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Französischer Philosoph Michel Serres gestorben

Der französische Philosoph Michel Serres gehörte zu den Großen seiner Zunft. Mit 88 Jahren ist ein Denker gestorben, der die Welt von Morgen vorbereiten wollte.



Michel Serres
Michel Serres ist tot.   Foto: John Foley/Opale/Leemage

Der französische Philosoph Michel Serres wollte die Welt von Morgen vorbereiten. Er wäre gern die Hebamme der kommenden Welt, erklärte er einmal in einem Interview der französischen Zeitung «Le Figaro».

Sein Ziel war es, ein ganzheitliches Wissensverständnis zu schaffen, um auf die Herausforderungen der zeitgenössischen Welt zu reagieren.

Im Alter von 88 Jahren ist der Denker am Samstag gestorben, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete. Seiner Nachwelt hinterlässt er mehr als 50 Werke, in denen er Dualismen aufhebt und für eine Vereinigungsphilosophie plädiert. Frankreich trauert - bis hin zur Staatsspitze. Das Amt des Präsidenten Emmanuel Macron rühmte Serres als einen «großen Intellektuellen».

Kommunikation, Mythen und Biochemiemodelle: Michel Serres war ein Gelehrter mit ungewöhnlich vielseitigen Kenntnissen in den verschiedensten Gebieten. Sein Credo: «Viele Naturwissenschaftler stellen sich heute überhaupt nicht den ethischen Problemen. Sie verharren innerhalb ihres Forschungshorizonts, ohne an einer Diskussion über diese Probleme interessiert zu sein. Auf der anderen Seite stellen zwar die Philosophen, die ich in Frankreich kenne, Fragen zur Ethik, doch ihr Wissen reicht nicht aus, um gute Fragen zu stellen.»

Serres ging es stets um Brückenschlagen, Übergänge und Verbindungen. In seinen Werken reiste er deshalb durch die verschiedenen Wissenschaften. Unter dem Haupttitel «Hermes», dem Namen des Schutzpatrons der Reisenden, hat er zwischen 1969 und 1980 auch fünf Bände veröffentlicht, die unter anderem von Kommunikation und Verteilung des Wissens handeln.

Der deutsch-französische Kulturbevollmächtigte Armin Laschet (CDU) resümierte, die ambivalente Natur des Hermes als Symbolfigur des Zeitalters der Kommunikation spiele in Serres' Werk eine zentrale Rolle. «Letztlich ist er (Serres) selbst ein Hermes im besten Sinne gewesen», schrieb der nordrhein-westfälische Ministerpräsident.

Viele der Bücher und Essays von Serres sind in Deutschland erschienen. In «Das eigentliche Übel» geht es ihm um die schmarotzerhafte Aneignung der Welt durch den Menschen, und in «Erfindet euch neu! Eine Liebeserklärung an die vernetzte Generation» fordert er, den technologischen Wandel als Chance zu nutzen, um alles neu zu erdenken - angefangen vom Bildungssystem bis zur Gesellschaft. Für seine Arbeiten erhielt der Philosoph 2012 den deutschen Meister-Eckhart-Preis. Begründung: «Brillante Einsichten in die Strukturen unseres Denkens.»

Serres wurde in Agen im Südwesten des Landes geboren. Als junger Erwachsener trat er in die Marineschule in Brest ein, dann begann er mit dem Studium der Philosophie und wurde 1969 Professor für Wissenschaftsgeschichte an der traditionsreichen Sorbonne in Paris.

Im Jahr 1984 begann er zudem, an der Stanford University in Kalifornien zu unterrichten. Als Vermittler zwischen den Wissenschaften wurde er 1990 in die Académie française aufgenommen, Frankreichs bedeutendste Gelehrtengesellschaft. Der Élyséepalast hob in seinem Nachruf hervor, Serres habe sein Wissen in den Dienst aller gestellt. Bis zu seinem Lebensende habe er an Beiträgen für den Sender Radio France mitgewirkt.

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dpa

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Veröffentlicht am:
02. 06. 2019
15:37 Uhr

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02. 06. 2019
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