Was sich im Vorfeld bereits andeutete, ist eingetreten: Mit einem Rekord-Teilnehmerfeld von 520 Athleten feierte der Fichtelgebirgs-Marathon seinen zehnten Geburtstag. Damit wurde der Vorjahresrekord (440) nochmals übertroffen und erstmals die 500er-Marke geknackt. Und die Sieger von 2008 verteidigten ihre Titel in nie erwarteter Art und Weise: Klaus Wießner von den Lauffreunden Gößweinstein über die 42,195 Kilometer in 2:49,15 Stunden und Matthias Flade über die Halbmarathon-Distanz in 1:14,53. Darunter waren mit Siegfried Hochholdinger (TS Selb), Michael Fuchs (Zweibrücken), Detlef Prussak (TSV Bärenstein), Dieter Ladegast (Bayreuth), Roland Nusche (Nabburg) und Vaclav Krejsa (Tschechien) insgesamt sechs Aktive, die alle zehn Marathons im Fichtelgebirge absolviert haben und dafür ausgezeichnet wurden. Auch der Landshuter Polizist Manfred Lugginger wollte zu jenen gehören, doch eine Verletzung ließ das nicht zu. So schwang er sich aufs Mountainbike und radelte die Strecke bis ins Ziel.
Es hat alles gepasst
Es hat wieder mal alles gepasst auf der langen, steinigen und landschaftlich so reizvollen Strecke von Weißenstadt nach Wunsiedel mit seinen beiden brutal langen Anstiegen und insgesamt über 800 Höhenmetern. "Diese Veranstaltung wird einfach von Läufern für Läufer gemacht wird, die wissen, was ein Athlet auf und neben der Strecke benötigt", lobt der Schwarzenbacher Unternehmer Dr. Christian-Heinrich Sandler (LG Hallerstein/Schwarzenbach), der trotz Achillessehnenbeschwerden auf der "kleinen" Strecke tapfer durchhielt. Er lobt den Fichtelgebirgs-Marathon genau so in den höchsten Tönen wie Dr. Harald Fichtner. Der Hofer Oberbürgermeister verbesserte sich über die 21,1 Kilometer bei seinem zweiten Auftritt um sage und schreibe 15 Minuten gegenüber dem Vorjahr und kam danach richtig ins Schwärmen: "Es gibt kaum einen schöneren Lauf in Hochfranken." Vor allem die "super Organisation" beeindruckt Fichtner, der am Samstag bereits seinen vierten Halbmarathon absolvierte und schon deshalb gut vergleichen kann.
Streckenchef hängt im Morast
Dabei hatte der Morgen alles andere als vielversprechend für den Veranstalter begonnen, als Streckenchef Steffen Groschupp bei einer letzten Besichtigung der neuralgischen Punkte mit seinem Pickup im Bereich Kösseine im Morast versunken war und erst eine halben Stunde vor dem Start von einem Bauern mit dem Traktor wieder aus seiner misslichen Lage befreit werden konnte. Der Forst hatte den ohnehin vom vielen Regen aufgeweichten Boden an zwei Stellen aufgearbeitet. Entsprechend knapp und gehetzt erreichte der wiederum selbst mit laufende Groschupp den Start in Weißenstadt. "Wie er das geschafft hat, ist mir ein Rätsel", erklärt der für die Organisation zuständige Peter Karl. Nicht mal mehr zwei Minuten waren ihm geblieben, um sich noch ins Feld der über 500 einzureihen. Probleme gab"s auch in Leupoldsdorf, wo am Waldrand die Halbmarathons auf die Strecke gehen. Dort hatte sich offenbar am frühen Morgen ein bislang Unbekannter besonders witzig gefunden und die Schilder für die Streckenführung abmontiert. "Das hat uns viel Zeit und Nerven gekostet", ärgert sich Karl, aber wir haben"s gerade noch hinbekommen.
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Es ist einfach beeindruckend, was Klaus Wießner leistet. Zum vierten Mal trug sich der Gößweinsteiner als Sieger über die Marathonstrecke ein und verbesserte seine Topzeit aus dem Vorjahr nochmals um knapp drei Minuten. Dabei hatte alles auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Harald Schricker hingedeutet. Die Experten behielten anfangs auch recht, denn beide hatten sich auf der dem Startpunkt gegenüberliegenden Uferseite des Weißenstädter Sees deutlich vom Hauptfeld abgesetzt. Doch nach zwei Dritteln der Strecke musste Schricker mit muskulären Problemen aufgeben. Und damit war der Weg endgültig frei für Wießners Triumphlauf.
Gunst der Stunde genutzt
Die Gunst der Stunde nutzte ein 35-jähriger Tirschenreuther, Jürgen Stangl, der am Ende völlig überraschend mit sechseinhalb Minuten Rückstand Zweiter wurde. Er wollte die Veranstaltung "nur als Trainingslauf" für den am 19./20. September stattfindenden Berlin-Marathon nutzen. Nach zehn Kilometer aber habe er gemerkt, dass es "recht gut" geht. Am Ende wurde daraus sein "Hammerding". So richtig "happy" sei er, weil er nie damit gerechnet habe.
Ebenso stolz durfte auch Matthias Flade als Sieger des Halbmarathons in fast exakt der Vorjahreszeit sein. Ganze fünf Sekunden war er trotz einer gerade erst ausgeheilten Wadenverletzung "langsamer", aber über vier Minuten eher im Ziel als Rüdiger Bauer (SGB Stadtsteinach) und Stefan Macht (LG Hallerstein-Schwarzenbach). Die 1:14,53 bedeuteten erneut eine "super Zeit" und Flades insgesamt fünften Sieg bei bislang sechs Auftritten. Der Halbmarathon wurde erst 2004 ins Programm genommen.
Die beste Dame aus der Region kommt ebenfalls aus der Münchberger Läuferfamilie Flade. Melanie, die jüngere Schwester von Matthias, wurde Vierte im Damenfeld über die 21,1 Kilometer. Einig waren sich am Ende alle: Organisation, Verpflegung und diese Herzlichkeit gibt es nirgendwo anders. Der Fichtelgebirgs-Marathon bleibt etwas Besonderes, und wer ihn nie gelaufen ist, hat wohl etwas versäumt in seiner Läufer-Karriere.
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