was man den Geld- / Kohle-Stiftern wahrlich nicht verübeln kann / darf.
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