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Serebrennikows «Nabucco» in Hamburg gefeiert

Der russische Theatermacher darf seine Moskauer Wohnung nicht verlassen. Trotzdem gelingt es Kirill Serebrennikow, Verdis Oper «Nabucco» in Hamburg als kompromisslosen politischen Appell auf die Bühne zu bringen.



"Nabucco"
Szene aus dem Hamburger «Nabucco».   Foto: Christian Charisius

Ausgerechnet die Hauptperson fehlte am Sonntagabend auf der Bühne der Staatsoper Hamburg, um den Jubel für die Premiere von Giuseppe Verdis «Nabucco» entgegenzunehmen.

Der russische Theatermacher Kirill Serebrennikow hat bei der Neuinszenierung Regie geführt sowie Bühnenbild und Kostüme entworfen. Aber er konnte während der gesamten Produktionszeit nicht ein einziges Mal nach Hamburg kommen, denn er steht seit gut eineinhalb Jahren in Moskau unter Hausarrest.

Seit dem 7. November 2018 wird vor Gericht gegen ihn verhandelt. Die Ermittlungsbehörden werfen Serebrennikow vor, über seine Produktionsfirma «Siebtes Studio» Fördergelder in Millionenhöhe veruntreut zu haben. Der Künstler bestreitet die Vorwürfe. Kritiker sehen in dem Prozess ein Zeichen für die kritische Kulturszene in Russland.

Seine persönliche Situation macht der Regisseur in der Inszenierung nicht ausdrücklich zum Thema. Dennoch schwingt sie mit. Gefangenschaft ist auch in Verdis «Nabucco» ein Motiv, werden doch in der alttestamentarischen Geschichte die Hebräer von den Babyloniern verschleppt. Serebrennikow interpretiert das Stück dezidiert politisch und scheut dafür auch vor plakativen Mitteln nicht zurück. Er verlegt die Handlung in den UN-Sicherheitsrat. Die Verschleppten sind bei ihm die Millionen Menschen, die auf der Flucht vor Krieg und Unterdrückung ihre Heimat verloren haben. Stellvertretend für sie holt er in Hamburg lebende Geflüchtete auf die Bühne, ein «Projektchor Nabucco» singt seine eigene Version des berühmten Gefangenenchors «Va, pensiero».

Außerdem unterbricht Serebrennikow die Oper immer wieder, um Reportagefotos vom Syrienkrieg und vom Exodus der geschundenen Bevölkerung auf den Vorhang zu projizieren, begleitet von Klagegesängen syrischer Musiker. Dass diese Momente bisweilen an die Grenze des Erträglichen gehen, ist offenkundig beabsichtigt. Einzelne Zuhörer reagierten am Premierenabend mit Zwischenrufen und Pfiffen.

Eine Regiearbeit lebt normalerweise vom direkten Kontakt zwischen Regisseur und Darstellern. Serebrennikow darf aber mit kaum jemandem sprechen, das Internet darf er nicht benutzen. Er kommunizierte über Videobotschaften, die aufgezeichnet und weitergeleitet wurden. Co-Regisseur Evgeny Kulagin hat von Hamburg aus beständig zwischen Serebrennikow und dem Ensemble vermittelt.

Die Mühen und Umwege der Kommunikation sind der Inszenierung nicht anzumerken. Die zahlreichen Chor- und Ensembleszenen wirken natürlich bewegt. Serebrennikow zeichnet Persönlichkeiten, keine Typen. Selbst mit der machtgierigen, von Oksana Dyka mit metallischem Timbre und hochdramatisch gesungenen Abigaille kann der Zuhörer mitfühlen. Dem exzellenten Bariton Dimitri Platanias gelingt ein differenziertes Rollenporträt der Titelfigur. Eberhard Friedrich hat den Chor der Hamburgischen Staatsoper glänzend einstudiert, und das Philharmonische Staatsorchester Hamburg musiziert unter der Leitung von Paolo Carignani flexibel und mit italienischem Schwung. Beim Schlussapplaus entrollten Kulagin und das Regieteam auf der Bühne ein Transparent «Free Kirill».

Veröffentlicht am:
11. 03. 2019
11:35 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
11. 03. 2019
11:35 Uhr



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