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Premiere für Faraz Shariats Debütfilm «Futur Drei»

Faraz Shariat steht für eine neue Generation deutscher Filmemacher. Er will einen Gegenentwurf zu klischeebeladenen Integrationskomödien oder Flüchtlingsdramen schaffen. Im ersten Kinofilm des 25-Jährigen spielen sogar seine Eltern mit.



Faraz Shariat
Regisseur Faraz Shariat will Klischees überwinden.   Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Als bester deutscher Nachwuchsfilm ist «Futur Drei» schon ausgezeichnet worden, jetzt feiert Faraz Shariats Debüt Weltpremiere auf der Berlinale. Der 25-Jährige wollte nach eigener Auskunft einen jugendlichen, modernen und pop-affinen Spielfilm machen.

Der Sohn zweier Exil-Iraner erzählt eine Geschichte vom Erwachsenwerden, von Glücksmomenten und noch nicht erfüllten Träumen. Zentraler Schauplatz ist eine ehemalige Schule, in der Asylbewerber untergebracht sind.

Gedreht wurde das schwule «Coming-of-Age»-Drama in Hildesheim und Umgebung. An der Universität der beschaulichen Stadt hat der gebürtige Kölner Szenische Künste studiert. Sein Debüt hat stark autobiografische Züge: Die Eltern der Hauptfigur werden sogar von Shariats Eltern gespielt, die erst in Köln und dann in Düsseldorf einen Supermarkt hatten und inzwischen im Ruhestand sind. Jürgen Vogel ist nach Angaben des Regisseurs in einer Nebenrolle zu sehen.

Der unbekümmerte Parvis (Benjamin Radjaipour) verbringt seine Zeit mit Sex-Dates, Feiern in Clubs und Ausschlafen in seinem Jugendzimmer. In einer Asylunterkunft, wo er Sozialstunden ableisten muss, verliebt er sich in den Iraner Amon (Eidin Jalali), der mit seiner Schwester Banafshe (Banafshe Hourmazdi) nach Niedersachsen gekommen ist. Wenn die drei Zeit miteinander verbringen, wird vieles möglich.

«Es freut mich total, dass es eine Bereitschaft gibt, sich auf unsere Geschichte einzulassen», sagt der Autor und Regisseur. «Uns war es total wichtig zu sagen, wir machen einen feministischen, antirassistischen, queeren Spielfilm, und mit diesen Parametern soll sich jedes Crewmitglied identifizieren.» Etwa 50 bis 60 Prozent wird laut Shariat Farsi, also Persisch, gesprochen - am 28. Mai kommt «Futur Drei» mit deutschen Untertiteln in die Kinos. «No Hard Feelings» - so der internationale Titel - ist zu Festivals unter anderem nach England, Mexiko und Israel eingeladen.

Der Autor selbst musste 2015 Sozialstunden wegen Ladendiebstahls in einem Hildesheimer Hotel ableisten, wo minderjährige Geflüchtete untergebracht waren, wie er erzählt. Weil es an Dolmetschern fehlte, habe er Amts- oder Arztgespräche übersetzen müssen, in denen es um existenziell wichtige Fragen ging. Auf einmal sei er sich seiner Privilegien als in Deutschland Geborener bewusst geworden. Und: «Ich hatte immer mehr das Gefühl, ich durchlebe eine zeitgenössische Spiegelung der Erfahrungen meiner Eltern. Wenn meine Mutter im Film erzählt, erzählt sie natürlich auch von ihren echten Erfahrungen.» Der Film enthält auch Videoaufnahmen aus Shariats Kindheit.

Für Benjamin Radjaipour, Ensemblemitglied der Münchner Kammerspiele, ist Parvis die erste Hauptrolle in einem Kinofilm. Die drei Hauptdarsteller räumten beim Nachwuchsfilmwettbewerb First Steps auch den Götz-George-Nachwuchspreis ab. «Ich finde es erstaunlich, mit welcher Ruhe und Respekt diese super-jungen Menschen vom ersten Konzeptionstreffen bis zum letzten Drehtag agiert haben», sagt Radjaipour über die Macher.

Das Kollektiv «Jünglinge Fillm» gründeten Shariat und Paulina Lorenz, die das Drehbuch mitschrieb, am Anfang ihres Studiums. Später kam Casterin Raquel Molt dazu. Sie mussten mit einem knappen Budget auskommen. Die Filmfördergesellschaft Nordmedia gab 100 000 Euro für «Futur Drei», weitere 100 000 wurden von Stiftungen und Sponsoren eingeworben. Per Zeitungsannonce fand die Crew einen Hildesheimer, der sein Haus als Drehort zur Verfügung stellte. Um Mitwirkende zu gewinnen, entstand zudem eine Art Theaterakademie für Geflüchtete.

«Futur Drei» sei auch aus der Unzufriedenheit heraus entstanden, wie Zuwanderer bisher in deutschem Film und Fernsehen auftauchen, sagt Faraz Shariat. Viele Integrationskomödien empfindet er als überfrachtet mit Klischees, in anderen Filmen stehe nur das Schicksal der Flucht im Mittelpunkt. «Eine Fragestellung an alle Beteiligten war deshalb immer: Wie wollt Ihr in unserem Film dargestellt werden?»

Veröffentlicht am:
17. 02. 2020
11:41 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
17. 02. 2020
11:41 Uhr



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