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Leather Rebel K.K. Downing: «Judas Priest waren mein Leben»

Rund 40 Jahre war K.K. Downing Mitglied der britischen Band Judas Priest. Dann stieg er plötzlich aus. Jetzt hat Leather Rebel seine Autobiographie geschrieben.



K.K. Downing
K.K. Downing hat sein Leben mit Judas Priest aufgeschrieben. Foto: Ross Halfin   Foto: dpa

Nach seinem Austritt bei Judas Priest vor knapp acht Jahren ist es still um Gitarren-Hero K.K. Downing geworden. Doch mit seiner Autobiografie «Leather Rebel» wirbelt der mittlerweile 67-Jährige einigen Staub auf.

Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur spricht Downing offen über das Innenleben einer der stilprägendsten Heavy-Metalbands und die Gründe für seinen Ausstieg.

Frage: Haben Sie schon Reaktionen auf Ihr Buch von den Mitgliedern von Judas Priest erhalten?

Antwort: Nein, noch keine einzige.

Frage: Vielleicht erlaubt das Management den Bandmitgliedern nicht, sich dazu zu äußern.

Antwort: Schon möglich.

Frage: Was hat Sie dazu bewogen, dieses Buch zu schreiben?

Downing: Das war nicht einfach für mich. Vor acht Jahren habe ich die Band verlassen. In der Zwischenzeit ist viel dazu in den Medien geschrieben worden, was nicht immer gestimmt hat. Ich wollte den Fans meine Sicht der Dinge zeigen, wie ich das Innenleben von Judas Priest gesehen habe und was mich dazu bewogen hat, auszusteigen. Beziehungen haben leider nicht immer eine fröhliches Ende. Ich habe immer versucht, respektvoll mit der Situation umzugehen. Doch ich habe leider von den anderen nicht den Respekt bekommen, den ich verdient gehabt hätte. Egal, was in der Vergangenheit passiert, jetzt oder in Zukunft, meine früheren Bandmitglieder werden immer meinen vollsten Respekt bekommen. Es geht darum, was wir zusammen erreicht haben, welche Schlachten wir geschlagen haben. Es geht um das Erbe und die Wichtigkeit von Judas Priest als ein Gebilde. Leider sind Judas Priest nicht mehr das, was wir mal waren. Natürlich sind wir alle älter geworden. Dennoch hätten wir uns noch mehr Mühe geben können, was unsere Auftritte musikalisch und visuell angeht. Wir hätten noch mehr Energie geben können. Wir haben für unsere Liveauftritte die Messlatte immer sehr hoch gelegt. Doch zuletzt hatte sich eine gewisse Selbstzufriedenheit breit gemacht, die mir missfallen hat.

Frage: Im Buch beschrieben Sie Ihr schwieriges Verhältnis zu Glenn Tipton und zählen mehrere Gründe auf, warum Sie die Band verlassen haben. Welcher Grund war der schwerwiegendste?

Antwort: Der Hauptgrund ist wohl der, wie wir aufgetreten sind, als wir älter geworden sind. Ich habe zum Beispiel nie getrunken, bevor ich auf die Bühne gegangen bin. Andere haben es gemacht, und das habe ich nicht gemocht. Die denken, ich kann trinken und noch das Auto fahren. Doch das war nicht der Fall. Die Fans bezahlten viel Geld und nehmen lange Anreisewege in Kauf, um uns zu sehen. Deshalb sollten die Musiker auf der Bühne zu 100 Prozent fit sein und eine Einheit bilden. Doch das war bei uns nicht mehr der Fall. Das hat mich nervös gemacht, wenn ich gemerkt habe, dass Glenn zum Beispiel nicht seine beste Leistung bringen konnte, weil er vorher getrunken hatte. In den 70er und 80er Jahren waren wir Sprinter, doch mit zunehmender Zeit sind wir nur noch gegangen. Es ist mir alles zu statisch geworden. Ich habe immer alles für Judas Priest gegeben, habe nie ein Soloprojekt gemacht. Judas Priest waren mein Leben. Ich wäre froh gewesen, wenn sich die Dinge anders entwickelt hatten. Doch so konnte ich nicht mehr weiter machen. Ich hatte das Gefühl, dass ich mich selber prostituiere.

