Lade Login-Box.
Topthemen: Mordfall OttingerKneipennachtBayern HofVideo: Waldfriedhof Frankenwald

Boulevard

Der «Mönch am Meer» und die Rückkehr verschwundener Schiffe

Museen öffnen ihre Schätze zunehmend einer virtuellen Welt. Dadurch bekommen Besucher oft ganz neue Einblicke. Nun gibt mit Caspar David Friedrichs «Mönch am Meer» eine Ikone der Romantik ihre Geheimnisse preis.



«Mönch am Meer» in 3D
Eine virtuelle Reise zu Caspar David Friedrichs «Mönch am Meer» im Museum.   Foto: Jörg Carstensen

Da steht er, am leeren Sandstrand, kaum mehr als einen Meter entfernt, der «Mönch am Meer». Er wirkt in sich gekehrt, sehr verschlossen. Und einsam.

Nun gut, die Figur wurde von Caspar David Friedrich (1774-1840) geschaffen. Als Maler war er der wichtigste deutsche Romantiker. Sein «Mönch am Meer» gilt als Ikone der Epoche. Sinnbild von radikaler Einsamkeit und innigster Natursuche.

Mit einer virtuellen Version erlaubt die Alte Nationalgalerie ihren Besuchern in Berlin während der Ausstellung «Mit dem Mönch am Meer - Caspar David Friedrich in Virtual Reality» bis zum 30. Juni nicht nur ein Treffen mit dem rätselhaften Mönch. Die computergestützte Reise in die Bilderwelt ermöglicht auch Blicke, die meist nur Restauratoren vorbehalten sind: Die High-Tech-Brille lässt Friedrichs sonst verborgene Skizzen unter dem bekannten Bild erscheinen.

In vielen Museen etabliert sich mehr und mehr virtuelle Realität neben Skulpturen, Installationen oder Gemälden. So erlaubt etwa das Frankfurter Städel Museum per Virtual-Reality-App und Smartphone einen Gang durch historische Sammlungsräume. Das Mainzer Museum für Antike Schifffahrt lockt virtuell in einen antiken Superfrachter. Und das Deutsche Museum in München schickt Besucher per VR-Brille und Controller zum Fluggleiter Otto Lilienthals oder gleich mit dem Lunar Roving Vehicle auf die Mondoberfläche.

Der Mondrover ist Teil eines dreijährigen Modellprojekts, mit dem sieben Museen in Deutschland Möglichkeiten der Virtual Reality (VR) für sich erforschen. Die Federführung hat die Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin. Womit wir wieder in der Alten Nationalgalerie wären, die zu den staatlichen Museen der Stiftung zählt. Auch der virtuelle «Mönch am Meer» profitiert nach Angaben von Museumsleiter Ralph Gleis von Erfahrungen aus dem Projekt Museum4punkt0 und der Besucherforschung.

Friedrichs «Mönch» gehört neben den «Seerosen» von Claude Monet im Pariser Musée d'Orsay und der «Sonne» von Edvard Munch im Munch Museum Oslo zu den Arbeiten, die den TV-Sender Arte zu virtuellen Versionen für den Bildschirm angeregt haben.

In Berlin haben sich Museumsleiter Gleis und seine Kuratorin Yvette Deseyve mit VR-Experten von High Road Stories und dem Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut zusammengetan. Das Ergebnis der eineinhalbjährigen Arbeit: «Man kann in den Bildraum hineintreten und sich so mit dem Mönch am Meer treffen.» Gleis und Deseyve erläutern den virtuellen Ausflug im Raum für Sonderausstellungen, nur wenige Schritte entfernt vom Original, das Friedrich zwischen 1808 und 1810 realisierte.

Im Gemälde, oben im dritten Stock, hat sich der kleine Mönch leicht von den Betrachtern abgewandt. Hier, hinter der Maske der virtuellen Version, ist die rätselhafte Figur schemenhaft, aber lebensgroß zu entdecken. Selbst ein blasses Gesicht zeichnet sich ab. Eine Möwe, auch sie aus Friedrichs Bild entlehnt, dient als Cursor und folgt dem Blick des Betrachters über Strand und Meer. Neben einer Soundcollage sind Briefstellen von Caspar David Friedrich zu hören, die die Sicht des Künstlers auf sein Werk und den Arbeitsprozess wiedergeben.

