Lade Login-Box.
Topthemen: VER SelbFotos: Erstklässler in der RegionBlitzerwarnerBilder vom Wochenende

Boulevard

Die Kunstwelt feiert den Maler Ilja Repin

Zum 175. Geburtstag des Malers Ilja Repin feiern Russland und die Ukraine den Künstler - jeder für sich. Seine Bilder lösen bis heute teils scharfe Reaktionen aus, bis hin zur Zerstörung. Der Vertreter des russischen Realismus galt auch als Provokateur.



Ilja Repin
"Die Wolgatreidler" von Ilja Repin in der Ausstellung "Die Peredwischniki. Maler des russischen Realismus" in Chemnitz 2012.   Foto: Hendrik Schmidt

Das blutrünstigste Werk fehlt im Jahr des 175. Geburtstags des russischen Malers Ilja Repin. Ein Museumsbesucher hatte das Gemälde «Iwan der Schreckliche und sein (von ihm erschlagener) Sohn» im vorigen Jahr zerstört. Das auf etwa zehn Millionen Euro geschätzte Bild ist noch immer in der Werkstatt.

Der Sturzbetrunkene hatte dem Gemälde mit einem Metallpfosten in der Tretjakow-Galerie in Moskau so zugesetzt, dass die Leinwand riss. Nach dem Wutanfall sitzt der Mann inzwischen im Straflager. Der vor 175 Jahren am 5. August 1844 geborene Repin löste wie nur wenige immer große Emotionen aus.

In der größten Retrospektive seit 25 Jahren mit dem Titel «Ilja Repin» erinnert eine leere Stelle an der Wand an den Vandalismus - eine halbe Million Euro soll die Restauration kosten. 170 Ölgemälde Repins, darunter viele wenig bekannte, sind in der im März eröffneten Schau im neuen Gebäude der Tretjakow-Galerie noch bis 18. August zu sehen. Danach zieht die auch wegen des Bilderstürmers unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen organisierte Ausstellung weiter nach St. Petersburg ins Russische Museum - und danach ins Petit Palais in Paris und ins Ateneum in Helsinki.

Zu sehen ist etwa das weltberühmte Werk «Die Wolgatreidler», das 2012 auch in Chemnitz gezeigt wurde. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit soll nicht zuletzt die internationale Bedeutung Repins, der als eine Art russischer Rembrandt gilt, herausstreichen, wie die Kuratoren betonen. Doch in der Ukraine, die Repin als «ihren» Maler feiert, wird die Wanderschau nicht zu sehen sein.

Sein Geburtsort Tschugujew in der Nähe von Charkiw, wo Repin noch zu Zarenzeiten zur Welt kam, gehört zur Ukraine. Ein Künstlerforum hält dort seit Jahren die Tradition des Realismus in der Malerei mit Workshops wach. An seinem 175. Geburtstag wird dort ein ganztägiges Fest mit Lasershow am Abend über die Bühne gehen. Gewürdigt wird er auch als herausragender Zeichner, als Bildhauer, Literat und sogar als Architekt.

Die wichtigsten Arbeiten Repins aber sind im Besitz russischer Museen. Bekannt ist er für tiefschürfende Seelenporträts echter Kerle in der Härte des russischen Lebens. Wie kein anderer vor ihm kultivierte der in St. Petersburg ausgebildete Maler das Bild des arbeitenden Russen. Kultstatus bis heute haben aber auch seine Porträts etwa von Zeitgenossen wie dem Schriftsteller Leo Tolstoi und dem Komponisten Modest Mussorgski.

Arbeiten aus 50 Jahren zwischen 1870 und 1920 haben die Kuratoren in Moskau zusammengetragen. Werke aus 21 russischen und 7 ausländischen Museen sowie 7 Privatsammlungen sind vertreten. Eröffnet wird hier eine neue Sichtweise auf Repin - seit der letzten großen Schau von 1994. Zu Sowjetzeiten gingen die eher an Helden des Sozialismus interessierten Ideologen lieber auf Distanz zu dem Künstler.

Der russische Philosoph Fjodor Girenok meinte in einem Beitrag zum Jubiläumsjahr, dass Repin mit seiner Kunst das Gefühl ewiger Ungerechtigkeit in Russland sichtbar gemacht habe. Er habe den russischen Mann, den Muschik, als zähen Burschen mit einfachen Gedanken und eisernem Glauben gesehen, schrieb Girenko.

