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Eike Schmidt modernisiert die Uffizien

Warteschlangen sind eine Wissenschaft für sich. Uffizien-Chef Eike Schmidt hat sich einiges einfallen lassen, sie klein zu kriegen. Und Social Media sind für das altehrwürdige Haus in Florenz nun kein Neuland mehr. Für 2019 hat Schmidt noch einen besonderen Wunsch.



Museumsdirektor Eike Schmidt
Eike Schmidt, deutscher Museumsdirektor der Uffizien in Florenz, im Palazzo Pitti.   Foto: Maurizio Degl'innocenti

Vor vier Jahren schrieb der deutsche Kunsthistoriker Eike Schmidt selber Geschichte. Als erster Ausländer überhaupt wurde er 2015 zum Direktor der weltberühmten Uffizien in Florenz ernannt. Nun heißt es für den 50-jährigen Freiburger bald wieder, die Koffer zu packen. Im Herbst übernimmt er die Leitung des Kunsthistorischen Museums in Wien.

Schmidt war angetreten, eines der berühmtesten Museen der Welt umzukrempeln, und er ist zufrieden mit dem Erreichten. «Als ich eintraf, hatten die Uffizien noch nicht einmal eine eigene Webseite, von Social-Media-Kanälen ganz zu schweigen», sagt er in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. «Inzwischen haben wir nicht nur eine sehr schöne und gut funktionierende Website, auf der wir sogar eine Datenbank mit über 300 000 Kunstwerken verfügbar haben, sondern vor allem auch Instagram.»

Der Instagram-Kanal hat sich zu einem Renner entwickelt. Jeden Tag postet das Museum dort ein Kunstwerk. Beginnend mit der «Geburt der Venus» von Sandro Botticelli, stehen dort jetzt schon mehr als 1000 Bilder. Der Account hat rund 230 000 Follower. Auch weniger bekannte Künstler kommen dort groß raus, wie der Renaissancemaler Antonio da Correggio, dessen Maria mit dem Jesuskind zu Weihnachten mehr als 11 000 «Likes» bekam.

2015 hatte die damalige Regierung in Rom die Führungsposten der wichtigsten Museen Italiens zum ersten Mal international ausgeschrieben - mit dem Ziel, das verkrustete Museumswesen des Landes flott zu machen. Von den 20 «neodirettori» (neuen Direktoren) waren 7 Ausländer, darunter Schmidt. Die Stadt Dantes und Machiavellis war ihm vertraut. Er hatte dort schon von 1994 bis 2001 gelebt und unter anderem seine Doktorarbeit geschrieben.

2018 kamen zusammen mit dem dazugehörenden Palazzo Pitti und dem Boboli-Garten erstmals mehr als vier Millionen Besucher in die Uffizien. Schmidt ist es wichtig, dass sie sich nachher an Gemälde und Statuen erinnern statt an endlos lange Warteschlangen. Die Schlangen bekämpft er mit wissenschaftlicher Akribie. An der Universität von L'Aquila entdeckte er ein IT-Department, das auf «Warteschlangen-Management» spezialisiert ist. Gemeinsam entwickelte man Programme und Algorithmen, um die Besucherströme zu steuern. Akribisch wurde ermittelt, wie sie sich bewegen, wie lange sie verweilen, und wie sich dabei Klein- von Großgruppen unterscheiden.

Um den Andrang zu entzerren, wurden die Eintrittspreise in der Hauptsaison erhöht und in der Nebensaison gesenkt. «Das hat durchaus gegriffen. Wir hatten durchgehend von Juni bis Oktober weniger Besucher. Das haben wir aber wettgemacht in der 'niedrigen' Saison», sagt Schmidt. Außerdem wurden ein gemeinsames Ticket für Uffizien, Palazzo und Garten sowie ein Jahresticket eingeführt. Im Sommer schließt das Museum dienstags und mittwochs erst um 22.00 Uhr.

Zeitfenster-Tickets müssen Kunstfreunde künftig nicht mehr unbedingt im Voraus buchen. Wenn die Arbeiten an der Software beendet sind, können Kurzentschlossene einfach zum Ticketautomaten gehen und sich anzeigen lassen, um welche Uhrzeit es noch die Chance gibt, schnell ins Museum zu kommen. «Es gibt dann sozusagen das geplante und das spontane Zeitfensterticket», sagt Schmidt.

Die größten Schwierigkeiten, auf die der Deutsche in Italien stieß, waren immer bürokratischer Natur. Einmal verpasste ihm die Stadt 400 Euro Bußgeld, weil er per Lautsprecher vor Ticket-Schwarzhändlern gewarnt hatte. «Die habe ich sofort bezahlt, habe mir gesagt, das ist ein Streit, den ich jetzt nicht führen möchte», sagt Schmidt.

Während Presse und Politik die Ernennung von Ausländern bisweilen kritisierten, wurde Schmidt in Florenz nie persönlich angefeindet. «Die Florentiner waren immer weltoffen», sagt er. Würde er gern länger bleiben? - «Die Frage stellt sich im Grunde gar nicht», meint Schmidt. Denn bisher sei noch völlig unklar, auf welche Weise die Museumsleitungen in Italien nach Ablauf der Vier-Jahres-Verträge neu besetzt würden.

Einen großen Wunsch hat der Direttore noch. Wie das Museum kürzlich bekannt machte, befindet sich das 1944 von Wehrmachtssoldaten geraubte Ölgemälde «Vaso di Fiori» des holländischen Malers Jan van Huysum immer noch in einer deutschen Privatsammlung. «Ich wünsche mir für 2019, dass dieses Meisterwerk wieder an seinen Platz in der Sala dei Putti im Palazzo Pitti zurückkehren kann», sagt er.

Veröffentlicht am:
09. 01. 2019
15:13 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
09. 01. 2019
15:13 Uhr



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