Lade Login-Box.
Topthemen: Fotos: Erstklässler in der RegionBlitzerwarnerBilder vom Wochenende

Boulevard

Peter Maffay: «Jetzt beginnt die Kür»

Peter Maffay «wollte nie erwachsen sein» - und wird nun doch schon 70. Im Interview der Deutschen Presse-Agentur spricht er über den Lebensabschnitt, der auf ihn zukommt. Und erklärt, was sein neues Album mit Rammstein zu tun hat.



Peter Maffay
Peter Maffay hat Lust auf Experimente.   Foto: Peter Kneffel

Peter Maffay hat in seiner Karriere mehr als nur eine Welt erschaffen. Das Reich des kleinen, grünen Drachen Tabaluga gehört dazu - aber auch sein eigenes, mehrere Gebäude umfassendes Anwesen in Tutzing am Starnberger See.

Dort sitzt seine Stiftung für benachteiligte Kinder und Jugendliche. Dort hat er ein Studio, in dem er seine Musik produziert. Dort sprach er mit der Deutschen Presse-Agentur über seinen 70. Geburtstag - und einiges mehr.

Frage: Sie werden 70 Jahre alt. Was für ein Zeitabschnitt ist das, der da jetzt für Sie beginnt?

Antwort: Erdgeschichtlich ist ein 70. Geburtstag nicht wahnsinnig einschneidend. Aber für mich schon. Ich habe das Gefühl, die Pflicht ist erfüllt, und jetzt beginnt die Kür. Ich kann das gar nicht so genau definieren, aber nach 50 Jahren auf der Bühne kann ich mir vorstellen, dass da ab jetzt viel mehr Platz sein wird für Improvisation, für das Experimentieren - auch musikalisch.

Frage: Warum gab es diesen Platz vorher nicht? Warum haben Sie sich ans «Pflichtprogramm» gehalten?

Antwort: Es ist ja eine sehr angenehme Pflicht. Ich habe mir in meinem Leben ehrlich gesagt nichts Besseres vorstellen können, als so zu leben - mit Musik. Ich würde das auch jederzeit wieder so machen, wenn ich mich zu entscheiden hätte. Aber ich habe inzwischen das Gefühl, dass das alles rund ist und das richtige Maß hat und ich die Aufgabe, dieses Maß zu erreichen, nicht mehr bewältigen muss. Auch in der Stiftung sind wir jetzt an einem Punkt angekommen, an dem alles einigermaßen rund läuft. Jetzt geht es darum, die kommende Zeit mit Kreativität aufzufüllen und sich schöne Sachen einfallen zu lassen. Ein anderer Anlass ist meine kleine Tochter. Das ist auch ein völlig neuer Aspekt. Mein Sohn ist 16 - da habe ich einiges aus seinem ersten Lebensjahr schon vergessen.

Frage: Sie werden sich also vielleicht auch ein bisschen mehr Zeit nehmen für das Private und ihre Tochter?

Antwort: Ja. Die ersten 50 Jahre waren schon sehr rasant. Der Beruf hat alles überlagert - und zwar nicht zu knapp. Inzwischen besteht eigentlich nicht mehr wirklich eine Veranlassung, diese Hektik zu leben. Ich weiß ja, dass ich hier wider besseres Wissen rede und sich ein gewisser Druck ohnehin wieder aufbauen wird. Ich kam mit Druck eigentlich immer relativ gut zurecht. Aber ich muss auch zugeben, dass es Phasen gab, wo es mir selber zu viel war. Ich bin ein schlechter Nein-Sager, und wenn man mit 40 Grad Fieber irgendwie auf der Bühne stehen und spielen muss, dann ist das eklig. Aber wir sind dann auch öfter von der Bühne runtergekommen - und das Fieber war weg.

Frage: Ist Ihr Privat- oder Familienleben etwas zu kurz gekommen über die Jahre?

Antwort: Ja. Es gibt Leute in meinem Leben, die hätte ich gerne öfter gesehen, und ich hätte gerne öfter mit ihnen zusammengesessen und so weiter. Ich beobachte ja diese Umstände auch bei anderen. Man mag sich irgendwie, ist sich zugetan und möchte Zeit miteinander verbringen - aber alles zu koordinieren ist eben nicht so einfach.

Frage: Der Titel «Morgen» auf Ihrem Album ist fast schon brachial politisch - mit warnenden Bildern von Adolf Hitler im Musikvideo. Sie sind ja nicht unbedingt als unpolitischer Mensch bekannt - aber warum jetzt so explizit?

