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Daniela Krien und das Dilemma moderner Frauen

In ihrem neuen Roman widmet sich die Schriftstellerin Daniela Krien modernen Frauen - und deren Zerrissenheit zwischen Familie und Beruf. Sie weiß, wovon sie schreibt.



Daniela Krien
Daniela Krien über «Die Liebe im Ernstfall».   Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Die Schriftstellerin Daniela Krien (44) bricht große Themen auf eine persönliche Ebene herunter - mit Erfolg. Der neueste Roman der Leipziger Autorin «Die Liebe im Ernstfall» ist eines von fünf nominierten Büchern für den diesjährigen Preis der Unabhängigen Buchhandlungen («Lieblingsbuch der Unabhängigen»).

In «Die Liebe im Ernstfall» schreibt Krien von der Zerrissenheit von Frauen mittleren Alters zwischen Familie und Beruf. Sie kennt das Dilemma aus eigener Erfahrung. Die Alleinerziehende, die in Mecklenburg-Vorpommern geboren wurde und im Vogtland aufwuchs, hat zwei Töchter. Neben dem Schreiben ist die Autorin vor allem mit der Pflege ihrer 13 Jahre alte Tochter beschäftigt, die seit einer Impfung als Baby schwerbehindert ist.

Zunächst habe sie in ihrem aktuellen Roman ihre eigene Geschichte und die ihrer Tochter verarbeiten wollen, erzählt Krien. Dann empfand sie das Thema als zu nah am eigenen Alltag - und schrieb ein Buch über fünf Frauenfiguren. «Es war mir ein wichtiges Anliegen, darüber zu schreiben, worin wir Frauen gerade stecken», sagt Krien der Deutschen Presse-Agentur. «Wir versuchen, eine Familie aufzubauen, sie zu erhalten, gleichzeitig beruflich erfolgreich zu sein und aber auch noch für die Kinder da zu sein», beschreibt sie das Dilemma. Irgendein Baustein komme dabei immer zu kurz.

Gesellschaftlich werde von Frauen Erfolg im Beruf sowie eine funktionierende Familie erwartet, beobachtet Krien. Das baue Druck auf. Frauen würden praktisch gezwungen, diesen «feministischen Kampf zu kämpfen». Doch auch andere Lebenskonzepte müssten anerkannt werden, findet die Autorin. Ihr literarischer Anspruch: «Ich möchte zeigen, was gerade ist in dieser Gesellschaft, wo es überall Konflikte gibt und wie die in die Familien hineinwirken.» Auch die Suche nach Liebe und Aufgehobensein ist ein Thema im Roman.

Krien lebt seit 2012 vom Vater ihrer Kinder getrennt. Auch in ihrem Bekanntenkreis hätten sich viele Frauen vom Vater der Kinder getrennt - «oft wegen unerfüllbar hoher gegenseitiger Erwartungen», vermutet Krien. Dieses Scheitern machte sie in «Die Liebe im Ernstfall» zum Thema. Lange habe er keinen so gleichermaßen unterhaltsamen wie psychologisch klugen Roman über die Lebens- und Liebeswirklichkeit erwachsener Menschen in der Bundesrepublik Deutschland der Gegenwart gelesen, urteilte etwa der Literaturkritiker Denis Scheck.

Das Schreiben hat sich Krien autodidaktisch beigebracht. Wenn ihre Töchter in der Schule sind, arbeitet sie. «Manchmal schreibe ich nur irgendeinen Satz auf.» Daraus entspinnt sich dann häufig eine Geschichte. Doch die Kinder begrenzen ihre Schaffenszeit: Kommen sie aus der Schule zurück, kann Krien nicht mehr schreiben. Dann pflegt sie.

Es ist keine leichte Aufgabe: «Die Akzeptanz von Menschen wie meiner Tochter ist gering», stellt Krien immer wieder fest - bei Kulturveranstaltungen, im Eiscafé. Ihre Tochter könne nicht sprechen, gebe aber Laute von sich. Das störe viele Menschen. «Es gibt praktisch keine Inklusion von Menschen wie meiner Tochter.» Die daraus resultierende Isolation, auch für sie als Mutter, sei eine große Belastung.

Kraft findet die begeisterte Reiterin in der Natur. An Leipzig schätze sie besonders das viele Grün und die umliegende Seenlandschaft, sagt sie. Auch von ihrem Glauben zehrt die Protestantin. Dadurch könne sie die Behinderung ihrer Tochter als Schicksal annehmen, das sie bereichert.

Denn ohne die schwere geistige Behinderung ihres Kindes hätte Krien möglicherweise niemals ein Buch veröffentlicht. Während des Studiums der Kultur-, Medien- und Kommunikationswissenschaften in Leipzig wurde sie Mutter. Danach stellte sich die Frage nach dem Job: Mit der Pflegebelastung sei eine berufliche Perspektive im Kultursektor ausgeschlossen gewesen. Krien setzte sich also hin und schrieb ihren Debütroman «Irgendwann werden wir uns alles erzählen» in einem Fluss durch. «Und dann hat das auch noch geklappt mit dem ersten Roman», erzählt die Autorin mit einem breiten Lächeln.

Gerade habe sie gemeinsam mit ihrer Freundin und Regisseurin Emily Atef («3 Tage in Quiberon») ein Drehbuch für ihr Debüt geschrieben. Es sähe gut aus, dass «Irgendwann werden wir uns alles erzählen» verfilmt werde, so Krien. Nun überarbeite sie den Erzählband «Muldental», der bei ihrem Verlag Diogenes neu aufgelegt werden soll. Und dann wolle sie sich an einen weiteren Roman setzen - in den Stunden, in denen ihre Töchter außer Haus sind.

Veröffentlicht am:
23. 10. 2019
10:37 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
23. 10. 2019
10:37 Uhr



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