zuletzt bearbeitet: 18.08.2009 07:37 Uhr
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Feinarbeit im Dienste der Genies
Manufaktur | In Bayreuth entstehen bei Steingraeber & Söhne Flügel und Klaviere, die weltweit zu den Besten zählen. Für den Bau der Instrumente braucht es Präzision und edelste Materialien.
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Firmenchef Udo Schmidt-Steingraeber
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In der Montagehalle bei Steingraeber in Bayreuth entstehen heiß begehrte und kostbare Konzertflügel und Klaviere.
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Bayreuth - Den Anspruch, den sie an sich und ihr Handwerk stellen, leiten sie aus den Worten eines Tasten-Genies ab: "Es kommt darauf an", sagte Vladimir Horowitz einmal, "das Klavier vom Schlaginstrument in ein singendes Instrument zu verwandeln - mit Schattierungen, Farben und Kontrasten." Was Horowitz, bekannt für seinen impulsiven, temporeichen Stil, aufs klavierspielerische Können bezog, das legen die Spezialisten der Klaviermanufaktur Steingraeber & Söhne in Bayreuth für ihre handwerkliche Leistung aus. "Im Grunde ist es ganz einfach", sagt Firmenchef Udo Schmidt-Steingraeber. "Man nehme die besten natürlichen Materialien und verbinde diese nach den Regeln einer hervorragenden Konstruktion zu einem lebendigen Instrument - dann entsteht der klangliche Farbenreichtum, den Horowitz ersehnte."
Farbenreichtum
Dieser Farbenreichtum, diese Qualität entsteht allerdings nur dort, wo Menschen am Werk sind, die ihr Kunsthandwerk verstehen und dieses noch manuell ausüben. "Nur mehr zehn Manufakturen weltweit sind in der Lage, derart modulationsfähige Klangquellen herzustellen, wie sie für professionelle Pianisten lebensnotwendig sind", sagt Schmidt-Steingraeber. Zu ihnen gehört die Manufaktur in Bayreuth, die im Jahr 1852 von Eduard Steingraeber gegründet wurde und in einem prachtvollen Rokokobau aus dem Jahr 1754 untergebracht ist.
Welche Ebene die Firma mittlerweile erreicht hat in der Welt des Klavierbaus, wird aus einem Ranking in den USA deutlich: Im Jahr 2007 listeten Experten des "Piano Book" in der höchsten Qualitätsstufe 1 A nur noch fünf Hersteller weltweit auf: Blüthner, Bösendörfer, Fazioli, Steinway-Hamburg und Steingraeber & Söhne, Bayreuth. Auch im Land der härtesten und gefürchtetsten Klaviertests, in Frankreich, schneidet die Bayreuther Manufaktur mit ihren Produkten immer wieder erfolgreich ab: Beim "Choc" in der Bastille-Oper wurde Steingraeber & Söhne so oft wie kein anderer Teilnehmer als Bester der Spitzenklasse identifiziert. Und im Kanon der positiven Stimmen von Klavier-Stars ragt das Urteil von Cyprien Katsaris heraus, der über den Star unter den Steingraeber-Flügeln sagte: "Der E-272 ist ein echtes Meisterwerk. Mit einem einzigartigen Klangcharakter bietet er einzigartige Möglichkeiten der Modulation."
Unter der Führung von Udo-Schmidt-Steingraeber, der das Unternehmen in sechster Generation leitet, stellen 36 Mitarbeiter jedes Jahr 80 Flügel und 70 bis 80 Klaviere her. Mit Ausnahme der Gussplatte und der Saiten wird jedes Einzelteil der klingenden Meisterwerke in dieser "vielleicht ungewöhnlichsten Klavierfabrik der Welt" (Firmenchef Schmidt-Steingraeber) selbst gefertigt. Vom Keller bis zum dritten Stockwerk sind Schlosser, Klavierbauer, Schreiner und Klavierschreiner damit beschäftigt, edelste Hölzer (Buche und Ahorn für die hohen Frequenzen, Fichte und Kiefer für die tieferen) zu bearbeiten, zusammenzufügen, zu leimen, zu biegen, mit der Mechanik und dem Spielwerk zu vereinen.