Frage: Sie schreiben, dass nicht nur Sie unter dem Machtanspruch von Glenn Tipton und der Managerin Jayne Andrews und deren Entscheidungen zu leiden hatten. Warum haben Sie sich nicht gemeinsam mit Rob Halford und Ian Hill gegen dieses Regime gewehrt?

Antwort: Das Problem war, dass Rob und Ian noch zurückhaltender waren als ich. Ich war der einzige in der Band, der mal was gesagt hat. Deshalb habe ich mich auch oft ziemlich allein gelassen gefühlt. Wir haben uns als junge Männer zusammengetan und haben soviel gemeinsam erlebt. Und auf einmal habe ich mich kontrolliert gefühlt. Ich hatte einen Boss. Das ist aber falsch. Eigentlich sollten alle vier Mitglieder der Boss in der Band sein.

Frage: Glauben Sie, die Band hätte mit einem anderen Management mehr Erfolg haben können, wie zum Beispiel Iron Maiden oder Metallica?

Antwort: Puh, die Frage ist schwer zu beantworten. Ich war in der Tat nicht mit allen Entscheidungen des Managements zufrieden. Wir sind weltweit als der Archetyp einer Heavy-Metal-Band wahrgenommen worden. Es wird einige Leute geben, die Iron Maiden oder Black Sabbath in dieser Vorreiterrolle sehen. Doch wir waren die ersten, die dieses Image mit Nieten und Lederklamotten aufgebaut haben. Wir haben die Musik gespielt, durch die Heavy Metal entstanden ist. Doch Bands wie Metallica, AC/DC, Iron Maiden oder Def Leppard sind kommerziell viel größer als wir geworden. Sie spielen größere Konzerte und haben mehr Fans als wir. Es ist wirklich frustrierend zu sehen, wie wir über ein bestimmtes Level nicht hinaus gekommen sind, obwohl wir das Potenzial dazu besaßen. Irgendwann ist etwas falsch gelaufen.

Frage: Iron Maiden waren die großen Rivalen von Judas Priest als es darum ging, wer auf den Heavy-Metal-Thron kommt. Im Buch beschreiben Sie den Ärger, den Priest mit Iron Maiden auf der Tour 1980 hatten. Wie ist Ihr Verhältnis heute zu den Mitgliedern von Iron Maiden?

Antwort: Nicko (McBrain, Schlagzeuger, Anm. d.Red.) war immer ein guter Junge. Ihn kannte ich schon, bevor er zu Iron Maiden gekommen ist. Die Beziehung zu den anderen ist auch okay. Iron Maiden haben viel Erfolg, und ich bin stolz darauf, was sie für den Heavy Metal getan haben. Es wäre toll, mal eine Tour mit Judas Priest, Black Sabbath und Iron Maiden zu sehen. Doch wir sind alle Dinosaurier, die eines Tages aussterben (lacht).

Frage: Sie schildern sehr eindringlich Ihre bedrückende Kindheit mit einem Vater, der sie misshandelt hat. Haben Sie den Kontakt zu Ihrer Familie abgebrochen, als sie ihr Elternhaus verlassen haben?

Antwort: Mit mit meiner Mutter und meinen beiden Schwestern habe ich noch einen ganz normalen Kontakt. Mit meinem Vater aber nicht mehr. Er ist ein schlechter Mensch. Er ist ein Spieler und hat früh aufgehört zu arbeiten. Es ist unglaublich, dass er noch lebt. Er ist irgendwas mit 90 Jahre alt. Meine Mutter ist 85, sie ist noch gut beisammen. Sie hat meinen Vater verlassen als sie 48 Jahre alt war.

Frage: Wie haben Ihre Mutter und Ihre Schwester auf das Buch reagiert?

Antwort. Ich weiß gar nicht, ob sie es schon gelesen haben. Ich habe meine Mutter gefragt, ob das alles so stimmt, was ich über meine Kindheit geschrieben habe. Und es war exakt so.

Frage: Judas Priest haben sehr viele legendäre Songs geschrieben. Welche sind Ihre liebsten Drei?

Antwort: Das ist sehr schwer zu beantworten. Judas Priest gibt es schon so lange. Ältere Fans würden vielleicht «Victim of Changes» nennen, mittelalte «Breaking The Law» und die jüngeren «Painkiller». Das kompletteste Album in unserer Karriere ist wahrscheinlich «Screaming for Vengeance». «British Steel» und «Painkiller» sind ebenfalls großartig.

