zuletzt bearbeitet: 20.04.2011 11:00 Uhr
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"Die Saison zu verlängern, wäre das letzte Mittel"
Spielausfälle | Für Bayernliga-Spielleiter Jürgen Faltenbacher wird es „langsam lustig“. Vereine müssen mit Wochentagsspielen leben. Grundsätzliche Änderungen sind schwer durchzusetzen.
In der Bayernliga hinken Vereine mit bis zu fünf Spielen hinter dem offiziellen Spielplan her. Wie wollen Sie als verantwortlicher Spielleiter das Termin-Chaos in den Griff kriegen?
Ja (stöhnt), langsam aber sicher wird es kritisch und enorm eng. Die Neuansetzungen der ausgefallenen Spiele haben wir den Vereinen im Entwurf zur Verfügung gestellt und um Absprache bis zum kommenden Montag gebeten. Wir haben die noch zur Verfügung stehenden Feiertage Ostermontag und Christi Himmelfahrt mit eingeplant. Leider haben diese beiden Feiertage bei weitem nicht ausgereicht und Wochentagspiele sind schon vonnöten. Für Vereine, die auch im Pokal mit dabei sind, ist das Programm doppelt hart. Außerdem lässt ja das Wetter am Wochenende schon wieder Spiele purzeln, so dass es langsam lustig wird.
Mutet der Verband seinen ihm anvertrauten Vereinen nicht zu viel zu? Bayernliga-Spieler gehen in aller Regel noch einem Beruf nach.
Die Frage ist: Welche Alternative gibt es? Was würde uns eine Verlängerung der Saison wirklich bringen? Da wollen die Spieler in den Urlaub, da beginnt die Wechselzeit, heuer kommt die WM dazu. Und, und, und...
Keine Angst, dass da mal einer aus der Firma fliegt, weil er sehr oft wegen Fußball unterwegs ist?
Das hoffe ich wirklich nicht. Wenngleich die Situation auf dem Arbeitsmarkt nicht rosig ist, hoffe ich dennoch, dass die Verantwortlichen in den Firmen und Betrieben zumindest ein Stück weit Verständnis für diese sehr außergewöhnliche Situation aufbringen.
Wir erleben einen der härtesten Winter seit vielen Jahren. Müssen die Fußball-Terminplaner umdenken?
Wir werden immer wieder eines Besseren belehrt. Da hat man zwei drei milde Winter und dann kommt alles auf einmal. Der letze harte Winter mit ähnlichen Verhältnissen war im Spieljahr 2005/2006. An mir sollen Änderungen nicht scheitern. Aber der BFV ist auch nur ein Teil, eines der Rädchen in diesem Uhrwerk, die ineinander greifen müssen. Solange wir ein Teil davon sind, werden wir entsprechend gebunden bleiben.
Wie kann man den Vereinen entgegenkommen? Wird über eine Verlängerung der Saison nachgedacht?
Eine Verlängerung der Saison ist die letzte aller Möglichkeiten. Da hängen ja alle nachgeordneten Klassen dran und die oben schon erwähnten Aspekte.
Mit 19 Vereinen ist die Bayernliga überbesetzt. Ein Verein hat immer spielfrei. Wird da nicht ein Spieltag regelrecht verschenkt?
Ich selbst bin mit der Überzahl auch nicht unbedingt glücklich und habe bereits bei der Sommertagung alle Vereine auf die schwierige Situation hingewiesen. Dass es sich nun gleich so auswirkt, hätte sich wohl keiner träumen lassen. Nachdem dieser Überhang durch verstärkten Abstieg aus der Regionalliga entstanden und bei uns kein gleitender Abstieg geregelt ist, war schnell klar, dass die 19er-Liga ein Kraftakt wird. Genauso kompliziert ist es in der Landesliga.
Immer wieder taucht in strengen Wintern die Frage auf, ob der deutsche Fußball seinen Terminplan nicht nach dem skandinavischen Vorbild aufstellen kann. In Finnland, Schweden und Norwegen beginnt die Saison im März und endet Anfang November.
Ich persönlich hätte nichts dagegen. Aber es wäre schon etwas vermessen, wenn ich als Einzelperson öffentlich dem DFB Vorgaben machen würde, wie er die Saison für ganz Deutschland zu planen hat. Sie können aber versichert sein, dass ich intern und fundiert zu derartigen Themen meine Meinung nachhaltig kundtue.
Die Vereine haben ohnehin mit sinkenden Zuschauerzahlen zu kämpfen. Bei Minustemperaturen oder Sauwetter kommen noch weniger. Stehen da die Verbände bei den Vereinen nicht in der Pflicht?
Jeder verlorene Zuschauer kostet unseren Vereinen bares Geld, das ist richtig. Aber der Verband versucht doch ohnehin seinen Vereinen Service und Hilfestellung zu geben. Leider, oder vielleicht Gott sei Dank kann der Verband das Wetter nicht selbst machen oder bestimmen. Denn selbst dann könnte man es nicht jedem recht machen und das Wetterbild würde sich alle fünf Minuten ändern. Ich würde liebend gerne jedem Verein tolle Spiele bei bestem Wetter mit möglichst vielen Zuschauern wünschen, aber leider gibt es bei einer Freiluftsportart wie dem Fußball halt auch solche Situationen. Vielleicht entschädigt ja der Bayernliga-Auftakt 2010 in Hof unsere Region mit einem tollen Event - ich würde es mir wünschen, weil es die Region auch verdient hat.
Müssten in unserer Region nicht mehr Kunstrasenplätze zur Verfügung stehen? Und was könnten DFB und BFV dazu beitragen?
Sie werden lachen, aber ich habe mich mit dieser Situation vor ein paar Tagen schon gedanklich auseinander gesetzt. Da müssen Vereine aus unserer Region ins Nachbarland fahren, um vernünftig trainieren und spielen zu können. Mein Ansatz wäre, dass sich der Landkreis zusammen mit den Kommunen, den Vereinen und einheimischen Firmen zwei oder vielleicht drei Standorte miteinander aussuchen sollten, um dort dann miteinander in einem Zweckverband, am besten nah an einem Sportverein solche Kunstrasenplätze für alle im Kreis zu errichten. Die Auslastung in Eger fast zeigt, dass gerade in so einer Zeit die Plätze rund um die Uhr genutzt werden. Nachdem die Mittel für solche Projekte vom BLSV kommen, kann der Fachverband nur beratend und unterstützend tätig sein.
Im benachbarten Tschechien schießen die Kunstrasenplätze mit Staatshilfe wie Pilze aus dem Boden. Warum wird bei uns nichts getan?
Wahrscheinlich ist das ganze Thema bei uns so noch nicht in den Köpfen drinnen. Ich habe gerade meinen Lösungsansatz aufgezeigt, vielleicht ist dies ein Anstoß, dass man in eine derartige Richtung gehen oder planen sollte.
Die Fragen stellte Peter Langer
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