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Japans Kaiser Naruhito verkündet Thronbesteigung

Japans Kaiser Naruhito übernahm sein Amt im Mai von seinem Vater. Nun folgt eine weitere glanzvolle Zeremonie, bei der er offiziell seine Inthronisierung kundtut. Mit dabei sind rund 2000 Gäste, darunter Bundespräsident Steinmeier und Prinz Charles.



Kaiser Naruhito
Zwischen Tradition und Moderne: Japans Kaiser Naruhito.   Foto: Eugene Hoshiko/AP/dpa

Der Monarch schweigt. Und schweigt. Wenn Japans neuer Kaiser, der sein Amt am 1. Mai nach Abdankung seines Vaters übernahm, am Dienstag (22. Oktober) bei einer Zeremonie offiziell seine Thronbesteigung verkündet, wird der 59-Jährige zunächst in würdevoller Stille verharren.

Rund 2000 Gäste aus dem In- und Ausland, darunter Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der britische Kronprinz Charles werden zu der Zeremonie im Palast im Herzen Tokios anwesend sein, wenn der Kaiser gekleidet in einer dunkel-orangenen Robe seinen überdachten Takamikura-Thron betritt - und dann erst einmal hinter einem Vorhang unsichtbar sein wird.

Naruhito ist der Repräsentant eines etwas moderneren, offeneren Hofes. Er ist der erste Kaiser, der nicht von einer Amme gestillt wurde. Während sein Vater Akihito - der erste Kaiser der ältesten Erbmonarchie der Welt seit rund 200 Jahren, der zu Lebzeiten den Thron seinem Nachfolger freimachte - noch von anderen aufgezogen wurde, wurde Naruhito von den eigenen Eltern erzogen. Auch ist er der erste Kaiser Japans, der im Ausland - in Oxford - studierte. Zwei Jahre lang lebte Naruhito, der fließend Englisch spricht, in einem Studentenwohnheim. Seit jungen Jahren fühlt er sich auch der deutschen Kultur durch die Literatur und Kultur verbunden.

Er heiratete die damalige Karrierebeamtin im Außenministerium und Absolventin der Universitäten Harvard und Oxford, Masako Owada. Seit 15 Jahren erholt sich die 55 Jahre alte Kaiserin offiziell von einer «Anpassungsstörung», die vom Stress ihres Amtes am Hofe herrühre. Beobachter sehen dahinter vor allem den lange Zeit auf ihr lastenden Druck, einen männlichen Thronfolger zu gebären. Masako brachte Tochter Aiko zur Welt, doch Frauen ist der Thron bislang verwehrt.

Wie konservativ und geprägt von uralten Ritualen das Leben trotz mancher Neuerungen am Hofe ist, zeigt sich auch am Dienstag bei der Thronbesteigungszeremonie. Japaner in altertümlicher Tracht mit Schwertern, Bogen und Lanzen, einige mit hohen Fahnen, versammeln sich zur «Sokuirei Seiden no gi» (Zeremonie zur Inthronisierung des Kaisers) im Palast. Dazu die Staatsspitzen im Frack, gefolgt von den Angehörigen des Monarchen in jahrhundertealter höfischer Tracht.

Dann folgt der Kaiser, geführt vom Oberhofmarschall und von Beamten des Haushofamtes, die zwei der Throninsignien tragen: ein Schwert sowie Krummjuwelen, die das Kaiserhaus der Sage nach von der Sonnengöttin Amaterasu Omikami erhalten hat. Den Mythen zufolge sind Japans Kaiser unmittelbare Nachfahren der Göttin. Kritiker beklagen, dass die meisten Zeremonien zum Kaiserwechsel trotz ihres religiösen Inhalts von der Regierung als staatlich eingestuft werden. Denn Japans Nachkriegsverfassung schreibt eine strikte Trennung von Staat und Religion vor.

Nachdem sich Naruhito hinter einem Vorhang seines 6,5 Meter hohen Throns, auf dem auch sein Vater Akihito einst seine 30-jährige Regentschaft angetreten hatte, den Blicken entzieht, folgt seine Gemahlin Kaiserin Masako und nimmt auf ihrem angrenzenden Thron Platz, gekleidet in einem prächtigen mehrlagigen höfischen Kimono.

Dann wird Naruhitos Vorhang geöffnet und der Kaiser erhebt sich. In der Hand hält der Monarch einen Zeremonialstab und schweigt. Nach einiger Zeit nimmt ihm ein Hofbeamter den Stab ab, und der Oberhofmarschall überreicht dem Kaiser einen Redetext. Naruhito wird den Text öffnen und seine Rede verlesen. Anschließend faltet er den Text wieder, ein Beamter nimmt ihm den Text ab und ein anderer bringt ihm seinen Zeremonialstab zurück. Dann schweigt der Kaiser wieder.

Als nächstes wird der rechtskonservative Ministerpräsident Shinzo Abe vor ein Mikrofon treten und eine kurze Rede halten. Am Ende lässt er den Kaiser mit einem dreimaligen «Banzai» (Zehntausende Jahre) hochleben. Die Anwesenden stimmen ein. Die Würdenträger aus insgesamt 174 Ländern werden die Zeremonie von Räumen und Gängen des Palastes aus auf Bildschirmen verfolgen. Am Ende wird der Vorhang des Throns geschlossen, womit die Zeremonie endet. Später folgen noch Bankette.

Im Anschluss an die 30 Minuten dauernde Zeremonie war ursprünglich eine Parade des Kaiserpaares in einem offenen Wagen durch Tokio vom Palast zur kaiserlichen Residenz im Stadtteil Akasaka geplant. Doch wegen des verheerenden Taifuns, der kürzlich für schwere Überschwemmungen gesorgt und Dutzende Menschen in den Tod gerissen hatte, wurde die Parade auf den 10. November verschoben. Sie wird über eine Strecke von fünf Kilometern führen und 30 Minuten dauern.

Veröffentlicht am:
20. 10. 2019
09:49 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
20. 10. 2019
09:49 Uhr



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