Frage: Warum sind Sie nicht gefragt worden, zu Judas Priest zurückzukommen, als Glenn Tipton wegen seiner Pakinson-Krankheit zurücktreten musste?

Antwort: Jayne und Glenn würden niemals zulassen, dass ich zurückkommen. Sie wissen, wie ich über ihre Rolle in der Band denke. Sie sollten allerdings mal in Erwägung ziehen, was die anderen in der Band und vor allem die Fans wollen. Schauen Sie mal, ich war 40 Jahre lang in der Band. Ich denke, es wäre das naheliegendste gewesen mich zu fragen, ob ich zurückzukommen möchte, als klar war, dass Glenn nicht mehr kann.

Frage: Was denken Sie über Richie Faulkner, der Sie an der Gitarre beerbt hat?

Antwort: Richie ist sicherlich ein netter Kerl und ein klasse Gitarrist. Doch das Management hätte ihm seine eigene Identität erlauben sollen. Sie dachten wohl: Okay alles klar, er hat blonde Haare. Jetzt geben wir ihm noch K.K.s Gitarre und das ist es.

Frage: Wie beurteilen Sie das aktuelle Album «Firepower»?

Antwort: Ich denke die eine Hälfte ist gut, die andere ist nicht so gut. Ich vermisse ein bisschen die typische Rob-Halford-Stimme von früher. Ich habe einen Song wie «Painkiller» oder «Blood Red Skies» erwartet. Ich bin mir sicher Rob, könnte noch so singen wie früher.

Frage: Zu Rob Halford hatten Sie eine viel engere Beziehung als zu Glenn Tipton. Komisch, dass selbst er sich nicht mehr bei Ihnen gemeldet hat, oder?

Antwort: Wir kennen uns seit unserem fünften Lebensjahr. Wir sind zusammen zur Schule gegangen. Wir waren wie Brüder. Ich weiß auch nicht, was los ist.

Frage: In Ihrem Buch beschreiben Sie, wie schwer es ist, eine normale Beziehung zu einer Frau zu haben, wenn man ständig auf Tour ist. Haben Sie nie ein normales Familienleben mit Frau und Kindern vermisst? Jetzt hätten Sie ja Zeit dafür.

Antwort: Oh nein, als ich die Band verlassen habe, war ich 59 oder 60 Jahre alt. In dem Alter ist es ein bisschen spät, noch eine Familie zu gründen, oder? (lacht). Ich war die meiste Zeit meines Lebens mit Judas Priest verheiratet. Die Band war meine Familie. Mit ihr habe ich mich komplett gefühlt.

Frage: Sie haben in Ihren Buch beschrieben, dass Sie mit zunehmenden Alter keine Groupies mehr gehabt haben. Wollten Sie nicht mehr oder haben Sie keine mehr abbekommen?

Antwort: Es kommen immer noch viele junge Mädchen zu Heavy-Metal-Konzerten. Ich wollte das aber nicht ausnutzen. Ich hätte von vielen der Vater oder sogar der Großvater sein können.

Frage: Sind Sie in einer Beziehung?

Antwort: Nein, bis vor kurzem hatte ich noch eine Freundin. Sie war aber viel jünger als ich. Jetzt genieße ich meinen Frieden. Ich schaue mir viel Fußball, Tennis oder Golf im Fernsehen an und gehe mit Freunden ein Bier trinken.

Frage: Haben Sie noch musikalische Ambitionen? Würden Sie gerne wieder in einer Band spielen?

Antwort: Als ich Judas Priest verlassen habe, dachte ich, dass ich vielleicht eines Tages zurückkehren könnte. Diese Möglichkeit scheint es aber nicht mehr zu geben. Ich hatte schon mehrere Anfragen für ein Bandprojekt. Doch das war nie das Richtige für mich. Mal sehen, was noch in diesem Jahr passiert.

K.K. Downing/Mark Eglinton: Leather Rebel - Mein Leben mit Judas Priest, I.P., 224 Seiten, 21,90 Euro, ISBN-13: 978-3940822130

Veröffentlicht am:
28. 02. 2019
10:27 Uhr

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10:27 Uhr



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