Lade Login-Box.
Corona Ticker
Topthemen: CoronavirusWohnzimmerkunstBlitzerwarnerHof-GalerieKommunalwahl 2020

Boulevard

Pop-Geniestreich: 50 Jahre «White Album» der Beatles

Das «Weiße Album» gehört zu den großen Pop-Mythen. Vor 50 Jahren erschien «The BEATLES»: 30 Songs, gut 90 Minuten Laufzeit. Doch war der Geniestreich schon ein Vorbote für das Ende der Mega-Band? Die Jubiläumsedition weckt Zweifel an dieser gängigen Theorie.



Beatles
Bei den Aufnahmen war die Atmosphäre bestens.   Foto: Apple Corps Ltd. » zu den Bildern

Das prächtige Pop-Meisterstück «Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band» in allen Ehren - für viele Fans und Experten bleibt das «Weiße Album» von 1968 die größte Leistung der Beatles.

Vom Düsenjet-Sound zu Beginn des rockigen Openers «Back In The U.S.S.R.» bis zum zärtlichen Schlaflied «Good Night»: Diese pralle Wundertüte ist so kunterbunt, melodiesatt, mutig und avantgardistisch wie kein anderes Werk der «Fab Four».

Zum 50. Jahrestag der Veröffentlichung von «The BEATLES» (so der offizielle Titel der Doppel-LP mit dem schlichten weißen Cover des Künstlers Richard Hamilton) am 22. November lässt sich der Mythos «White Album» (VÖ 9.11.) noch einmal nachvollziehen. In kraftvollen Remaster-Versionen erklingen die 30 Originalsongs sowie Dutzende Demos und Studio-Outtakes auf CD und Vinyl aufgefrischt und wie neugeboren. Diese Lieder waren ihrer Zeit damals weit voraus, und sie faszinieren bis heute.

Die Aufnahmen zeigen eine Band, die sich ein Jahr nach dem «Sgt. Pepper»-Triumph auf der Höhe ihres Ruhms, wegen privater Abenteuer und Streitereien aber auch auf der Kippe befand - und doch neue Aufbruchstimmung zu erzeugen wusste. Die weit verbreitete These, im Patchwork-Charakter des «Weißen Albums» spiegele sich schon überdeutlich das knapp zwei Jahre später vollzogene Ende des Quartetts aus Liverpool, lässt sich damit jedenfalls kaum belegen. Obwohl nur auf der Hälfte der Tracks alle vier Beatles mitspielen, ist die Entfremdung noch nicht so spürbar wie auf späteren Stücken.

Dabei war der Start tatsächlich holprig. Der «Summer of Love» von 1967 war verflogen, die gemeinsame Sinnsuche von John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr beim indischen Guru Maharishi Mahesh Yogi gescheitert. Der Drummer ging seiner Band zeitweise wütend von der Fahne, auch Drogen- und Eheprobleme bedrohten die Beatles-Harmonie.

Zudem kam der langjährige Produzent George Martin mit dem neuen Material nicht zurecht und zog sich zurück. Also suchten sich die vier Briten andere, jüngere Mitstreiter in den Abbey-Road-Studios, luden Gastmusiker wie Eric Clapton oder Lennons neue Flamme Yoko Ono ein.

«Ja, wir hatten Spaß», erinnerte sich McCartney jüngst im Magazin «Mojo» an die von Ende Mai bis Mitte Oktober 1968 dauernden Sessions. «Egal was vorher schiefgegangen war, wer fortgerannt oder wer von wem genervt war - wenn wir uns hinsetzten, um zu spielen, dann geschah etwas. So waren die Beatles eben.»

Auch Giles Martin, Sohn der 2016 gestorbenen Produzenten-Legende und seit längerem Klangzauberer für Beatles-Jubiläumseditionen, meint, dass sich die Musiker für die «White Album»-Aufnahmen noch einmal zusammengerauft hatten. «Tatsächlich arbeitete die Band dann richtig gut miteinander. Soweit ich das hören kann, war die Atmosphäre bestens.» Da sei «wie bei einer Garagenband» viel gescherzt und gelacht worden, Feindseligkeiten habe es wohl nicht gegeben - obwohl mit Yoko Ono ein vermeintlicher «Spaltpilz» im Studio herumsaß.

Die Band habe sich 1968 auch vom Druck befreit, immer größere, bessere Alben machen zu müssen, betont Abbey-Road-Toningenieur Ken Scott, damals erst 21 Jahre alt. «Jeder erwartete von ihnen ein 'Sgt. Pepper II'. Doch so waren die Beatles nicht, sie wollten jedesmal etwas Anderes. Und die Leute waren geschockt.»

