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«Bestandsaufnahme Gurlitt» - Aufklärungsarbeit geht weiter

Auf der Sammlung Gurlitt liegt der Schatten der NS-Vergangenheit. Nach Jahren der Begutachtung durch Experten werden die Werke jetzt in Berlin erstmals im kompletten Überblick gezeigt.



Bestandsaufnahme Gurlitt
«Waterloo Bridge» von Claude Monet stammt aus einer ganzen Serie von Brückengemälden.   Foto: Ralf Hirschberger » zu den Bildern

Der spektakuläre Schwabinger Kunstfund hat Deutschland fast 70 Jahre nach Kriegsende nochmals auf einzigartige Weise an seine Verantwortung aus der Nazi-Zeit erinnert. Mehr als 1500 Kunstwerke, in der Wohnung des Münchner Eigenbrötlers Cornelius Gurlitt beschlagnahmt, standen im Verdacht, NS-Raubkunst zu sein.

Fünf Jahre später gibt eine Ausstellung in Berlin erstmals einen kompletten Einblick in die jahrzehntelang geheim gehaltene Sammlung. Nach zwei Einzelschauen in Bern und Bonn bietet der Berliner Martin-Gropius-Bau sowohl einen Blick auf die Nazi-Aktion «Entartete Kunst» als auch auf die perfide Geschichte des NS-Kunstraubs.

Erneut sind wichtige Werke von Dürer bis Monet, von Cranach bis Kirchner, von Cézanne bis Rodin zu sehen. Sie machen die Bandbreite der Sammlung deutlich, die Gurlitts Vater Hildebrand als einer der wichtigsten Kunsthändler der Nazis zusammentragen konnte.

Noch wichtiger aber ist der Blick hinter die Kulissen. Mehr als bisher rücken die Schicksale der meist jüdischen Opfer in den Focus, wie Rein Wolfs, Intendant der Bundeskunsthalle und Kurator der Ausstellung, vor der Eröffnung sagte. Sein Haus hat die Schau gemeinsam mit dem Kunstmuseum Bern, dem offiziellen Erben der Sammlung, zusammengestellt. Sie ist vom 14. September bis 7. Januar zu sehen.

2013 hatten erste Berichte von einem «Jahrhundertfund» und einem «milliardenschweren Nazischatz» gesprochen. Doch die akribischen Recherchen seither zeigen andere Dimensionen. Nur sechs der gut 1500 Werke konnten bisher klar als NS-Raubkunst identifiziert werden.

Prominentes Beispiel in der Ausstellung: «Porträt der jungen Frau» (1850-1855) von Thomas Couture, das der Sammlung des französischen Staatsmannes Georges Mandel zugeordnet wurde. Ein kleines Loch in der Leinwand führte auf die Spur. Mandels Lebensgefährtin hatte nach dem Krieg zu Protokoll gegeben, dieses bei ihm gestohlene Gemälde habe einen kleinen Einriss gehabt.

Hunderte anderer Werke konnten als unbedenklich eingestuft werden. Das meiste Kopfzerbrechen jedoch bereiten die 327 Bilder, die nach Angaben der Berner Museumsdirektorin Nina Zimmer noch raubkunstverdächtig sind. Alle Beteiligten sprachen sich deshalb dafür aus, die Aufklärungsarbeit weiterzuführen.

Die «Bestandsaufnahme Gurlitt», so der Titel der Ausstellung, dürfe kein Schlusspunkt sein, mahnte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU). «Im Gegenteil, sie ist ein Ausgangspunkt, von dem aus mehr Forschende als bisher mit besserem Rüstzeug als bisher der Wahrheit auf den Grund gehen können.»

In der Ausstellung ist jedem einzelnen der insgesamt rund 200 Bilder eine Erklärung beigefügt, was die Erforschung der Herkunftsgeschichte bisher ergeben hat. Zudem gibt es viele Dokumente, historische Fotografien und zeitgeschichtlichen Hintergrund über die europäischen Dimensionen des NS-Kunstraubs.

Bei dem berühmten Gemälde «Waterloo Bridge» von Claude Monet etwa ist ein Vermerk von Gurlitts Mutter Marie von 1938 abgedruckt, die dem Sohn bestätigt, er habe dieses Bild 1923 von den Eltern zur Hochzeit geschenkt bekommen. Wozu es dieser Bestätigung bedurfte und warum sie 15 Jahre nach der Hochzeit kam, gehört zu den Rätseln, denen die Forscher noch nachgehen.

Veröffentlicht am:
13. 09. 2018
16:36 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
13. 09. 2018
16:36 Uhr



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