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Anwältin nennt Harvey Weinstein einen «Sünder»

Die Gerichtsverhandlung gegen Harvey Weinstein kommt schneller voran als gedacht. Schon im Februar könnte ein Urteil stehen. In den nächsten Tagen wird sich entscheiden, ob der mutmaßliche Vergewaltiger selbst in den Zeugenstand tritt.



Weinstein-Prozess
Harvey Weinstein (M) kommt mit Rollator ins Gericht.   Foto: Richard Drew/AP/dpa

Nach der Befragung von Zeugen der Anklage ist ein Ende des aufsehenerregenden Vergewaltigungsprozesses gegen den Ex-Filmmogul Harvey Weinstein absehbar.

In den kommenden Sitzungstagen will nun die Verteidigung des 67-Jährigen vor dem New Yorker Gericht eigene Zeugen und Beweisstücke zur Entlastung Weinsteins präsentieren. Es ist dabei nicht ausgeschlossen, dass der Angeklagte auch selbst aussagt. Damit könnte der seit Anfang Januar laufende Prozess Beobachtern zufolge schon in den kommenden zwei Wochen zu Ende gehen.

Am Donnerstag hatte die Staatsanwaltschaft die Befragung ihrer Zeugen in dem Prozess abgeschlossen. In den vergangenen mehr als zwei Wochen hatten die zwölf Geschworenen teils drastische Aussagen von sechs Frauen gehört, die Weinstein sexuelle Übergriffe und Vergewaltigung vorwerfen. Dazu kamen weitere Zeugen und eine Psychiaterin, die die Anschuldigungen stützen sollten. Die Verteidigung Weinsteins um die Anwältin Donna Rotunno versuchte in Kreuzverhören, die Zeuginnen als unglaubwürdig darzustellen und damit bei der Jury Zweifel zu säen.

In dem am Freitag veröffentlichten Podcast «The Daily» der «New York Times» bezeichnet Rotunno ihren Mandanten derweil als «Sünder»: «Man kann davon ausgehen, dass Harvey Weinstein ein Sünder ist, und man kann davon ausgehen, dass er Dinge getan hat, die Sie nicht tun oder die Sie nicht mögen». Sie betonte dabei, dass es einen Unterschied zwischen Sünden und Verbrechen gebe. «Unangemessenes Verhalten» sei nicht gut, «aber das heißt nicht, dass du den Rest deines Lebens im Gefängnis verbringen musst».

Die «New York Times» veröffentlichte am Freitag bislang unbekannte mutmaßliche Aussagen Weinsteins nach einem sexuellen Übergriff: «Manchmal weiß ich nicht, wann es einvernehmlich ist. Ich versuche zu lernen. Vielleicht erkenne ich meine Macht in diesen Situationen nicht», sagte Weinstein 1998 laut Mitschriften von Anwälten. Weinstein ließ von seinen Anwälten zurückweisen, diese Worte jemals gesagt zu haben.

Mehr als 80 Frauen haben Weinstein seit 2017 sexuelle Übergriffe vorgeworfen. In dem Prozess geht es aber nur um zwei Fälle: Weinstein wird vorgeworfen, 2006 die Produktionsassistentin Mimi Haleyi zum Oral-Sex gezwungen zu haben, eine andere Frau soll er 2013 vergewaltigt haben. Im Falle einer Verurteilung droht ihm lebenslange Haft. Bei der Anklage wurden viele Fälle nicht berücksichtigt, weil sie entweder verjährt waren oder nicht in New York stattgefunden haben sollen. Am Ende kommt alles auf die Jury an, die über Schuld und Unschuld Weinsteins entscheidet.

Der Ex-Filmproduzent gibt an, dass jegliche sexuelle Handlungen einvernehmlich geschehen seien. Seine Verteidiger zeigten wiederholt E-Mails und Textnachrichten der Frauen, die nach den mutmaßlichen Übergriffen geschrieben wurden und ein positives Verhältnis zu Weinstein zeigen sollen. Die Anklage hingegen wollte mit ihren Zeuginnen ein Muster offenlegen: Das eines Mannes, der seine Macht in der Filmindustrie ausgenutzt habe, um sich junge Frauen gefügig zu machen, indem er ihnen für Sex Karrierehilfe versprochen und sie bei einem «Nein» zum Geschlechtsverkehr gezwungen habe.

Die Anschuldigungen gegen Weinstein, im Herbst 2017 von der «New York Times» und dem Magazin «New Yorker» veröffentlicht und später mit dem Pulitzer-Preis gekrönt, traten die MeToo-Bewegung los. Überall auf der Welt erkannten viele Frauen und auch einige Männer ihre eigenen Geschichten in denen der Weinstein-Opfer wieder und begannen, sie unter dem Schlagwort «Me too» («Ich auch») zu sammeln.

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dpa

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Veröffentlicht am:
07. 02. 2020
18:17 Uhr

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dpa

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07. 02. 2020
18:17 Uhr



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