Antwort: Ja, so hart hatten wir das eigentlich noch nie. Aber es ist ja inzwischen nicht ungewöhnlich. Man sieht das ja beispielsweise auch bei Rammstein und anderen Leuten, die die Plattform Musik benutzen, um sich zu artikulieren in gesellschaftlicher und politischer Weise. Es ist ja nun mal die Realität. Wir zeigen ja keine erfundenen Bilder. Die Aneinanderreihung verdeutlicht, mit welcher Skala von Themen, Konflikten und Erosionen wir es zu tun haben. Wenn man sich die kommenden Generationen vorstellt und unter welchen Umständen sie leben werden, dann stellt sich da zwangsläufig eine Mega-Aufgabe.

Aber ich bin Gott sei Dank bei weitem nicht der Einzige, der solche Sachen anrührt oder berührt. Wenn man nach 50 Jahren ein neues Album macht, dann kann man mit Blabla rausgehen - oder man positioniert sich. Ich denke, dass wir dieses gesellschaftliche System, in dem wir das Glück haben zu leben, bewahren und beschützen müssen. Und dafür ist es nötig, dass man sich dazu bekennt und dass man diesen Erosionen nicht nachgibt. Das ist wie mit Rost, der sich schleichend festsetzt. Den muss man permanent entfernen und bekämpfen.

ZUR PERSON: Peter Maffay wurde am 30. August 1949 als Peter Alexander Makkay in Rumänien geboren. 1963 zog er mit seinen Eltern nach Bayern. Seit Jahrzehnten feiert er große Erfolge mit seiner Musik. In den 80er Jahren entwickelte Maffay das Rockmärchen «Tabaluga». Jüngst machte er auch privat Schlagzeilen, weil er seine vierte Ehefrau für eine Lehrerin verließ, die 38 Jahre jünger ist als er. Mit ihr hat er inzwischen eine kleine Tochter. Seinen 70. Geburtstag feiert Maffay mit seinem neuen Album «Jetzt» und einem Konzert in Berlin.

Veröffentlicht am:
23. 08. 2019
11:47 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Adolf Hitler Armut bei Kindern Deutsche Presseagentur Erwachsene Familienleben Gesellschaft und Bevölkerungsgruppen Kinder und Jugendliche Musik Musikvideos Peter Alexander Peter Maffay Rammstein Starnberger See Söhne Töchter
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Königin Silvia von Schweden

06.09.2019

Königin Silvia für ihren Kinder-Einsatz geehrt

Königin Silvia ist in Hessen zu Besuch. Dort hat sie für ihren Einsatz für mehr Kinderrechte den Karl Kübel Preis erhalten. Vor der Zeremonie durften ihre Fans sie ganz nah erleben. » mehr

"Das Vorspiel"

09.09.2019

Nina Hoss mit «Das Vorspiel» in Toronto

Starke Filme beim Filmfest in Toronto. Eine Jury gibt es hier nicht, die Zuschauer wählen die Gewinner. » mehr

Bayreuth

22.07.2019

Festspiele Bayreuth ehren Wolfgang Wagner

Wolfgang Wagner wäre in diesem Jahr 100 geworden. Der langjährige Intendant der Bayreuther Festspiele hat den Grünen Hügel geprägt wie kaum ein anderer. Das wollen die Festspiele feiern. » mehr

Jan Hofer + Phong Lan Hofer

01.05.2019

«Tagesschau»-Chefsprecher Jan Hofer hat geheiratet

«Wir haben den gleichen Humor», sagt «Tagesschau»-Chefsprecher Jan Hofer über sich und seine frisch angetraute Ehefrau. Wobei: so frisch angetraut nun auch wieder nicht. In einem Interview berichtet der ARD-Mann von sein... » mehr

Pink und Ehemann Carey Hart

09.09.2019

Carey Hart gratuliert Pink mit Liebes-Posting

Zum 40. Geburtstag bekam Popsängerin Pink eine rührende Liebeserklärung von ihrem Mann Carey Hart geschenkt. Sie sei wie Wein, der mit den Jahren immer besser wird, schrieb der Motocross-Profi auf Instagram. » mehr

Rammstein in Berlin

23.06.2019

Rammstein kennt zu Hause kein Pardon

Rammstein inszeniert sich wie großes Theater. In Berlin feiern die Rocker ein Heimspiel. Entsprechend heiß geht es her, nicht nur musikalisch. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Auftakt für den Hofer Landbus Rehau

Startschuss für den Hofer Landbus | 17.09.2019 Rehau
» 10 Bilder ansehen

Black Base - Mens Night out

Black Base - Men's Night out | 15.09.2019 Hof
» 21 Bilder ansehen

Selber Wölfe - Moskitos Essen

Selber Wölfe - Moskitos Essen 3:5 | 14.09.2019 Selb
» 27 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
23. 08. 2019
11:47 Uhr



^