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Plattform für Afrikas Kunst: Kapstadts Zeitz Museum feiert

Das Zeitz Museum in Kapstadt feiert Geburtstag: Vor einem Jahr gegründet, lockte es bereits 350.000 Besucher an. Doch es gab auch einen Skandal.



Zeitz Museum of Contemporary Art Africa
Der derzeitige Chef-Kurator Azu Nwagbogu in der Ausstellung zeitgenössischer Kunst von 29 Künstlern aus dem benachbarten Simbabwe.   Foto: Kristin Palitza » zu den Bildern

Es ist ein sonniger Montagmorgen. Jochen Zeitz ist im südafrikanischen Kapstadt, um einem Mäzen sein Traumprojekt zu zeigen.

Leise plaudernd laufen die beiden Männer durch die 80 Galerien des ersten Museums für zeitgenössische afrikanische Kunst in Afrika, das der ehemalige Chef des Sportartikelherstellers Puma mitgegründet hat.

Zeitz, der für das Museum seine private Kunstsammlung stiftete, ist sichtbar stolz. Am 22. September feiert das Zeitz Museum of Contemporary Art Africa, kurz Zeitz MOCAA, sein einjähriges Bestehen. Das erste Jahr sei «ein gigantischer Erfolg» gewesen, sagt der 55-Jährige.

Das Museum, das inmitten der berühmten Einkaufs- und Vergnügungsmeile V&A Waterfront direkt am Atlantischen Ozean steht, hat seit seiner Eröffnung bereits 350.000 Besucher angezogen. Mehr als doppelt so viele wie ursprünglich erhofft. Im Vergleich mit anderen wichtigen Museen wie Londons Tate oder dem Museum of Modern Art in New York, die jedes Jahr Millionen von Besuchern empfangen, ist die Zahl zwar niedrig. «Doch da ist die Messlatte so hoch, für eine Institution, die gerade mal ein Jahr alt geworden ist. Da muss man realistisch sein», meint Zeitz. 

Bei der Eröffnung gab es für Zeitz auch ein persönliches Highlight. Als sich die Türen im September 2017 erstmals öffneten, wurde nicht nur das Museum geboren, sondern auch wenige Tage zuvor sein Sohn Jesse. Zeitz' Partnerin Kate Garwood war schwanger von Deutschland nach Kapstadt gereist - und brachte dort das Baby unerwartet zwei Monate zu früh zur Welt. «Wir wollten die Eröffnung auf keinen Fall verpassen. Jetzt haben wir ein afrikanisches Kind», erinnert sich Zeitz lachend.

Im ersten Jahr hat das Museum viel auf die Beine gestellt. Es gab 17 Solo- und Gruppen-Ausstellungen mit mehr als 60 Künstlern. Dazu wurden regelmäßige Führungen, Konzerte, Vorträge, Podiumsdiskussionen, Filmabende, Aufführungen und Workshops für Schulklassen veranstaltet. Damit habe man das Ziel erreicht, zeitgenössischen afrikanischen Künstlern eine Plattform auf dem Kontinent zu geben, die sicherstelle, dass das Bild Afrikas nicht mehr ausschließlich von einer westlichen Sichtweise geprägt werde, so Zeitz.

Es war nicht nur die Kunst, die Besucher anzog. Das Gebäude, ein ehemaliges Getreidesilo, das von dem britischen Stararchitekten Thomas Heatherwick restauriert wurde, erhielt seit der Eröffnung zahlreiche Auszeichnungen. Das amerikanische «Time»-Magazin listete es als einen der «100 besten Orte der Welt». Das Museum erhielt den Designpreis des Kult-Magazins Wallpaper für «Bestes neues öffentliches Gebäude» und gewann den ArchDaily «Gebäude-des-Jahres»-Preis in der Kategorie «kulturelle Architektur».

Doch nicht alles ging glatt. Ein Skandal überschattete das erste Jahr, als der Aufsichtsrat den Chef-Kurator Mark Coetzee wegen «professionellen Fehlverhaltens» suspendierte. Lokalen Medienberichten zufolge hatten sich Mitarbeiter über rassistische Kommentare und sexuelle Anspielungen von Seiten Coetzees beschwert. Der einst hochgelobte Kunstexperte, der bereits bei Puma für Zeitz arbeitete, trat wenig später zurück.

«Der Führungswechsel war emotional und komplex, aber wir haben das Schiff vorm Sinken gerettet und das Vertrauen der Öffentlichkeit wiedergewonnen», sagt der aus Nigeria stammende Azu Nwagbogu, der als vorübergehender Chef-Kurator fungiert. Zeitz spricht von «einer bedauerlichen Situation», die viele «Bauchschmerzen» bereitet habe. Als Folge habe der Aufsichtsrat Coetzees einstigen Aufgabenbereich auf drei Positionen verteilt, um die Verantwortung breiter zu fächern, so Zeitz. Neben Nwagbogu wurden die Amerikanerin Brooke Minto als Chefin für Institutionelle Förderung sowie der Südafrikaner Michael Farquhar als Betriebsleiter eingestellt.

Zum Jubiläum wird das Museum eine Ausstellung mit 29 Künstlern aus dem benachbarten Simbabwe eröffnen, die sich thematisch mit dem gesellschaftlichen Wandel dort seit dem Sturz des Autokraten Robert Mugabe befasst, der das Land für fast 40 Jahre regierte. «Wir wollen den Zeitgeist widerspiegeln und Künstlern die Möglichkeit geben, einen wesentlichen historischen Moment aufzugreifen», erklärt Zeitz. Alle Kunstwerke wurden speziell für die Ausstellung geschaffen.

Zusätzlich wird es im Jubiläumsmonat eine Reihe von Feierlichkeiten, Vorträgen und Aufführungen geben, einschließlich einer «Museumsnacht», Puppentheater-Workshops für Kinder und dem Beginn einer regelmäßigen Modefilm-Serie.

«Wir wollen eine neue Kunst-Kultur in Afrika aufbauen», beschreibt Nwagbogu die Vision des Museums. «Wir möchten an den Punkt kommen, wo talentierte afrikanische Künstler genauso viel Erfolg auf dem Kontinent haben wie in Europa oder den USA.»

Veröffentlicht am:
16. 09. 2018
13:33 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
16. 09. 2018
13:33 Uhr



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