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Todesschuss im Morgengrauen

Ein 26-jähriger Mann stirbt am Fuß eines Hochsitzes, weil ihn ein Jäger wohl mit einem Wildschwein verwechselt. Für die Ermittler ist es bislang völlig rätselhaft, warum das Opfer um fünf Uhr am Tatort war.

Von Harald Jäckel
  • Auf dem liegenden Baumstamm links im Bild unmittelbar vor dem Hochsitz lag das Opfer, als Rettungskräfte und Notarzt eintrafen. Fotos (2): haj
  • Der Blick vom Tatort-Hochsitz auf die freie Stelle im Maisfeld, auf der die Wildschweine erlegt werden.
  • Hundeführer Bernd Tuchbreiter suchte mit seinem Diensthund am Samstag den Tatort ab. Foto: Polizei
Bild von

Schönwald - Die letzten Stunden im Leben von Uwe T. (Name geändert) werden womöglich für immer ein Geheimnis bleiben. Denn als der 26-Jährige am Samstagmorgen gegen fünf Uhr am Fuße eines Hochsitzes von einem Jäger erschossen wird, der den Mann nach eigener Aussage für ein Wildschwein hält, befindet sich Uwe T. in der Nähe von Schönwald im Kreis Wunsiedel - mehr als 50 Kilometer von seinem Heimatort Schwarzenbach am Wald im Kreis Hof entfernt. Vermutlich zu Fuß. In Tatortnähe wird kein Fahrzeug gefunden. Warum der Mann aus dem Frankenwald im Morgengrauen an der einsamen Stelle im Fichtelgebirge vor dem Hochstand zwischen Wald und einem großen Maisfeld steht, als ihn der tödliche Schuss aus dem Gewehr des 51-jährigen Jägers über ihm trifft, ist ein Rätsel.

Mit Spezialmunition

Der Jäger selbst - ein 51-jähriger Schreiner aus dem Kreis Wunsiedel, der auch eine Büchsenmacherwerkstatt betreibt - hat Spezialmunition in seinem Gewehr geladen. Er hat es an diesem sternenklaren Morgen auf Wildschweine abgesehen, die Maisfelder mögen. Der Schuss aus dem Jagdgewehr in die Brust des Opfers richtet verheerende innere Verletzungen an. Uwe T. verblutet, obwohl ihm der Jäger selbst noch Erste Hilfe leistet und auch der vom Schützen alarmierte Notarzt schnell am Tatort ist. Dieser Tatort liegt auf dem Gebiet der Stadt Schönwald am Ortsrand ganz in Nähe des Waldschwimmbades. Das Waldstück nahe der Kleinsiedlung Grünauer Vorwerk und der Sophienquelle - ein beliebtes Wanderziel - gehört zum Pachtrevier des 51-jährigen Jägers.

Tatort in Grenznähe

Das Waldstück liegt aber auch ganz in der Nähe zur Tschechischen Republik. Nicht einmal zwei Kilometer sind es bis zur grünen Grenze. Wohl auch deshalb machen bereits am Samstag Gerüchte in Schönwald die Runde, Uwe T. habe sich in Tschechien Drogen besorgt und sei damit eben über diese grüne Grenze gekommen, um Kontrollen zu entgehen. Haltlose Gerüchte wohl. Denn die Polizei, die auch einen Spürhund einsetzt, findet an der Leiche und am Tatort keine Spur von Drogen. Nach Recherchen unserer Zeitung ist Uwe T. allerdings ausgerechnet wegen Drogendelikten vorbestraft. Auf Anfrage unserer Zeitung bei Beate Weiß, Pressesprecherin des zuständigen Polizeipräsidiums Oberfranken in Bayreuth, heißt es in Sachen Vorstrafen von Uwe T. aber nur: "Journalistische Informationen zum Opfer werden weder dementiert noch bestätigt."




 

An diese Sprachregelung hält sich auch der Hofer Oberstaatsanwalt Reiner Laib, der erklärt, "dass die näheren Umstände der fatalen Schussabgabe noch unklar sind". Allerdings - sagt Laib im Gespräch mit unserer Zeitung - wird gegen den Schützen wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Der Jäger jedoch ist auf freiem Fuß, weil gegen ihn kein Haftgrund besteht. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt der Ermittlungen haben die Fahnder auch keinerlei Hinweise auf eine wie auch immer geartete Beziehung zwischen Opfer und Schützen. Der Schütze selbst gilt in Jägerkreisen als äußerst erfahrener Waidmann. Zudem ist der 51-Jährige als Büchsenmachermeister ein gelernter Waffenexperte.

Die Experten der Polizei wollen in einem der wichtigen Ermittlungsstränge im Fall Uwe T. nun klären, aus welchem Grund der 26-Jährige am Tatort war und wo genau ihn der Schuss traf. Sollte dies tatsächlich genau unterhalb und unmittelbar vor dem Hochstand des Jägers gewesen sein - dort wo Uwe T. starb - hätte der 51-Jährige in extrem spitzem Winkel schießen müssen. Ein Fall also, der den Fahndern in Hof und Bayreuth noch viele Rätsel aufgibt. Und der Familie von Uwe T. in Schwarzenbach am Wald die schwere Trauerarbeit.

    
    

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