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Der etwas andere Teenie-Popstar: Hype um Billie Eilish

Mit 17 auf dem Weg zum Megastar: Billie Eilish wirbelt derzeit die Pop-Welt durcheinander. Die US-Sängerin begeistert (nicht nur) Millionen Teenager mit erstaunlich reifen Liedern. Und sie verzichtet auch ansonsten auf die üblichen Vermarktungsstrategien.



US-Sängerin Billie Eilish
Kein Mainstream: Singer-Songwriterin Billie Eilish beim Coachella Musik- und Kunstfestival.   Foto: Amy Harris

Dem Ideal des schnieken weiblichen Teenie-Popstars passt sich Billie Eilish nicht an: schrillbunt gefärbte Haare, gelangweilt-aufmüpfiger Gesichtsausdruck («Ich hasse es zu lächeln»), ausgebeulte Freizeitklamotten - so posiert sie für Fotos.

Auf dem seltsamen Cover ihres Debütalbums erinnert sie an Linda Blair im Horrorfilm «Der Exorzist». Ein ausgestreckter Mittelfinger in Richtung der sexy Konkurrenz Ariana Grande, Halsey oder Dua Lipa.

Und doch (oder gerade deshalb) ist die im Dezember 17 Jahre alt gewordene US-Sängerin - mit vollem Namen Billie Eilish Pirate Baird O'Connell - für viele der kommende Pop-Weltstar. Der erste zudem, der in diesem Jahrtausend geboren wurde. Noch dazu einer mit Substanz.

Von einer Sensation ist allerorten die Rede, als «faszinierendes Phänomen» bezeichnet sie auch das gediegene Musikfachblatt «Rolling Stone»: Für Teenager ihrer Post-Millenial-Generation sei Eilish mehr als eine Musikerin, die ihre (oft düsteren und überraschend textlastigen) Lieder selbst schreibt - sondern auch «Schwarm, Vorbild, Freundin, Schwester».

Die Währungen des Streaming-Zeitalters befeuern den Eilish-Hype: über 18 Millionen Instagram-Abonnenten (Stand: Mitte April), Milliarden Abrufe für ihre gerade mal gut 30 Songs bei Spotify und Youtube. Dass ihre erste, Ende März veröffentlichte Platte mit besagtem Gothic-Cover und dem sperrigen Titel «When We All Fall Asleep, Where Do We Go?» Platz 1 der Albumcharts in den USA und Großbritannien erreichte (Rang 3 in Deutschland), ist da wohl nur noch etwas für altmodische Statistiker.

Eilish widersetzt sich nicht nur rein äußerlich den typischen Erfolgsformeln für Popstars aus der Retorte. Sie streift in ihren Liedern zwar angesagte Sounds aus R&B, Hip-Hop, Dance- und Electro-Pop, unterlegt sie aber oft mit der melancholischen, dunklen Grundstimmung einer Lana del Rey oder Amy Winehouse. Reduzierte Balladen wie «8», «Listen Before I Go» oder «I Love You» spielen mit Folk- und Jazz-Elementen. Der Gesang klingt lässig, fast beiläufig - doch stets hört man das enorme Potenzial dieser jungen Stimme.

Dass Eilish mehr drauf hat als schlichte Boy-meets-Girl-Lyrik, spiegeln schon Songtitel wie «All The Good Girls Go To Hell» oder «Bury A Friend». In Interviews gibt sich die 17-Jährige gern nachdenklich: «Ich habe so viele Fragen an die Welt», sagte sie dem «Musikexpress», der ihr Debüt gerade zum «Album des Monats» adelte. Und der britische «New Musical Express» zitiert sie mit Sätzen, die auch von der schwedischen Klima-Aktivistin Greta Thunberg stammen könnten: «Die Leute unterschätzen die Kraft eines jungen Geistes (...). Wir werden ignoriert, und das ist so blöde. Wir wissen alles.»

Basis für diese so selbstbewusst und unangepasst wirkende Künstlerin, die kürzlich ihre aus einem Tourette-Syndrom resultierenden Tics öffentlich machte, ist ein behütendes Zuhause in Los Angeles. Die Schauspieler-Eltern Maggie Baird und Patrick O'Connell sowie Bruder Finneas, der die Songs zusammen mit Billie Eilish verfasst und produziert, seien eine Art ideale «Partridge-Familie für das Instagram-Zeitalter», schrieb die «New York Times».

Hinzu kommt ein Management, das nach dem über die Musiker-Plattform Soundcloud zum ersten Eilish-Hit avancierten Song «Ocean Eyes» (2015) nicht gleich in Hektik verfiel. Man ließ die damals erst 13-Jährige und ihren Bruder in Ruhe weiter werkeln, anstatt sofort den Hype zu bedienen. «Wir wollten nicht, dass es hier nur um einen Song geht», sagte Manager Brandon Goodman der «New York Times».

Diese geduldige Strategie zahlt sich nun aus - mit einem erstaunlich reifen Popalbum, das nicht nur jugendliche Fans begeistert, sondern (zumindest heimlich) auch viele ihrer Mütter und Väter. Die Euphorie um Billie Eilish ist derzeit so groß, dass sie sich auch Stolperer leisten kann. Etwa als sie am zweiten April-Wochenende beim riesigen Coachella-Festival in Kalifornien einen Songtext vergaß, laut fluchte, das Publikum um Hilfe bat - und dennoch gefeiert wurde.

Ob Eilish vom noch nicht einmal volljährigen Senkrechtstarter auf Dauer tatsächlich zum Weltstar wird, muss sich noch zeigen. Beispiele solcher Jungtalente mit Langzeitwirkung gibt es in der Popgeschichte durchaus: etwa Stevie Wonder, Michael Jackson, Steve Winwood oder - bis heute Vorbild vieler junger Sängerinnen - Kate Bush. Die Britin wurde 1976 ebenfalls bereits mit 17 zur Pop-Sensation.

Das Album «When We All Fall Asleep, Where Do We Go?» von Billie Eilish ist über Interscope/Universal erschienen.

Festival-Auftritte von Billie Eilish in Deutschland, Österreich und der Schweiz: 15.8. St. Pölten, Frequency; 16./17.8. Hamburg, MS Dockville; 22.8. Zürich, Zürich OpenAir; 7.9. Berlin, Lollapalooza.

Veröffentlicht am:
16. 04. 2019
13:08 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
16. 04. 2019
13:08 Uhr



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