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«Die Welt neu denken» - 100 Jahre Bauhaus

Das Bauhaus war die bahnbrechende Schule der Moderne. Im kommenden Jahr wird groß 100. Geburtstag gefeiert.



100 Jahre Bauhaus
Ein Exemplar des "Freischwinger"-Stuhls von Ludwig Mies van der Rohe im «StadtPalais» in Stuttgart.   Foto: Sebastian Gollnow » zu den Bildern

Die legendäre Schreibtisch-Leuchte, die halbkugelige Teekanne und der freischwingende Stuhl - längst gehören die Designklassiker des Bauhauses zu unserem Alltag.

Die 1919 in Weimar gegründete Kunstschule gilt als «Talentschmiede der Moderne» und prägt bis heute Kunst und Kunstgewerbe, Architektur und Design in aller Welt. Im kommenden Jahr feiert Deutschland unter dem Motto «Die Welt neu denken» 100 Jahre Bauhaus.

«Für uns ist das Jubiläum eine Plattform, um das Bauhaus mit seinen bis heute relevanten Ideen im 21. Jahrhundert zu vermitteln», sagt die Direktorin des Berliner Bauhaus-Archivs, Annemarie Jaeggi, das die weltweit größte Sammlung zur Geschichte der Hochschule hat.

Zwischen 500 und 600 Termine quer durch die Republik stehen inzwischen im Kalender - Ausstellungen und Lesungen, Performances und Diskussionsrunden. Ein Höhepunkt ist das Programm «Grand Tour der Moderne», das Besucher auf einer eigens konzipierten Route an 100 ikonische Orte der Architekturgeschichte führt.

Die Adressen reichen von der unter Unesco-Schutz stehenden Weissenhofsiedlung in Stuttgart bis zur Siemensstadt in Berlin, von der Schwarzwaldhalle in Karlsruhe bis zu dem wegen seines Schalendachs bekannten «Teepott» in der Ostseestadt Warnemünde, von der Zeche Zollverein Essen bis zum Deutschen Hygienemuseum in Dresden.

«Wir wollen mit dem Jubiläum nicht etwas Historisches zelebrieren, sondern die Spuren aufzeigen, die das Bauhaus bis heute hinterlassen hat», sagt Christian Bodach, Leiter der Geschäftsstelle des Bauhaus-Verbundes in Weimar.

Die zentrale Anlaufstelle wurde 2016 am Geburtsort der Kunstschule gegründet. Elf Bundesländer, der Bund und die drei Bauhaus-Institutionen in Weimar, Dessau und Berlin schlossen sich zusammen, um das Programm für das Jubiläumsjahr zu planen und zu koordinieren.

In Weimar hatte der Berliner Architekt Walter Gropius 1919 das «Staatliche Bauhaus» ins Leben gerufen. Es sollte durch die Verbindung von Handwerk, Leben und Kunst ein Versuchslabor für eine neue, humanere Gestaltung der Gesellschaft sein. Lehrer wie Lyonel Feininger, Paul Klee und Wassily Kandinsky machten die Schule in Thüringen schnell zu einem Treffpunkt der internationalen Avantgarde.

1925 zog das Bauhaus nach Sachsen-Anhalt in die aufstrebende Industriestadt Dessau um, 1933 nach Berlin. Der politische Druck der Nazis und die drastische Kürzung der Mittel zwangen die Initiatoren rasch zum Aufgeben. Viele Lehrer mussten fliehen und verbreiteten so die wegweisenden Ideen im Ausland. «Auch wenn das Bauhaus nur 14 Jahre bestand, hat es das gestalterische und künstlerische Denken und Schaffen weltweit revolutioniert», fassen die Veranstalter zusammen.

Die drei Bauhaus-Institutionen - die Klassik Stiftung Weimar, die Stiftung Bauhaus Dessau und das Bauhaus-Archiv in Berlin - spielen auch im Jubiläumsjahr eine zentrale Rolle. In drei großen Ausstellungen wollen sie das Erbe ihrer Vorväter und -mütter umfassend darstellen - auch anhand von bislang nie gezeigten Sammlungsschätzen.

Eingeläutet wird das Jahr mit einem großen Eröffnungsfestival unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Berlin. Vom 16. bis 24. Januar 2019 soll es in der Akademie der Künste vor allem um den Einfluss gehen, den die «Bauhäusler» auf Theater und Tanz, Film und Musik hatten. Auswählte internationale Künstler seien eingeladen, ihre Visionen für das 21. Jahrhundert so «radikal zeitgemäß» wie einst die Hochschulgründer zu entwickeln, heißt es.

Schon seit diesem Frühjahr läuft das Ausstellungs- und Forschungsprojekt «bauhaus imaginista». In Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut und namhaften Museen in Japan und China, Russland und Brasilien gehen Forscher und Künstler den globalen Verflechtungen des Bauhauses weltweit nach. Auch Indien, die USA, Marokko und Nigeria beteiligen sich. Die Ergebnisse sollen 2019 in einer großen Gesamtschau im Berliner Haus der Kulturen der Welt vorgestellt werden.

Das größte Jubiläumsgeschenk jedoch sind die Museumsneubauten in den drei Bauhaus-Städten. In den kommenden Jahren entstehen für die bisher recht beengt arbeitenden Sammlungen insgesamt mehr als 6500 Quadratmeter neue Ausstellungsfläche. Allein aus dem Haushalt von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) kommen dafür 52 Millionen Euro. So soll das Bauhaus-Erbe auch nachfolgenden Generationen erhalten bleiben.

Veröffentlicht am:
03. 09. 2018
08:39 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
03. 09. 2018
08:39 Uhr



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