Hölzer, Vorprodukte und Metalle stammen weitgehend aus regionalen Quellen, wie der Firmenchef betont, "schon wegen der Qualitätssicherung". Mit eigenen Computerprogrammen und in enger Zusammenarbeit mit den Universitäten Bayreuth und Erlangen sowie dem Zent-rum "Neue Materialien Bayreuth" werden Konstruktionen und Materialien ständig überprüft und auf dem höchsten Standard gehalten.
Die Stärke einer Manufaktur ist die Flexibilität: Steingraeber stellt Klaviere und Flügel oft nach den Wünschen der Kunden her. Und da gibt es die unterschiedlichsten und teuersten Möglichkeiten, was die Gestaltung, das Design und das Material betrifft. Die Palette reicht vom Rokoko mit geschwungener Zargenunterkante bis zum Art Déco, von der Vogelaugenahorn-Oberfläche bis zum Furnier aus einem exotischen Edelholz, das über 400 Euro pro Quadratmeter kostet. Ein luxuriöser Konzertflügel aus der Bayreuther Manufaktur kommt gut und gerne auf über 100 000 Euro. Solche Edel-Instrumente mit dem historischen Schriftzug "Steingraeber & Söhne" stehen in vielen großen Konzerthäusern, Theatern und Konservatorien in aller Welt, in Paris und in Weimar, in Genf und in Lyon, in Paris, Oslo oder in Dubai. "Die meisten Instrumente verkaufen wir an Kunden in Frankreich, England, Japan und in den USA", sagt Marketing-Leiter Christian Lacher.
Mit welcher Präzision die Spitzeninstrumente in Bayreuth gebaut werden, an welchen Details die Klavierbauer dabei feilen, wird am "Prinzip der Sekundärklangkörper" deutlich. "Ein Instrument lebt durch seine natürlichen Materialien", unterstreicht Firmenchef Schmidt-Steingraeber. "Damit untrennbar verbunden ist die Handwerkskunst alter Schule. Der klassische Klavierbau zählt alle Bauteile zum Klangkörper und verwendet deshalb natürliche, schwingende Materialien - nicht, wie das in der Industrieproduktion durchaus der Fall ist, schalldämmende MDF- und Spanplatten zum Beispiel."
Damit der Resonanzboden eines Flügels optimal als "Hoch-, Mittel- und Basstöner-Lautsprecher" funktioniert, stimmen die Klavierbauer von Steingraeber das Fichtenholz exakt ab: Dabei wird der schon eingeleimte, unlackierte Resonanzboden mit feinem Quarzsand bestreut und danach durch Klopfen zum Schwingen gebracht. Bleibt der Sand auf der Stelle liegen, ist diese als inaktiver Bereich identifiziert und wird anschließend - durch Ausdünnen des Holzes - optimiert.
Die Bayreuther Manufaktur ist auch bekannt für bahnbrechende Erfindungen. Zusammen mit dem britischen Ingenieur und Klavier-Experten Richard Dain entwickelte Steingraeber Flügel mit klimaresistenten, extrem dynamischen und stabilen Kohlefaser-Resonanzböden sowie das neue Energieübertragungs-System "Phoenix", das extremstes Pianissimo-Spiel ermöglicht und dem Instrument, wie der Firmenchef sagt, "die unglaublichsten Obertonreserven und Ausschwingzeiten entlockt".
Für Klavierspieler, die an den Rollstuhl gefesselt sind, hat die Bayreuther Manufaktur eine spezielle Bluetooth-Technik entwickelt. Dabei kann der Pianist über eine Beißschiene drahtlos eine mobile, aktuatorgelenkte Pedaleinheit ansteuern.
Ein wenig selber spielen
Udo Schmidt-Steingraeber spielt selbst "ein wenig" Klavier, wie er verrät. Fast alle Instrumente, die sein Haus verlassen, hat er nach eigenem Bekunden gespielt "oder, besser gesagt: geprüft". Selbstkritisch und bescheiden räumt er allerdings ein: "Leider reicht das eigene Können lange nicht an das hin, was wir fast täglich von Kunden zu hören bekommen."
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