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Fotograf Cunningham hinterließ heimlich Memoiren

Auf den Straßen der Stadt fotografierte New Yorks Lieblingsfotograf Bill Cunningham Stars und schicke Unbekannte und wurde zum Urvater der Streetstyle-Dokumentation. Sein Tod vor zwei Jahren hinterließ eine große Lücke - aber er hatte heimlich seine Memoiren vorbereitet.



Bill Cunningham
Bill Cunningham war der Urvater der Streetstyle-Dokumentation.    Foto: Jason Szenes/EPA

Das höchste Lob kam von «Vogue»-Chefin Anna Wintour höchstpersönlich: «Wir ziehen uns doch alle nur für Bill an», sagte die Herausgeberin der Mode-Bibel einmal.

Bill war der Fotograf Bill Cunningham, der jahrzehntelang Stars und modisch gekleidete Unbekannte auf den Straßen New Yorks fotografierte und zum Urvater der Streetstyle-Dokumentation wurde. Cunningham fand die Trends auf den Bürgersteigen, oft lange bevor sie auf den Laufstegen zu sehen waren. Seine wöchentlichen Foto-Kolumnen in der «New York Times» wurden mit Spannung erwartet, dort abgebildet zu sein galt als Ritterschlag für alle Modebewussten.

Doch dann starb Cunningham 2016 ganz plötzlich im Alter von 87 Jahren nach einem Schlaganfall. Sein Tod hinterließ in der Modewelt eine große Lücke. Cunningham war immer sehr scheu und zurückhaltend gewesen, über sein Privatleben war nie viel bekannt. Aber inmitten seiner Hinterlassenschaften entdeckte seine Familie nach seinem Tod plötzlich Memoiren - ausformuliert, abgetippt und mit Titel-Vorschlag: «Fashion Climbing» (auf Deutsch etwa: Aufstieg im Mode-Business).

«Das schien komplett unerwartet», sagte Christopher Richards, der die Autobiografie in den USA im Verlag Penguin Press vor einigen Wochen herausgegeben hat, der «New York Times». «Er hat seinen Freunden und Kollegen nie etwas aus seinem Leben erzählt. Er war so zurückhaltend. Ich denke, das war ein Schock.» Richards vermutet, dass Cunningham besorgt über die Reaktionen der Leser war und das Buch deswegen nicht zu Lebzeiten veröffentlichte.

Auch seine Familie war von dem Fund komplett überrascht. «Bill hat sein Familienleben in Boston und sein Arbeitsleben in New York sehr getrennt gehalten», sagte seine Nichte Trish Simonson der «New York Times». «Er hat uns Geschichten erzählt über die Jahre, aber wir hatten kein komplettes Bild davon, was er gemacht hat und wie er dahin kam. Die Memoiren, die wir gefunden haben, betitelt, redigiert und geschrieben in seiner eigenen unverwechselbaren Stimme, haben viele Lücken gefüllt.»

Das Buch erzählt aus einer Zeit vor dem berühmten Bill Cunningham, der sich am liebsten in widrigen Umständen mit Schnee oder im strömenden Regen in derber blauer Jacke und beigen Khaki-Hosen mit zwei Kameras um den Hals auf sein Fahrrad schwang und losfotografierte. Der jahrzehntelang in einem kleinen Zimmer über der renommierten Carnegie Hall lebte - ohne Bad und Küche, aber voller Aktenschränke mit seinen Bildern darin. Der für die «New York Times» die angesagtesten Society-Partys der Stadt dokumentierte und dabei von den Veranstaltern noch nicht einmal ein Glas Wasser annahm.

Cunningham erzählt aus seiner Kindheit, dem Aufwachsen in der Ostküsten-Metropole Boston, wo er 1929 geboren wurde, seinen Anfängen als Verkäufer in Mode-Kaufhäusern, erst in Boston und dann in New York, seiner Zeit als Soldat, stationiert in Frankreich, dem Aufstieg zum Hut-Designer in New York und schließlich dem Wechsel in den Mode-Journalismus. Das Buch endet noch vor seiner Zeit bei der «New York Times», die Ende der 70er Jahre begann.

Cunningham schreibt unterhaltsam und amüsant und macht stets deutlich, wie er das Leben immer mit wenig Geld, aber mit viel Optimismus und Fröhlichkeit angegangen sei. Das Buch macht aber auch deutlich: Cunningham war immer anders und hatte damit viel zu kämpfen. Seine eher konservative Familie konnte mit einem an Mode interessierten Jungen nichts anfangen. «Meine arme Familie hat sich wahrscheinlich zu Tode erschrocken angesichts all der verrückten Ideen, die ich hatte, und sie haben meinen Weg bei jedem Schritt bekämpft.»

Das Buch wirke wie aus einer anderen Ära, schreibt die «Washington Post». «Es ist charmant und anachronistisch. Sprudelnd und zart. Cunningham hat außerordentliche Zeiten erlebt und er beschreibt sie in lebhaften Details - wenn er auch nicht besonders tief unter die Oberfläche geht.»

Veröffentlicht am:
29. 10. 2018
12:39 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
29. 10. 2018
12:39 Uhr



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