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Prinz Andrew bestreitet Missbrauchsvorwürfe

Der Missbrauchsskandal um Multimillionär Epstein lässt den britischen Prinz Andrew nicht los. Wurden ihm Minderjährige zum Sex zugeführt? Mit einem BBC-Interview wollte der Royal eine klare Ansage machen - hat aber womöglich alles nur noch schlimmer gemacht.



Prinz Andrew
Prinz Andrew ließ sich von der BBC interviewen. Das Echo in britischen Medien ist verheerend.   Foto: Swen Pförtner/dpa

Seit Monaten sieht sich der britische Prinz Andrew mit schweren Vorwürfen konfrontiert: Er soll persönlich in den Missbrauchsskandal um den toten US-Multimillionär Jeffrey Epstein verwickelt sein und Sex mit Minderjährigen gehabt haben.

Mit einem Interview hatte der 59-jährige zweitälteste Sohn von Königin Elisabeth II. die Vorwürfe entkräften wollen. Mit Blick auf das britische Medienecho wird klar: Der Befreiungsschlag ist nicht geglückt.

Wie ein «Autounfall in Zeitlupe» sei das BBC-Interview mit dem britischen Prinzen Andrew gewesen, twitterte der britische Publizist Mark Borkowski nach der Ausstrahlung am Samstagabend. Ein Lehrstück für Studenten von Öffentlichkeitsarbeit sozusagen - in dem man sehen könne, «wie man alles so richtig falsch macht».

«Nicht ein Wort der Reue» hat die «Mail on Sunday» in dem 60-minütigen Gespräch vernommen, «gewunden» habe sich der 59-Jährige. Statt «komplette und volle Antworten auf jede mögliche Frage» zu geben, habe Prinz Andrew zu viele offene Fragen hinterlassen, urteilte der Promi-Anwalt Mark Stephens im «Guardian».

Prinz Andrews enger Freund Epstein hatte sich Anfang August in einem Gefängnis in Manhattan umgebracht, wo er bis zum Beginn seines Prozesses hatte einsitzen sollen. Er war beschuldigt, Dutzende Minderjährige sexuell missbraucht und in New York und Florida einen illegalen Sexhandelsring aufgebaut zu haben.

Prinz Andrew, hinter seinem Bruder Charles und dessen Nachkommen auf Platz Acht der britischen Thronfolge, hatte Epstein auch noch nach einer ersten abgesessenen Gefängnisstrafe wegen Missbrauchs 2010 besucht. Seine Reue darüber bekräftigte er im Interview. Zwar bedauere er die Freundschaft zu Epstein nicht, er habe von ihm viel über Handel und Gewerbe gelernt. Aber er trete sich täglich selbst dafür, nach der Verurteilung noch bei dem Geschäftsmann gewesen zu sein. Das sei «für ein Mitglied der Königlichen Familie nicht geziemend» gewesen, sagte er. «Es war ein bequemer Ort zum Verweilen, aber es war definitiv falsch, das zu tun.» Er habe enttäuscht.

In schlechtem Licht lässt Andrew, den die britische Boulevardpresse in den 1980ern wegen seiner Liebschaften «Randy Andy» (etwa: «Geiler Andy») nannte, vor allem die Frage stehen, inwiefern er selbst Epsteins Zuführungen Minderjähriger in Anspruch nahm. Erste Vorwürfe, er habe bei Epsteins Partys Sex mit Minderjährigen gehabt, kamen auf, als sich Epstein erstmals 2008 vor Gericht verantworten musste.

2015 wurde der Prinz wieder damit konfrontiert, der Buckingham Palast wies alle Missbrauchsvorwürfe scharf zurück. Da ging es schon um die US-Amerikanerin, die ihn bis heute belastet: Sie behauptet, dass sie von Epstein als Teenager in einer Art «Sex-Knechtschaft» gehalten wurde und in den Jahren 2001 und 2002 - noch als 17-Jährige - gezwungen wurde, dreimal Sex mit dem Prinzen zu haben.

Dazu sagte Andrew jetzt im Interview: «Ich kann Ihnen absolut kategorisch sagen, dass es nie passiert ist», sagte er und fügte hinzu: «Ich habe keine Erinnerung daran, diese Dame jemals getroffen zu haben, überhaupt nicht.» Die Vorwürfe der Frau seien «überraschend, schockierend und ein Ablenkungsmanöver». Auch mit Details wollte er die Anwürfe entkräften: Laut der Beschreibung der Frau solle er beim Tanzen stark geschwitzt haben. Das sei aber unmöglich, weil er eine Krankheit habe, die Schwitzen unterbinde. Auch habe sie behauptet, er habe ihr Alkohol angeboten. Dabei trinke er nicht und glaube, nie in dem Nachtclub einen Drink gekauft zu haben. Andrew sagte der BBC, er würde auch unter Eid aussagen, wenn «es hart auf hart» käme und seine Anwälte ihm dazu rieten.

Der PR-Berater Jason Stein will Prinz Andrew davon abgeraten haben, das BBC-Interview überhaupt zu dem Thema zu führen, wie er dem Sender ITV News sagte. Auch andere Medienbeobachter sollen das getan haben. Wäre er still geblieben, hätte er sich aus dem Fall raushalten können, argumentierte Anwalt Stephens. «Er war eine Privatperson und jetzt hat er auf diese Privatsphäre verzichtet.»

Die Einzige, die ihm - wie schon früher - beisprang, war Ex-Frau Sarah «Fergie» Ferguson. «Andrew ist ein wahrer und echter Gentleman», twitterte die Herzogin von York nach der Veröffentlichung eines Interviewauszugs am Freitagabend. Er sei nicht nur pflichtbewusst, sondern immer auch freundlich und gutherzig. Das Ex-Paar, dessen Ehe bis zur Scheidung 1996 von Affärengerüchten begleitet wurde, pflegt heute ein sehr freundschaftliches Verhältnis.

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dpa

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17. 11. 2019
17:55 Uhr

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