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«Tatort»-Jahr 2018: Reichsbürger, Roboter und ein Todesfall

Mehr als drei Dutzend neue «Tatorte» gab es 2018 Jahr im Programm des ARD-Fernsehens. Mal ging es um den Pflegenotstand, mal um künstliche Intelligenz, mal um sogenannte Reichsbürger, die die Bundesrepublik nicht anerkennen. Die Einschaltquoten schwankten enorm.



Tatort: Schlangengrube
Mord in der Nachbarschaft von Staatsanwältin Wilhelmine Klemm (Mechtild Großmann, l). Thiel (Axel Prahl) und Boerne (Jan Josef Liefers) untersuchen die tote Patrizia Merkens (Lilia Lehner).   Foto: Thomas Kost/WDR/ARD

2018 war das Jahr, in dem der «Tatort» seinen Vater verlor. Der Erfinder der Krimi-Reihe, Gunther Witte, starb Mitte August im Alter von 82 Jahren in Berlin.

Dass der Kommissar die Hauptfigur ist und es immer auch um ein gesellschaftliches Problem geht, war die Idee des langjährigen WDR-Fernsehspielchefs. In der traditionsreichen «Tatort»-Welt gab es in diesem Jahr also einen echten Todesfall.

37 neue Krimis standen im Kalenderjahr 2018 im Programm des Ersten, zwei mehr als im Vorjahr. Wiederholungen gab es ebenfalls viel viel mehr - am 1. Mai waren es in allen ARD-Kanälen zusammen sogar so viele wie nie zuvor an einem einzigen Tag, wie die Seite «Tatort-Fundus» wusste: acht Krimis!

Die beste Quote - im Schnitt 12,16 Millionen Zuschauer - holten wieder Thiel und Börne (Axel Prahl und Jan Josef Liefers) aus Münster. Das mit Abstand beliebteste Team tauchte aber in diesem Jahr nur mit einem neuen Fall im ARD-Programm auf, statt wie sonst mit zwei Krimis. «Schlangengrube» hieß der Film am 27. Mai.

Eine besonders schlechte Quote holte der mitten im Sommer - am 8. Juli - ausgestrahlte Kino-«Tatort» mit Til Schweiger. Nachdem «Tschiller: Off Duty» Anfang 2016 im Kino ziemlich gefloppt war, bekam er nun die «Tatort»-Nummer 1062. Schweiger fühlte sich von der ARD «total im Regen stehen gelassen», wie er der «Bild am Sonntag» sagte. «Den 'Tatort' im Hochsommer zwischen der Fußball-WM, wo normal kein 'Tatort' läuft, zu versenden, das ist bitter.»

Die Themen der «Tatorte» waren auch in diesem Jahr wieder so vielfältig wie die Städte und Regionen, aus denen sie kamen.

So ging es zum Beispiel in Bremen am 11. März um Pflegenotstand («Im toten Winkel»), im Schwarzwald am 13. Mai um völkische Bauern («Sonnenwende»), in Bayern am 3. Juni um Eifersucht bei Reichsbürgern, also Menschen, die die Bundesrepublik mit ihren Gesetzen und Behörden nicht anerkennen (Münchner Folge «Freies Land») und in Berlin am 16. September um einen tötenden Kaffeeautomaten-Roboter am Kurfürstendamm («Tiere der Großstadt»). Künstliche Intelligenz war auch am 21. Oktober bei den Münchnern nochmal ein Thema («KI»).

Gewollt kurios waren wieder die Weimar-Krimis, wie schon die Titel zeigten: «Der kalte Fritte» am 11. Februar hieß ein Brüderdrama, «Die robuste Roswita» am 26. August war nach einer Kartoffelsorte benannt und drehte sich um einen Klößefabrikanten und um Kloßsoß und Soßkloß.

Die Schweiz wagte ein besonderes Experiment mit einem Echtzeitkrimi rund um ein Konzert im Luzerner Kultur- und Kongresszentrum. Das Familiendrama hieß «Die Musik stirbt zuletzt». Die Quote am 5. August war außerordentlich schlecht: unter fünf Millionen Zuschauern.

Außergewöhnlich waren auch ein Berlinale-«Tatort» als Film-im-Film-Geschichte am 18. Februar mit dem Titel «Meta», ein Bremer Gruselkrimi über Vampirismus mit dem Titel «Blut» (28. Oktober) rechtzeitig zu Halloween und die einzige Stuttgarter Folge des Jahres, «Der Mann, der lügt» am 4. November, in dem die Story nicht aus Ermittlersicht, sondern aus der Perspektive eines Verdächtigen erzählt wurde.

Experimentell war im März auch die Ludwigshafener Folge «Waldlust» (4. März) über ein Coachingwochenende des Ermittler-Teams. Es war der zweite «Tatort» von Axel Ranisch. Diesmal eckte der Regisseur aber nicht so an wie mit dem improvisierten Mundart-Film «Babbeldasch» von 2017. Für die ungewöhnlichen Klänge des Soundtracks gewann die Komponistin Martina Eisenreich den Deutschen Filmmusikpreis.

Beim österreichischen «Tatort» hatte am 14. Oktober Inkasso-Heinzi (Simon Schwarz), ein immer wieder auftauchender dubioser Kumpel der Wiener Ermittlerin Bibi (Adele Neuhauser), sein Coming-out als schwuler Mykonos-Tourist («Her mit der Marie!»).

Abschiede gab es mehrere: Beim Ludwigshafen-«Tatort» hörte Anfang des Jahres - am 7. Januar - nach 21 Jahren der Schauspieler Andreas Hoppe auf («Kopper»). In Dresden stieg mit der Folge vom Pfingstmontag (21. Mai) Alwara Höfels als Ermittlerin Henni Sieland aus. Ihr letzter «Tatort» drehte sich um Online-Dating - Titel «Wer jetzt allein ist».

Neue Gesichter gab es ebenfalls: Im «Tatort» aus Kiel hatte - nach dem Ausstieg von Sibel Kekilli - am 2. September die Schauspielerin Almila Bagriacik ihren Einstand. Sie ist nun Kommissarin Mila Sahin an der Seite von Axel Milberg als Hauptkommissar Klaus Borowski - eine Spezialistin für operative Fallanalysen. Der erste Fall mit ihr hieß «Borowski und das Haus der Geister».

In Dortmund ist jetzt nach dem Ausstieg von Stefan Konarske Rick Okon als Jan Pawlak der Vierte im Ruhrgebiets-Team («Tod und Spiele» am 7. Oktober). Seinen Einstand hatte er am 4. Februar in einer Gastrolle als verdeckter LKA-Ermittler im Gefängnis-Thriller «Tollwut».

Und zu guter Letzt noch eine Frage: Wie oft gab es 2018 «Tatorte» mit Matthias Brandt als Kommissar? Wer jetzt keinmal sagen will, weil das doch kein «Tatort»-, sondern ein «Polizeiruf»-Ermittler sei, liegt falsch. Die Antwort lautet: einmal. Der 15. und letzte Münchner «Polizeiruf 110» mit Brandt als Hanns von Meuffels hat den Titel «Tatorte» und stand im Dezember im ARD-Programm.

Veröffentlicht am:
26. 12. 2018
09:33 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
26. 12. 2018
09:33 Uhr



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