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50 Jahre nach Woodstock - «Africa Speaks» von Santana

Sein ekstatischer Auftritt beim Woodstock-Festival machte Santana 1969 berühmt. Zum 50-jährigen Jubiläum will er wieder auf der Woodstock-Bühne spielen. Auf seinem neuen Album kombiniert Santana seinen markanten Gitarrensound mit afrikanischen Einflüssen.



Carlos Santana
Carlos Santana will Einheit und Harmonie bringen.   Foto: Sashenka Gutierrez/EFE

Als Carlos Santana am 16. August 1969 die Bühne des Woodstock-Festivals betrat, hatte er mit seiner jungen Band noch nicht mal ein Album veröffentlicht. Das schlicht «Santana» betitelte Debüt erschien erst zwei Wochen später.

«Es war beängstigend, auf ein Meer von Menschen zu blicken, ohne überhaupt eine Platte auf dem Markt zu haben», erinnert sich der 71-Jährige in London im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. «Und plötzlich stehst du auf der Bühne mit Jimi Hendrix, Sly Stone, The Who und all den anderen.»

Mit ihrem mitreißenden Auftritt, der in dem beinahe ekstatischen Instrumentalstück «Soul Sacrifice» gipfelte, schrieb die Band um den damals 22-jährigen Gitarristen Rockgeschichte. Auf den Tag genau 50 Jahre nach dem legendären Gig will Santana beim Jubiläumsfestival Woodstock 50 auftreten, das nach zwischenzeitlichen finanziellen Schwierigkeiten nun wohl doch stattfinden wird. «Ich bin so dankbar und glücklich darüber», sagt er. «Wir sind eine der wenigen Bands, die mit mehr Energie zurückkehren können.»

Santana wird in Woodstock sein neues Studioalbum «Africa Speaks» im Gepäck haben. «All die Musik, die ich in meinem Leben gespielt habe, alle Musiker, die ich liebe, wir alle spielen afrikanische Musik in der einen oder anderen Form», erklärt der Musiker, der von den «Rhythmen, Farben und Leidenschaften Afrikas» schwärmt und immer wieder in Bildern spricht. So sei afrikanische Musik, «als würde man einem unschuldigen Fünfjährigen zusehen, der mit Begeisterung immer neue Abenteuer entdeckt.»

Der in Mexiko geborene US-Amerikaner sagt, er sei mit sich selbst im Reinen, und er erzählt mit einer Gelassenheit, die auch auf Zuhörer beruhigend wirkt. Im Gegensatz dazu ist Santanas neues Album eher unruhig - im positiven Sinne. «Africa Speaks» ist pulsierend, wild und tanzbar, ein einstündiger Jam in elf Akten. Die ungebremste, hörbare Spielfreude und die langen Instrumentalpassagen wecken Erinnerungen an 1969. Anders ist, dass Sängerin Buika, spanische Latin-Grammy-Gewinnerin mit Wurzeln in Äquatorialguinea, dazu singt.

«Wir wollten Einzigartigkeit, Individualität, Echtheit und mehrdimensionale Vielfalt würdigen», sagt Santana fast esoterisch. Starproduzent Rick Rubin, der schon Madonna, Metallica und Johnny Cash zu Erfolgsalben verhalf, sortierte das musikalische Treiben. «Wie er alles geordnet hat, das ist unglaublich», lobt Santana. Rubin sei «sehr akribisch, auf eine subtile Art», und «nicht der Typ Produzent, der sich vor dir aufbaut und sagt, was du zu tun hast».

In nur zehn Tagen nahm die Band 49 Songs auf, von denen elf auf dem Album landeten. «Zwei oder drei haben wir zweimal aufgenommen, alles andere in einem Take», sagt Santana stolz. «Ich will nicht angeben, ich will nur sagen, dass es einen wundervollen Energiefluss gab.»

Latin-Rock, Jazz, Blues, Fusion, Weltmusik - irgendwie ist von allem etwas dabei. «Africa Speaks» braucht ein paar Durchläufe, bis es sich voll entfaltet. Doch dann offenbaren sich musikalische Genialitäten wie «Batonga», in dem sich Santanas Gitarre und die Hammond-Orgel duellieren. «Yo Me Lo Merezco» entpuppt sich als bluesige Rockballade. «Blue Skies» ist eine neunminütige Jazz-Spielerei.

Nicht im Sortiment sind potenzielle Singles, wie es sie auf dem Erfolgsalbum «Supernatural» (1999), mit dem Santana derzeit auf Jubiläumstournee ist, haufenweise gab. Um kommerzielle Hits à la «Smooth» schert sich Santana nach 50 Jahren im Musikgeschäft nicht mehr. Und sie werden auf «Africa Speaks» auch nicht vermisst.

Auf die Frage, ob er bereits 1969 eine so langlebige Karriere im Sinn gehabt habe, winkt der Musiker ab. «Ich weiß gar nicht, was das Wort Karriere heißt», sagt er, «denn mein Vater, sein Vater und sein Vater waren Musiker. Für uns war das also immer eine Art zu leben, keine Karriere oder ein Beruf.» Was Santana nach all den Jahren immer noch zum Musikmachen antreibt, klingt ganz nach dem Geist von Woodstock: «Es macht mich an, Einheit und Harmonie zu bringen.»

Veröffentlicht am:
07. 06. 2019
16:01 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
07. 06. 2019
16:01 Uhr



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