Auf dem Wasser sind plötzlich Schiffe zu entdecken. Die in die VR-Variante eingebauten Skizzen entstammen einer früheren Version von Friedrichs «Mönch am Meer». Sie wurden bei der aufwendigen Restaurierung des Bildes vor einigen Jahren entdeckt. «Wir haben diese Erkenntnisse zugrunde gelegt, dass der Maler eine ganz andere Anlage und Konzeption des Bildes hatte und sie im Malprozess verworfen hat», sagt Gleis. Dies vollzieht die virtuellen Reise nach.

Nun zieht der Möwen-Cursor Pinselstriche hinter sich her. Über der frühen Version verschwinden so mit jedem Schwung die Schiffsskizzen. Die heute bekannte Fassung nimmt ihre Form an. Nach knapp sechs Minuten ist die Reise beendet, die jeweils vier Besucher parallel unternehmen können. Wer nun die zwei Etagen nach oben zum Original geht, kann schon wieder eine Entdeckung machen: zwei Schiffe schimmern jetzt durch die Maloberfläche. Goethe beschrieb dieses Phänomen: «Man erblickt nur, was man schon weiß und versteht.»

«Unsere Virtual Reality Anwendung ist eine Art der Vermittlung, um Neues über das Bild zu erfahren und dann das Erlebnis vor dem Original noch intensiver zu machen», sagt Gleis. «Wir versprechen uns davon eine neue Einsicht, diesem Malprozess auf die Spur zu kommen. Wer das einmal erfahren hat, der wird dieses Bild auch mit anderen Augen sehen.»

Veröffentlicht am:
03. 04. 2019
15:45 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Alte Nationalgalerie Bahngleise Caspar David Friedrich Claude Monet Edvard Munch Johann Wolfgang von Goethe Meere Museumsleiter Mönche Schiffe Stiftung Preußischer Kulturbesitz Städel Museum Virtuelle Realität
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Städel Museum Frankfurt

26.12.2018

Die Liebe der Deutschen zu Vincent van Gogh

Im Herbst 2019 reisen 50 Arbeiten von Vincent van Gogh nach Frankfurt. Das Städel-Museum räumt dafür den unterirdischen Neubau frei. Und kombiniert die Werke mit Bildern von deutschen Kollegen, denen er Vorbild war. » mehr

Ausstellung "Blockbuster Museum"

07.10.2018

Nach dem Ende der Blockbuster-Schauen

Die Zeit der Großausstellungen ist in vielen Kunstmuseen vorbei. Die Kosten sind zu hoch, die Städte zu klamm. In Wuppertal macht das Von der Heydt-Museum aus der Not eine Tugend. » mehr

Bestandsaufnahme Gurlitt

13.09.2018

«Bestandsaufnahme Gurlitt» - Aufklärungsarbeit geht weiter

Auf der Sammlung Gurlitt liegt der Schatten der NS-Vergangenheit. Nach Jahren der Begutachtung durch Experten werden die Werke jetzt in Berlin erstmals im kompletten Überblick gezeigt. » mehr

Mark Rothko

17.05.2019

Rothko-Gemälde für 50 Millionen Dollar versteigert

Hunderte Millionen für Skulpturen und Gemälde: In New York machten die Auktionshäuser bei den traditionellen Frühjahrsversteigerungen Kasse. Auch der Vater eines US-Ministers mischte mit. » mehr

Jeff Koons

16.05.2019

Skulptur von Jeff Koons für 91 Millionen Dollar versteigert

Für die einen sind die Arbeiten von Jeff Koons Kunst, für die anderen Kitsch. Fest steht aber: Kein Werk eines anderen lebenden Künstlers hat bislang mehr Geld bei einer Auktion eingebracht. Wie lange kann er diesmal den... » mehr

Monets «Meules»

15.05.2019

Monet für fast 111 Millionen Dollar versteigert

Es sind nur ein paar Heuhaufen auf dem Bild zu sehen, aber die wurden nun richtig teuer versteigert: Knapp 111 Millionen Dollar ließ sich ein Bieter in New York das Werk von Monet kosten - Rekord in gleich mehreren Kateg... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

WG: FOTOS

Tornado an der B303 | 22.05.2019 Neuenmarkt
» 17 Bilder ansehen

Hofer Kneipennacht 2019 Hof

Hofer Kneipennacht | 11.05.2019 Hof
» 77 Bilder ansehen

Mountainbike-Wochenende in Bad Alexandersbad

Mountainbike-Wochenende in Bad Alexandersbad | 19.05.2019 Bad Alexandersbad
» 22 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
03. 04. 2019
15:45 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".