Die Tretjakow-Ausstellung zeigt aber nicht nur diese Seite des Vertreters der Peredwischniki-Künstlerbewegung. Kuratorin Tatjana Judenkowa sieht Repin als «Provokateur», der nichts beschönigte und deshalb oft starke Reaktionen bei Betrachtern hervorgerufen habe. «Alle seine Bilder haben Diskussionen hervorgerufen (...) Alle waren verwegen», sagte sie der «Art Newspaper Russia». Damals wie heute habe diese Kunst die Massen angelockt. «Er stand stets im Zentrum politischer Diskussionen (...) Er unterstützte immer die Opposition.»

Repin lebte nach der Revolution von 1917 und der Machtübernahme der Kommunisten bis zu seinem Tod 1930 in Finnland. Dabei hatte Sowjet-Diktator Josef Stalin ihm eine Sonderrente samt staatlicher Ehrung angeboten. Repin lehnte ab, wandte sich in seiner neuen Heimat vor allem biblischen Motiven zu. Bis zuletzt blieb er stets auf der Seite der Erniedrigten und Entrechteten.

Veröffentlicht am:
04. 08. 2019
13:35 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bildhauer Geburtstage Gemälde Ilja Jefimowitsch Repin Iwan IV. Wassiljewitsch Josef Stalin Komponistinnen und Komponisten Lew Nikolajewitsch Tolstoi Malerinnen und Maler Modest Petrowitsch Mussorgski Museen und Galerien Philosophen Rembrandt Harmensz van Rijn Russische Maler Russische Philosophen Zeichner und Illustratoren
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Ausstellung Markus Lüpertz

12.09.2019

Münchner Ausstellung zeigt Markus Lüpertz auch als Cineasten

200 Gemälde und Zeichnungen des Künstlers Markus Lüpertz werden in einer neuen Ausstellung gezeigt. Die Arbeiten sind von der Liebe des Künstlers zum Film inspiriert. » mehr

Gerhard Richter

02.08.2019

Das große Gerhard-Richter-Sommertheater

Wer bekommt Gerhard Richters Gemälde-Schatz? In Köln hatte man die Idee, ein eigenes Museum zu bauen. Doch der Künstler winkt ab. Die Millionen-Werke gehen wohl eher nach Dresden und Berlin. Doch sicher ist noch nichts. ... » mehr

Rembrandt

08.07.2019

Rembrandt unter der Lupe: «Operation Nachtwache» gestartet

Das Hündchen kläfft, die Männer zücken die Waffen: Rembrandts «Nachtwache» zählt zu den berühmtesten Gemälden der Welt. Doch es ist in die Jahre gekommen. » mehr

Nachtwache

07.07.2019

«Operation Nachtwache»: Rembrandt-Gemälde wird restauriert

Das berühmteste Gemälde des niederländischen Meisters ist 377 Jahre alt - Zeit für eine Generalüberholung. Das Amsterdamer Reichsmuseum startet ein Mega-Projekt vor den Augen der Welt. » mehr

Restaurierung Vermeer

07.05.2019

Vermeers Briefleserin bekommt den Amor zurück

Das Dresdner Gemälde «Brieflesendes Mädchen am offenen Fenster» von Johannes Vermeer ist weltberühmt. Experten machten nun eine Entdeckung, die Kunsthistoriker jubeln lässt. » mehr

Skulptur

24.08.2019

Willliam-Kentridge-Ausstellung in Kapstadt

Er ist Zeichner und Bildhauer, Filmemacher, Regisseur: Der Südafrikaner William Kentridge zählt zu den vielseitigsten zeitgenössischen Künstlern. Seine Heimat würdigt ihn nun mit einer großen Schau. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Weltkindertag im Wittelsbacher Park Hof

Weltkindertag im Wittelsbacher Park Hof | 22.09.2019 Hof
» 90 Bilder ansehen

Bowlingbahn Kirchenlamitz Opening

Bowlingbahn Kirchenlamitz Opening | 22.09.2019 Kirchenlamitz
» 61 Bilder ansehen

Selber Wölfe - Black Dragons Erfurt 6:5 n.P.

Selber Wölfe - Black Dragons Erfurt 6:5 n.P. | 22.09.2019 Selb
» 36 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
04. 08. 2019
13:35 Uhr



^