zuletzt bearbeitet: 24.03.2011 13:45 Uhr
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"In Coburg gibt es zu viele Neider"
Handball | Als Sportlicher Leiter steckt der Wunsiedler Sigi Roch mit seinem Verein HSC 2000 Coburg mitten im Abstiegskampf. Darüber hinaus hat er beim Zweitligisten auf weiteren Baustellen zu kämpfen.
Sigi Roch hat seine eigene Zeitrechnung. Zu den Chancen im Abstiegskampf befragt, macht der Sportliche Leiter des HSC 2000 Coburg deutlich: "Momentan ist es sieben nach Zwölf!". Hinsichtlich des Ligaverbleibs hat der gebürtige Wunsiedler elf Spieltage vor Saisonende seinen Optimismus aber trotzdem nicht verloren: "Die Hoffnung ist immer noch da."
Seit Mitte Dezember 2009 ist Roch - bis aufs weitere ehrenamtlich - für die 1. Handball-Mannschaft des oberfränkischen Zweitligisten verantwortlich und hat seither mehr Arbeit als ihm lieb ist. Neben der mühsamen Spielerakquise versucht der 50-Jährige vor allen Dingen die Strukturen beim Tabellenletzten zu optimieren - mit bisher mäßigem Erfolg. "Ich habe bei keiner meiner Stationen eine derartige Unruhe erlebt", gibt Roch preis und fügt an: "Das macht die Arbeit nicht gerade leicht."
In Coburg gebe es zu viel Neider, die Neuerungen gegenüber grundsätzlich skeptisch seien und das Projekt HSC bremsen würden. Ein Zustand, den der ehemalige Torhüter von seinen bisherigen Stationen als Spieler und Manager nicht kennt. "Ich kann das nicht ganz nachvollziehen. In Nettelstedt beispielsweise werden Veränderungen akzeptiert und die ganze Stadt ist stolz auf ihr Aushängeschild."
Gegen alle Störfeuer will Roch das sinkende Schiff HSC 2000 Coburg wieder auf Kurs bringen. Dass der ehemalige Nationalspieler das HSC-Ruder heute in den Händen hält, hätte er Anfang Dezember 2009 allerdings noch nicht für möglich gehalten. Als die Situation zum Ende der Hinrunde immer prekärer wurde, bot Roch dem HSC aus der Ferne spontan seine Hilfe an. Es folgte ein loses Treffen und dann "ging alles ganz schnell". Roch wurde als sportlicher Leiter installiert, erlebte promt die Entlassung von Cheftrainer Georgi Sviridenko mit.
Es folgte eine wenig erfolgreiche Übergangslösung mit Spielertrainer Christian Rose sowie Ralf Baucke und Andreas Müller als Trainergespann, bis Ende Februar Raimo Wilde als "Feuerwehrmann" verpflichtet wurde. Der Ex-Coach vom Ligakonkurrenten Bergischer HC sei für den HSC ein Glücksfall, unterstreicht Roch. "Wenn es einer schafft, dann der Raimo!" Bisher wartet der extrovertierte Wilde allerdings noch auf sein erstes Erfolgserlebnis: Die Partien gegen Frankfurt und Hüttenberg gingen verloren.
Sollte der HSC den Abstieg noch vermeiden können - derzeit fehlen zwei Punkte zum rettenden Ufer - würde schon in der kommenden Saison die nächste größere Herausforderung warten: Die Qualifikation zur eingleisigen 2. Liga, die mindesten Rang neun voraussetzt.
Ein ohnehin schwieriges Unterfangen, das durch die diffizile Personalsituation noch unwahrscheinlicher erscheint. Denn bezüglich des Kaders sind Roch praktisch die Hände gebunden. "Bis auf zwei Positionen besitzen alle Spieler gültige Verträge für eine mögliche Zweitligasaison", erklärt Roch das Dilemma.
Da ist es fast logisch, dass im ohnehin personal-kritischen Umfeld des Vereins ein möglicher Abstieg in die Regionalliga als gern gesehene Alternative in Betracht gezogen wird. "Natürlich hätten wir dann personell mehr Spielraum. Aber ein Wiederaufstieg ist nicht einfach", gibt Roch zu bedenken.
Unabhängig von der sportlichen Situation will Roch in Zukunft in Coburg vor allen Dingen eines etablieren: Kontinuität. Kein unnötiger Trainer- und Spielerverschleiß, eine transparente Vereinsphilosophie sowie ein nachhaltiges Jugendkonzept sind die Schlagworte. Letzteres, das macht Roch deutlich, braucht vor allen Dingen eines: Zeit. Erst nach fünf bis zehn Jahren könne man hier "etwas ernten".
Viel Arbeit also für den neuen Sportlichen Leiter. Arbeit, die der 50-Jährige zum größten Teil vor Ort erledigen will. Zwar besitzt Roch ein Haus in Großwallstadt - und ist auch dort Mitglied des Gemeinderates -, unter der Woche trifft man ihn aber eigentlich immer im Büro der Geschäftsstelle an. Wenn es zeitlich passt, steht deshalb auch bald wieder ein Besuch bei Bruder Horst in Selb ("Mit ihm telefoniere ich regelmäßig") auf dem Programm. Auch ein Spiel seines Heimatvereins HSG Fichtelgebirge will Roch besuchen. Doch zunächst muss er all seine Kraft in den HSC stecken. Denn in Coburg ist es - ausgerechnet im 10. Jahr des Vereinsbestehens - weiterhin sieben nach 12 . . .
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