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Trauer
Heinz Badewitz ist tot

Er hat die Internationalen Hofer Filmtage zu einem der wichtigsten Filmfeste im deutschsprachigen Raum gemacht: Heinz Badewitz. Nun ist der Festivalleiter im Alter von 74 Jahren gestorben.

Von Ralf Sziegoleit
  • Heinz Badewitz
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Hof - "Das fünfzigste Mal wirst du dein legendäres Festival auch noch machen", sagte Wim Wenders, als er im Februar 2005 in Berlin eine launige Laudatio auf Heinz Badewitz hielt. Damals blickten die im Jahr 1967 gestarteten Internationalen Hofer Filmtage mit einer Ausstellung am Rande der Berlinale auf eine 38-jährige Erfolgsgeschichte zurück. Nun ist Heinz Badewitz tot, gestorben - plötzlich und unerwartet - siebeneinhalb Monate vor seinem 50. Festival. Natürlich hat man davon ausgehen müssen, dass es ihn "irgendwann" nicht mehr geben würde. Aber öffentlich ausgesprochen wurde der Gedanke, ob und wie es dann weiterginge, zum ersten Mal im Februar dieses Jahres. Als hätte jemand vor drei Wochen eine böse Vorahnung gehabt. Erleichtert nahm man zur Kenntnis, was das Cine-Center Hof als Veranstalter des Festivals mitteilte: Es werde weitergehen, auch im Fall des eigentlich unvorstellbaren Falles.

Badewitz starb als Besucher eines Filmfestivals. Bei der "Diagonale" in Graz schaute er sich um, wie so oft bei Festspielen in ganz Europa. Zwischen Edinburgh und Cannes pflegte er nach neuen, wichtigen Filmen für Hof zu suchen - und fündig zu werden. Nach eigenen Worten bombardierte man ihn mit Angeboten: "Wo ich bin", sagte er, "ist Hof." Pro Jahr wurden ihm mehr als 2500 Filme zur Begutachtung vorgelegt. Daraus traf er, unterstützt von einigen Mitarbeitern, die Auswahl für sein Festival.

Nach seinem unerwarteten Tod, der alle seine Freunde - und deren hatte er viele - schockiert, heißt es, er sei "einer der Gründer" der Hofer Filmtage gewesen. Stimmt schon, es waren noch andere dabei: Uwe Brandner, der später selbst Filme drehte, und Werner Weinelt, in dessen "New Jazz Group" Heinz Badewitz am Schlagzeug saß; Brandner blies ins Saxofon. Aber die treibende Kraft konnte kein anderer als Badewitz selber sein. In München war er tätig, beim Film als Kameramann, und fürs Fernsehen brachte er "die Mainzelmännchen in Bewegung", wie ich damals in einem Artikel für diese Zeitung schrieb. Und er war auf dem Weg, selber ein Filmemacher zu werden. Die eigenen kurzen Filme wollten er und seine Freunde 1967 in München vorstellen. Aber kein Kinobesitzer ließ sich ein "auf diese langhaarigen Affen", so hat er das später selbst geschildert. Darum ging man nach Hof, wo Badewitz geboren wurde und aufgewachsen ist; hier war er mit dem Inhaber eines Filmtheaters persönlich bekannt.

Schon in den ersten Jahren zeigten spätere Berühmtheiten wie Werner Herzog, Wim Wenders und Rainer Werner Fassbinder ihre Filme. Hof wurde, konnte Badewitz später sagen, zum "Geburtsort des neuen deutschen Films". Er selbst wurde zum dienstältesten Festivalchef mindestens Europas, wenn nicht der ganzen Welt. In diesem Jahr hätte er nicht nur "seine" 50. Filmtage, sondern auch seinen 75. Geburtstag feiern können. Wohl niemand hätte gedacht, dass da etwas schiefgehen könnte. Er wirkte ja immer noch dynamisch und jung, so unverwüstlich wie seine Beatles-Frisur. Wenn er vor der Leinwand Regisseure oder Regisseurinnen vorstellte und nie vergaß, sie zu umarmen, war er in seinem Element. Und weil er so gut mit allen konnte, hatte er seit 1977 auch bei den Berliner Filmfestspielen ein Amt. Dort betreute er die Reihe "German Cinema", die ausschließlich deutsche Filme präsentierte.

Berlin ehrte ihn im Jahr 2001 mit der "Berlinale Kamera"; er erhielt Ehrenpreise zum Bayerischen und zum Deutschen Filmpreis, einen weiteren Ehrenpreis des Verbandes der deutschen Filmkritik, den Kulturpreis Bayern und den Kulturpreis der oberfränkischen Wirtschaft (schon 1990), außerdem 1998 das Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik und zwölf Jahre später das Große Verdienstkreuz. Die Stadt Hof ernannte ihn 2009 zu ihrem Ehrenbürger. Die letzte Auszeichnung wurde ihm 2014 mit dem Ehrenpreis "First Steps" der Deutschen Filmakademie zuteil. Er bekam ihn als "international respektierter Programm-Macher" und als "Mentor junger deutscher Filmemacherinnen und Filmemacher, die seit Generationen einen festen und wichtigen Platz im Programm seiner Hofer Filmtage haben".

Ich weiß nicht mehr, wann das war, aber lange her ist es nicht, da sagte Wim Wenders, dass sein Freund Heinz Badewitz "sowieso unsterblich" sei. Und natürlich hatte er recht: Durch das Werk, das er geschaffen hat, lebt der Gründer und Leiter der Hofer Filmtage über seinen physischen Tod hinaus.

Mehr zum Thema:
Badewitz im Exklusiv-Interview von 2014: "Jeder ist ersetzbar"

    
    

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Die neuesten Kommentare

Hut ab...

von schildkroete10 w am 14.03.2016 12:24
... für alles was Hr. Badewitz für Hof und die Hofer Filmtage erreicht hat. Durch ihn sind die Filmtage nicht nur regional bekannt geworden.
Ein ganz Großer ist von uns gegangen.
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Zu hoffen u. zu wünchen, die Filmtage-Truppe findet bald einen würdigen...

von Rut66 am 14.03.2016 10:53
...und kraftvollen Nachfolger des Hr. Badewitz. Sicher keine leichte Aufgabe.
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vielen herzlich dank

von hoferabroad am 14.03.2016 08:42
für all die filme und die damit verbundene erinnerungen. er wird immer in erinnerung bleiben - H.O.F. home of films
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Danke,

von Bergziege w am 13.03.2016 13:26
für all das Engagement!
Es sind genau diese Menschen, die die Region liebens - und auch lebenswert machen.
Unvergessen auch, dass Hof einem Oscar- Preisträger den Weg geebnet hat.
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