Man kann sich gut vorstellen, wie überrascht, auch konsterniert viele Fans nach dem mit Welthits gespickten Vorgänger - einem in sich geschlossenen, opulenten Konzeptalbum - auf manche neue Songs reagierten. Beispielsweise «Revolution 9», eine über achtminütige, teils chaotische Soundcollage. Oder die später vom mörderischen Sektenführer Charles Manson missbrauchte, enorm laute Hardrock-Pioniertat «Helter Skelter»; das frivole «Why Don't We Do It In The Road?»; das ruppige «Yer Blues»; der eher alberne Kindersingsang «Ob-La-Di, Ob-La-Da».

Doch das «Weiße Album» enthält eben auch einige der schönsten Balladen der Beatles: «Julia», «Dear Prudence», «Martha My Dear», George Harrisons Klassiker «While My Guitar Gently Weeps». Andere Lieder marschieren Richtung Folk, Blues, Countrypop, Art-Rock oder gar Ragtime-Jazz («Honey Pie»).

Auf Giles Martin wirkt das zunächst zerrissen klingende Großwerk daher heute «wie ein Gemälde von Jackson Pollock - ein Herumspritzen mit Ideen». Dem deutschen «Rolling Stone» sagte der Soundtüftler: «Sie spielten ohne Filter. Es war der absolute kreative Wahnsinn.»

Vielleicht hätten die Beatles nach dem «White Album», das ungeachtet all seiner wilden Experimentierfreude und Sperrigkeit schnell weltweit Platz 1 der Albumcharts belegte, einfach mal sechs Monate Urlaub voneinander nehmen solle. Dann hätte die Band womöglich noch länger funktionieren können, mutmaßen Musikkenner. Die Geschichte ging aber bekanntlich anders aus: Nach «Yellow Submarine» und «Abbey Road» (beide von 1969) sowie «Let It Be» (1970) war Schluss.

Das «Weiße Album» beziehungsweise «The BEATLES» ist zum 50. Jahrestag in vier Formaten über Apple/Universal erschienen: als Super-Deluxe-Edition mit sechs CDs, einer Blue-Ray-Disc und Buch; als 3-CD-Edition; als 4-Vinylalben-Edition; als 2-Vinylalben-Edition.

Veröffentlicht am:
08. 11. 2018
10:50 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Avantgarde Charles Manson Eric Clapton George Harrison Jackson Pollock John Lennon Maharishi Mahesh Yogi Paul McCartney Richard Hamilton Ringo Starr Songs The Beatles Yoko Ono
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Beatles

26.09.2019

Letzter Geniestreich: 50 Jahre «Abbey Road» von den Beatles

1969. Was für ein Jahr für die Beatles. Die «Fab Four» geben ihr letztes Konzert - auf einem Dach. Sie streiten sich. Ein Album misslingt. Zwei Musiker heiraten. Dann noch ein Versuch, zur alten Magie zurückzufinden. Und... » mehr

Robert Freeman

10.11.2019

Beatles-Fotograf Robert Freeman gestorben

Er war für einige legendäre Albumcover der Beatles verantwortlich. Jetzt ist Robert Freeman im Alter von 82 Jahren gestorben. Paul McCartney und Ringo Starr würdigten den Fotografen. » mehr

Liverpool - Stadt der Beatles

19.12.2018

Liverpool im Beatles-Rausch

Sie sind die mit Abstand erfolgreichste Band der Geschichte: Auch Jahrzehnte nach ihren größten Hits faszinieren die Beatles die Massen. Liverpool feiert auch 2019 seine berühmten Söhne. » mehr

Eric Clapton

29.03.2020

Gitarrengott Eric Clapton wird 75

Die Supergruppe Cream machte ihn weltberühmt, bevor er mit Hits wie «Layla» und «I Shot The Sheriff» eine Solokarriere einschlug. Jetzt wird die Blueslegende 75. » mehr

Paul McCartney

16.10.2019

Paul McCartney und die Suche nach dem Höfner-Bass

Für einen Fender reicht das Geld des jungen Paul McCartney nicht. Er kauft sich als Teenager in Hamburg einen Höfner-Bass - und macht ihn berühmt. Der fränkische Hersteller sucht jetzt in aller Welt nach dem Original - v... » mehr

Max Giesinger

27.03.2020

Von «My Corona» bis «Nabucco» - Songs zur Pandemie

Die Corona-Pandemie ist so verheerend, dass Liedparodien und andere musikalische Reaktionen immer auch riskant sind. Während vor einigen Wochen in Videoclips noch gejuxt wurde, sind jetzt andere Töne zu hören: Ernsthafti... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Die Region in der Corona-Krise Fichtelgebirge

Die Region in der Corona-Krise | 07.04.2020 Fichtelgebirge
» 62 Bilder ansehen

Your-Stage-Festival 2020 in Hof

Your-Stage-Festival 2020 in Hof | 01.03.2020 Hof
» 115 Bilder ansehen

Workout in der Corona-Krise Lorenzreuth

Workout in der Corona-Krise | 26.03.2020 Lorenzreuth
» 10 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
08. 11. 2018
10:50 Uhr



^