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Bühnenverein diskutiert Führungsstile und Fachkräftemangel

Auf seiner Jahreshauptversammlung besetzt der Bühnenverein seine Führung weitgehend paritätisch und geht den Theatern und Orchestern mit gutem Beispiel voran. Auch bei Macht- und sexuellem Missbrauch sowie Einflussnahmen von rechts will der Verband durchgreifen.



Ulrich Khuon
Ulrich Khuon bleibt Präsident des Deutschen Bühnenvereins.   Foto: Paul Zinken

Der Deutsche Bühnenverein hat in seinen Führungsgremien weitgehend eine paritätische Besetzung mit Männern und Frauen erreicht.

Bei der Wahl des Präsidiums auf der Jahreshauptversammlung des Verbands wurden die sechs Gruppenvorstände mit je einem Mann und einer Frau besetzt, wie Präsident Ulrich Khuon am Samstag in Nürnberg mitteilte. Khuon, der Intendant des Deutschen Theaters in Berlin ist, wurde im Amt bestätigt. Damit sind sechs Positionen weiblich und sieben männlich besetzt.

Neben dem Thema Geschlechtergerechtigkeit befassten sich die rund 300 Intendanten, Regisseure und Theaterdirektoren auf der zweitägigen Tagung mit dem Umgang mit Macht- und sexuellem Missbrauch an Bühnen, der Auseinandersetzung mit rechtspopulistischen Strömungen und dem Fachkräftemangel der Branche. An zahlreichen Bühnen fehlten insbesondere Bühnen- und Beleuchtungstechniker, aber auch im handwerklichen und im administrativen Bereich sei es teilweise sehr schwierig, Fachkräfte zu bekommen, sagte der geschäftsführende Direktor des Verbands, Marc Grandmontagne.

An vielen Häusern gebe es einen Wandel in der Führungs- und Kommunikationskultur, berichtete Khuon. «Es geht um gerechtes Führen, darum, dass man in die Mitarbeiter hineinhört und sich feiner einstellt auf die Menschen, für die man verantwortlich ist.» An vielen Bühnen komme eine junge, hochmotivierte Schauspielergeneration nach. «Die haben eine hohe Eigendynamik und ein sehr großes Vertrauen darin, was aus ihnen selbst entsteht. Die erreichen Sie nicht mehr durch hierarchische Führungsstile.»

Zum Thema Macht- und sexueller Missbrauch sagte der Bühnenvereinspräsident, in der Theater-, Film- und Fernsehbranche seien Beschäftigte besonderen Rahmenbedingungen ausgesetzt. Befristete Projekte und von Abhängigkeit und Nähe bestimmte Anbahnungsphasen für ein Engagement seien anfällige Strukturen für missbräuchliches Verhalten. Neben einem auf der vergangenen Hauptversammlung beschlossenen Verhaltenskodex zur Prävention von sexuellen Übergriffen und Machtmissbrauch sei in der Branche im Oktober vergangenen Jahres eine unabhängige Vertrauensstelle für Opfer solchen Verhaltens geschaffen worden.

Die von dem Verein «Themis» getragene Stelle helfe bei der Aufarbeitung der Übergriffe, vermittele und moderiere auf Wunsch der Betroffenen zwischen Arbeitgeber und Opfer und berate und unterstütze diese juristisch und psychologisch. Bisher seien bereits zahlreiche Anrufe mit unterschiedlicher Beratungsintensität eingegangen, berichtete Khuon. Nach einem Jahr würde die Arbeit der mit zweieinhalb Mitarbeitern besetzten Vertrauensstelle bilanziert.

In der Auseinandersetzung mit rechtspopulistischen Strömungen stünden die Theater dafür, die Komplexität der Wirklichkeit als Reichtum abzubilden und emotional und sinnlich erfahrbar zu machen, betonte Khuon. «Die Theater sind hervorragend dazu geeignet, analoge Foren des Austauschs über gesellschaftliche und ästhetische Modelle zu bieten», sagte Khuon.

Den Otto-Kasten-Preis für Nachwuchsförderung erhielten die Tänzerin des Theaters Bielefeld, Noriko Nishidate, und der Kommunikationsleiter des Stadttheaters Gießen, Behzad Borhani. Die nach dem gleichnamigen Schauspieler und Regisseur benannte Auszeichnung wird alle zwei Jahre an Theaterschaffende bis 35 verliehen und ist mit 10 000 Euro dotiert.

Der Deutsche Bühnenverein ist der Interessen- und Arbeitgeberverband von rund 470 Theatern, Opernhäusern und Orchestern.

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dpa

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16. 06. 2019
11:52 Uhr

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16. 06. 2019
11:52 Uhr



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