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Ein Herz für Hack

Philipp Michael Köhn erhält für seine Bachelor-Arbeit den "Förderpreis der Fleischwirtschaft". In seiner Abschluss-Arbeit hat der Spross der Metzgerei Max die Online-Vermarktung des Familienunternehmens ausgearbeitet.

Von Ann-Kristin Schmittgall
  • Auf dem iPad hat Philipp Michael Köhn den Online-Shop der Metzgerei Max immer im Blick. Der 23-Jährige hat die Internet-Vermarktung für den Betrieb seiner Familie ausgearbeitet. Foto: Schmittgall
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Hof/Frankfurt - Kinder, die aus Familienbetrieben stammen, schlagen als Erwachsene oft einen komplett anderen Weg ein. Entweder, weil sie in eine Branche hineingeboren sind, mit der sie sich von Natur aus nicht identifizieren können, oder weil sie nicht wollen, dass die Eltern den Lebensweg vorherbestimmen. Im Fall von Philipp Michael Köhn ist das anders.

Der 23-jährige Hofer ist einer der Sprösslinge der Metzgerei Max. Anstatt sich nach dem Abi von den Fleischwaren abzuwenden, beginnt er an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Weihenstephan-Triesdorf ein Studium für Lebensmittel-Management. "Mein gewählter Schwerpunkt lag dabei auf tierischen Erzeugnissen", sagt Philipp Köhn.

Der junge Mann habe nie ein Problem mit seinen Wurzeln gehabt. Ebenso wenig habe er jemals den Drang verspürt, seine Herkunft ins Gegenteil zu verkehren. "Schon zu Schulzeiten habe ich nach dem Unterricht immer im Laden ausgeholfen", erzählt Köhn. Und dass er sich im Metzgerei-Milieu wirklich wohl fühlt, zeigt das Ergebnis seines Hochschul-Abschlusses. Mit einem Notenschnitt von 1,3 beendet Köhn sein Studium im vergangenen März als Jahrgangsbester. Für seine Bachelor-Arbeit verleihen ihm die fleischwirtschaftlichen Fachmedien des Deutschen Fachverlags sogar den "Förderpreis der Fleischwirtschaft" in Frankfurt (siehe Infokasten). Der Titel von Köhns Werk: "Markt- und Wettbewerbsanalyse zur strategischen Positionierung eines neu zu implementierenden Online-Shops."

Mit seiner Abschluss-Arbeit schreibt der Hofer eine Gebrauchsanleitung für die Internet-Vermarktung der Metzgerei Max. "Das ganze ist aus einer Schnapsidee entstanden", erzählt der junge Mann. Vor zwei Jahren habe die Max-Familie am Heiligen Abend zusammengesessen und erste Ideen für einen Online-Shop ausgesponnen - quasi als zusätzliche Filiale. Philipp Köhn sah das als eine Herausforderung an: "Mit diesem Projekt konnte ich meine theoretischen Kenntnisse aus dem Studium mit der Betriebspraxis unseres Unternehmens verknüpfen."

Als der 23-Jährige seinem Professor von der Idee für seine Arbeit erzählt, sei dieser sofort begeistert gewesen, sagt Philipp Köhn. Sein Dozent sei es auch gewesen, der den damaligen Studenten motiviert hat, sich für den Nachwuchspreis zu bewerben. "Professor Dr. Paul Michels hat mich bei der Entwicklung für ein neues Vertriebskonzept sehr unterstützt und mir bei den einzelnen Schritten geholfen."

Denn dem damaligen Studenten wird schnell klar, was für einen Brocken an Arbeit er sich da selbst aufgelastet hat. "Zunächst musste ich den Markt analysieren", erzählt Köhn, "ich musste herausfinden, ob der Online-Shop eines handwerklichen Betriebs überhaupt Potenzial hat beziehungsweise ob die Leute an so einem Angebot interessiert sind."

Als nächstes war eine Konkurrenzanalyse nötig. "Gibt es so etwas schon in der Region? Wenn ja, welche Qualität hat die Plattform?" Schließlich musste sich Philipp Köhn noch über eine Philosophie klar werden, die er mit dem Online-Shop vermitteln möchte. "Zum einen war es mein Ziel, jüngere Leute anzusprechen und zum anderen wollte ich vermitteln, dass unsere Metzgerei hochwertige und frische Ware über lange Lieferwege garantieren kann." Außerdem musste sich Philipp Köhn mit gesetzlichen Richtlinien auseinandersetzen. "Der Preis zum Beispiel muss immer pro 100 Gramm gekennzeichnet sein."

Viel Herzblut stecke in seiner Bachelor-Arbeit, sagt Philipp Köhn. Doch sei er stolz darauf. "Und ich glaube, meine Eltern finden es auch ganz gut", sagt er und lächelt. Der Online-Shop sei von den Kunden nämlich gut angenommen worden. Die Metzgerei konnte sogar einige neue Käufer gewinnen. "Der Shop hatte eine gute Chance, sich auf dem Markt zu etablieren - das war auch das Ergebnis meiner Arbeit."

Zurzeit nimmt Philipp Köhn an einem 16-monatigen Trainee-Programm bei der Biomarkt-Kette Denn's teil. Wie es danach weitergeht, weiß der Hofer noch nicht. Eine Rückkehr in die Region will er nicht ausschließen, geplant sei es jedoch nicht. Möglichkeiten hat er viele. Denn die 1000 Euro Preisgeld will er in seine Bildung investieren.

Mit diesem Projekt konnte ich meine theoretischen Kenntnisse aus dem Studium mit der Betriebspraxis unseres Unternehmens verknüpfen.

Philipp Michael Köhn,

Förderpreis-Gewinner


Mehr zum Förderpreis

Die fleischwirtschaftlichen Fachmedien des Deutschen Fachverlags (die Allgemeine Fleischer Zeitung, afz, und das Magazin Fleischwirtschaft) vergeben in diesem Jahr erstmals den "Meat Vision Award" und den "Förderpreis der Fleischwirtschaft". Die Initiative soll Top-Nachwuchskräfte aus Handwerk, Industrie, Handel und Wissenschaft fördern und sie an die Branche binden. Die Verleihung fand am Vorabend der IFFA (Internationale Leitmesse der Fleischwirtschaft) statt.


    
    

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