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«Live vom Atlantik»: Udo Lindenbergs neuer Akustik-Trip

Für sein erstes MTV-Unplugged-Album «Live aus dem Atlantic» hatte Udo Lindenberg die Lobby des Hamburger Hotels nachgestalten lassen. Jetzt hisst er die Segel fürs zweite Akustik-Abenteuer «Live vom Atlantik».



Udo Lindenberg
Der Panikrocker ist in See gestochen und hat Schätze vom Boden des Lindischen Ozeans gehoben.   Foto: Georg Wendt

Seine Karriere begann mit einer Lüge», sagt Udo Lindenberg - über sich selbst. Er steht am Fenster seiner «Panikzentrale» im Hotel «Atlantic» und schaut auf sein Hamburg.

Genau 50 Jahre ist jetzt her, dass er - am 13. Dezember 1968 - als Tramper mit Trommelstöcken in der Tasche in der Hansestadt ankam. «Mit 'nem Jugendherbergsausweis, 100 Mark von meiner Mutter und 100 hatte ich selbst», erinnert er sich. Eigentlich stammt der Musiker aus Gronau in Westfalen, doch seinen ersten Hit landete er mit den Zeilen «Hoch im Norden, hinter den Deichen bin ich geboren». Der Song ist einer von 27 Titeln, die der Rockstar für sein neues Album unplugged aufgenommen hat.

Von Lindenbergs erster Unplugged-Platte «Live aus dem Atlantic» (2011) waren mehr als 1,2 Millionen Einheiten verkauft worden - den Angaben zufolge ist es damit das erfolgreichste der MTV-Reihe in Deutschland. Hatte er sich damals mit prominenten Duett-Gästen in einer nachgestalteten Hotel-Lobby einquartiert, hisst der 72-Jährige diesmal als «Käpt'n» die Segel und zieht den Stecker für den Akustik-Trip «Live vom Atlantik». Die Bühne der Hamburger Kulturfabrik Kampnagel verwandeln der Musiker und seine Crew für die Aufnahme zum Schiff. Die Abenteuer einer Seefahrt und der Rock 'n' Roll gehören für den begeisterten Kreuzfahrer, der mit seinen Fans zu «Rockliner»-Fahrten in See sticht, schon lange zusammen.

Aus seinen rund 700 Songs die 27 Stücke für die Platte auszuwählen, sei eine echte Herausforderung gewesen, sagt Lindenberg. «Dieses Heben der älteren Schätze vom Boden des Lindischen Ozeans, längst Verschollenes, fast Vergessenes - wie Perlentaucher sind wir da vorgegangen, um sie wieder aufzupolieren», erzählt er. Die «ganz basisdemokratisch getroffene» Auswahl reicht von Liedern der 70er Jahre wie «Der Malocher» vom Album «Votan Wahnwitz» und «Cowboy Rocker» von der Platte «Ball Pompös» über die 80er mit «Du knallst in mein Leben» und die 90er mit «König von Scheißegalien» bis zu Hits aus seiner Comebackzeit seit 2008 («Der Astronaut muss weiter», «Durch die schweren Zeiten»).

Mit einem Kinderchor an der Seite singt er die Hymne «Wir ziehen in den Frieden», mit namhaften Gästen liefert er teils ungewöhnliche Duette. Saß Lindenberg einst noch für die Erstmelodie der ARD-Reihe «Tatort» hinterm Schlagzeug, gibt nun «Tatort»-Kommissarin Maria Furtwängler neben ihm ihr Debüt als Sängerin («Bist du vom KGB 2018»). «Hamburch»-Kumpel Jan Delay singt mit ihm «Hoch im Norden», Andreas Bourani den «Radio Song». Reggae-Musiker Gentleman und Rapper Marteria sind ebenfalls mit an Bord. Mit Schockrocker Alice Cooper wird dessen «No More Mr. Nice Guy» vom «Paten des Deutschrocks», wie Lindenberg sich selbst sieht, auch mal eingedeutscht («So'n Ruf musste dir verdienen»).

«Die Frechheit von Alice Cooper fand ich schon früher schwer beeindruckend», sagt Lindenberg und gießt sich in seiner Suite einen Tee ein. Seit seinem Comeback soll es Exzesse nur noch auf der Bühne geben. Auf der nächsten Tour etwa, auf der er für 2019 in Bremen, Berlin, Leipzig, Erfurt, Köln, Mannheim, Stuttgart und Dortmund die Hallen gleich für zwei Abende hintereinander und Hamburg sogar für drei Shows gebucht hat. Er wolle «nicht kürzertreten, sondern einfach längere Schuhe anziehen», erklärt der Musiker. Man müsse sich nur den Blick für das Wesentliche im Leben bewahren.

«Wer die Inseln des Durchblicks erreicht, gleich hinter den Bagatellen und Lapidarien, der ist der König von Scheißegalien», erklärt der Panikrocker, über dessen Leben Regisseurin Hermine Huntgeburth gerade den Kinofilm «Lindenberg! Mach dein Ding» dreht. Es soll der Auftakt zu einer Trilogie werden. «Dieses Leben ist so episodenreich, da reicht ein Streifen nicht aus», findet Lindenberg, der seit dem Comeback die größten Erfolge seiner Karriere feierte. «Dieser zweite Akt war schon 'ne geile Abenteuerfahrt bis hierher - und jetzt hat es auch keinen Sinn mehr, aufzuhören.»

Der erste Film erzählt von den Anfängen als Musiker und endet mit Lindenbergs großem Durchbruch zu Beginn der 70er Jahre. 2020 soll dann auf der Leinwand zu sehen sein, wie der junge Sänger mit dem ersten Millionenvertrag für einen deutschsprachigen Rockmusiker in der Tasche in der weißen Limousine mit Mutter Hermine durch Gronau fährt - und wie er ihr später auch jene Stadt hoch im Norden, inklusive Reeperbahn und legendärer «Onkel Pö»-Kneipe, zeigt, in der mit einer kleinen Lüge die große Karriere begann.

Veröffentlicht am:
14. 12. 2018
09:17 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
14. 12. 2018
09:17 Uhr



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