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Eeels-Frontmann Mark Oliver Everett blickt auf zehn Jahre Karriere zurück
Es bleibt immer ein bisschen Dunkles
Rock/Pop
Claudia Nitsche (teleschau - der mediendienst)
(tsch) Zehn Jahre sangen die Eels den Indie-Fan aus jeder Krise. Mark Oliver Everett ist der Mann hinter dieser Band. Schlau, oft traurig, packte der Multiinstrumentalist Album um Album all die erbärmlichen Dinge seines Lebens in Lieder. Jetzt blickt er mit dem umfassenden Doppelalbum "Useless Trinkets" und der zeitgleichen Veröffentlichung "Meet The Eels" (1996-2006) zurück auf seine eigene Geschichte. Eine Geschichte, die sich viel zu oft ums Sterben drehte. Der Tod war ein treuer Gefährte im Leben von "E", der sich lange Zeit als der Junge definierte, der seine Familie überlebte. Heute ist er 44 und sein neues Lieblingswort heißt "Zukunft". Sein Blick ging zurück für den Schritt nach vorn. Der ewig In-sich-Gekehrte hat gerade richtig Lust aufs Leben.
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Mark Oliver Everett von den Eels gibt sich hoffnungsvoll und zukunftsorientiert. "Aber ein bisschen Dunkles bleibt immer", sagt er auch.
Bild: Universal / Niels Alpert
teleschau: Die zehn Eels-Jahre der Best-Of erstrecken sich von 1996 bis 2006. Da wir jetzt 2008 haben, muss ich doch mal nach dem Grund für die Verzögerung fragen.

Mark Oliver Everett: Wir hätten vielleicht eher daran denken sollen, diese Alben vorzubereiten. Irgendwie dauerte es zwei Jahre, bis ich alles beieinander hatte. Das Remastern der Songs nahm eine Menge Zeit in Anspruch, ich schrieb Texte zu den Liedern.

teleschau: Du findest es nicht enervierend, Deine Songs zu erklären?

Everett: Nein, das war eine interessante Sache. Ich hörte alle nur einmal an und schrieb dann einfach runter, was mir dazu einfiel. Manchmal war es nicht viel. Aber meistens findet sich schon ein Detail, alleine, weil du aus einem anderen Blickwinkel auf das schaust, was du früher gemacht hast. Du bist älter.

teleschau: Was dachtest Du beim Zusammenstellen der Songs.

Everett: Ich habe noch nie zurückgeschaut. Jetzt wollte ich wissen, wo ich stehe, was ich bis heute geschafft habe und wo ich hingehen will.

teleschau: Hat sich da so was wie Stolz eingeschlichen?

Everett: Nein, so würde ich das nicht nennen. Aber ich merkte, dass ich mit der Vergangenheit fertig bin, schlicht bereit für die Zukunft.

teleschau: Das heißt auch, den Blick mal von sich abwenden, so wie es Dein Song "I Want To Protect You" beschreibt?

Everett: Ja, mal nach jemand anderem zu schauen als sich selbst. Das Lied war zwar für den Film "Big White" mit Robin Williams, aber ich hatte da auch jemand Speziellen im Sinn.

teleschau: Du hast außerdem eine Biografie geschrieben, die im Januar in England veröffentlicht wurde: "Things The Grandchildren Should Know".

Everett: Der Titel ist indirekt zu verstehen, ich habe noch keine Kinder. In Amerika erscheint das Buch erst im Herbst. Ich hoffe, dass es in andere Sprachen übersetzt wird, aber das braucht wohl noch etwas Zeit.

teleschau: Was ist es denn, was andere Menschen wissen sollen?

Everett: Ich wollte unsicheren jungen Leuten Mut machen. Wenn sie lesen, dass ein anderes Kind schreckliche Sachen mitgemacht und trotzdem sein Leben in den Griff bekommen hat, inspiriert das vielleicht, es auch zu schaffen. Ich dachte mir, das wäre eine ganz brauchbare Botschaft, die man weitergeben könnte.

teleschau: Stehst Du insgesamt vor einem Neustart?

Everett: Ich drehte auch noch eine Dokumentation über meinen Vater, einen erfolgreichen Physiker. Ich denke, dass mich all das Zurückschauen richtig gierig auf die Zukunft gemacht hat. Jetzt möchte ich vorwärts gehen.

teleschau: Das klingt optimistisch ...

Everett: Ja, das ist es. Mir geht's gut und ich bin am rechten Ort zur rechten Zeit.

teleschau: Du mochtest immer den Satz von Ray Charles "Du musst das Besondere an dir herausfinden und pflegen". Rührt Deine Zuversicht daher, dass Du herausgefunden hast, was das Besondere an Dir ist?

Everett: Ich arbeite noch dran. Aber es stimmt, ich habe diesen Satz für mich übernommen und bin auf der Suche nach der Definition dieses Dings, das einzigartig ist. Meine Songs, das bin ich.

teleschau: Die empfandest Du trotz ihrer oft offenkundigen Traurigkeit immer als hoffnungsvoll.

Everett: Naja, vielleicht nicht immer, aber im Grunde schon.

teleschau: Wie wird das denn in Zukunft sein?

Everett: Als Person geht es mir besser, und demnach wird sich das auch in der Musik niederschlagen. Aber es bleibt natürlich immer ein bisschen was Dunkles, wenn man nachdenkt.

teleschau: Ich glaube, jeder, der die Eels kennt, mag sie. Hast Du eine Ahnung, woher dieses gute Image kommt?

Everett: Wenn Du glaubst, dass dem so ist, freu ich mich. Aber wir finden bestimmt jemanden, der die Eels hasst. Als Künstler kannst Du nichts machen, was niemanden nervt. Das gehört dazu. Ich kann nur sagen, dass ich versuche, die Füße am Boden zu lassen, integer zu bleiben, und etwas hoffentlich Wertvolles zu schaffen, das es gestern noch nicht gab. Und wenn nicht, hat es immer noch mein Leben gerettet, Songs zu schreiben.

teleschau: Ist das der Grund, weswegen Du mehr oder weniger allein arbeitest?

Everett: Es ist ja nicht so, dass ich niemandem zuhöre. Ich arbeite in den seltensten Fällen wirklich alleine. Aber ich bin eine starke Persönlichkeit im künstlerischen Bereich, habe konkrete Ideen und weiß, wo ich hinwill. Ich muss der Chef sein, das ist meine Natur.

teleschau: Bist Du immer noch so ehrgeizig wie vor zehn Jahren?

Everett: Ich war ehrgeiziger, als ich jünger war. Was aber nichts mit musikalischer Ambition zu tun hat, denn da habe ich nach wie vor noch viele Ideen. Als Mensch bin ich allerdings weniger ehrgeizig als damals. Ich denke, das ist normal, denn man hat ja schon einiges gelernt.

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Eels-Frontmann Mark Oliver Everett blickt auf dem Doppelalbum "Useless Trinkets" und der zeitgleichen Veröffentlichung "Meet The Eels" auf zehn Jahre Musikkarriere zurück.
Bild: Universal / Niels Alpert
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"Ich wollte unsicheren jungen Leuten Mut machen", sagt Everett über die Intention seiner Biografie mit dem Titel "Things The Grandchildren Should Know".
Bild: Universal / Niels Alpert
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Mark Oliver Everett: "Jetzt wollte ich wissen, wo ich stehe, was ich bis heute geschafft habe und wo ich hingehen will."
Bild: Universal / Niels Alpert
 
 
 
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