Lade Login-Box.
Topthemen: Hofer Filmtage 2019EhrenamtskampagneVER Selb

Boulevard

«Teuerste Garderobe der Welt»: Tor zur Museumsinsel fertig

Ende gut, alles gut? Das neue Tor zur Museumsinsel hat für viel Aufregung gesorgt. Doch das Ergebnis überzeugt.



James-Simon-Galerie
Noch schnell sauberfegen: Blick auf die James-Simon-Galerie in Berlin.   Foto: Bernd von Jutrczenka

Die teuerste Garderobe der Welt», so nennen die Berliner gern das neue Empfangsgebäude zur Museumsinsel. Doch was Stararchitekt David Chipperfield nach einer schier unendlichen Baugeschichte bei der Schlüsselübergabe vorstellt, dürfte auch die ärgsten Spötter überzeugen.

Die sogenannte James-Simon-Galerie, die im kommenden Jahr die Serviceaufgaben für die fünf Häuser der Museumsinsel übernehmen soll, ist eine großartige Visitenkarte für Berlin geworden - klar und transparent, offen und einladend.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) lobt das Gebäude als «architektonisch überzeugendes Entrée». Und Michael Eissenhauer, der als Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin den Schlüssel vom Bundesbauamt entgegennimmt, spricht gar von einem «Geschenk des Himmels.»

Die Galerie mit einer Nutzfläche von 4600 Quadratmetern erhebt sich auf einem hohen, steinernen Sockel direkt an der Uferkante des Spreekanals. Zum Wasser hin dominiert eine schlanke Kolonnadenreihe, die in moderner Form die Architektur der Insel aufgreift. Zwischen dem Sockel und dem dahinterliegenden Neuen Museum, Chipperfields Meisterwerk, führt eine breite Freitreppe ins lichtdurchflutete Foyer.

Von hier aus öffnen sich verschiedene Ebenen mit Ticketbereich und Garderobe, Café und Büchershop, einem großen Ausstellungsraum mit künstlicher Lichtdecke und einem spektakulären Auditorium. Insgesamt zwei bis drei Millionen Besucher im Jahr sollen hier alles Nötige bekommen - und irgendwann einmal auch auf die archäologische Promenade gelangen, die alle Museen unterirdisch verbindet - ein Traum allenfalls für die 2030er Jahre.

«Die James-Simon-Galerie feiert die Zugänglichkeit der Museen und der Schätze, die sie bergen. Sie erweitert den öffentlichen Raum ins Innere der Museumsinsel und lädt zum Spazieren ein», sagt der Partner und Designdirektor von Chipperfield Architects, Alexander Schwarz. Faszinierend sind dabei besonders die neuen Blickachsen, die sich hinüber auf das rekonstruierte Schloss und hinaus auf die Stadt ergeben. Benannt ist das Haus nach dem großen jüdischen Museums-Mäzen James Simon (1851-1932).

Vor allem der Präsidentin des verantwortlichen Bundesamts für Raumordnung und Bauwesen, Petra Wesseler, war die Erleichterung anzumerken, dass das Projekt diesen «Meilenstein» endlich geschafft hat. Lange gab es nur Pleiten, Pech und Pannen. Nach dem Start 2009 sollte das Haus eigentlich schon 2013 fertig sein. Doch Pfusch am Bau und der unsichere Berliner Untergrund sorgten für immer neue Verzögerungen.

So mussten Taucher wegen einer Kolklinse, einer eiszeitlichen Auswaschung im Baugrund, 1200 Pfähle in den schlammigen Boden treiben, um das Fundament zu sichern. Die Kosten stiegen von anfangs 71 auf 134 Millionen Euro. «Das ist der Kostenrahmen, den wir beim Richtfest genannt haben. Bei diesem Kostenrahmen bleibt es», versicherte Wesseler jetzt nicht ohne Stolz.

Für Chipperfield selbst begann die Achterbahn noch viel früher. Schon 1994 gehört der britische Stararchitekt zu den Gewinnern eines Realisierungswettbewerbs für das ehrgeizige Projekts. Als er nach langem Hin und Her seinen Entwurf vorlegt, gehen die Wellen hoch. 

Der Denkmalschutz schlägt wegen mangelnder Harmonie mit den bestehenden Museen Alarm, eine Bürgerinitiative um Günther Jauch strebt ein Volksbegehren an und die renommierte «Frankfurter Allgemeine Zeitung» warnt: «So nicht, Mr. Chipperfield!» Erst nach einer neuerlichen Überarbeitung gibt es grünes Licht.

Ganz britischer Gentleman, behauptet Chipperfield heute, sich nicht an Streit erinnern zu können. «Ich habe die Diskussion immer als fair empfunden», fügt der 64-Jährige im Ernst hinzu. «Als Architekten beschweren wir uns ja immer, dass sich niemand für Architektur interessiert. Und wenn sich dann jemand interessiert, darf man sich nicht beschweren.»

Veröffentlicht am:
13. 12. 2018
18:23 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Architektur Baugeschichte Bauwesen und Bauwerke Berliner Museumsinsel Bundesämter CDU David Chipperfield Frankfurter Allgemeine Zeitung Günther Jauch James Simon Kostenrahmen Pfusch am Bau Raumordnung Sockel
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Haus Bastian

30.08.2019

Museumsinsel bekommt Bildungszentrum

Auf der Museumsinsel öffnet das Haus Bastian seine Türen für Besucher. Diese können nicht nur einen Blick auf die Sammlung werfen, sondern auch ihre Beobachtungen und Fragen in kreativer Form nacharbeiten. » mehr

Eröffnung James-Simon-Galerie

12.07.2019

Angela Merkel eröffnet die James-Simon-Galerie

Die Museumsinsel ist komplett. Mit der James-Simon-Galerie hat das Welterbe im Herzen Berlins einen neuen Zugang. Zur Eröffnung macht Kanzlerin Merkel deutlich, was Kultur heute für das Miteinander zu leisten hat. » mehr

Humboldt Forum

12.06.2019

Eröffnung des Humboldt Forums wird verschoben

Lange stand der Termin auf der Kippe - jetzt wird die Eröffnung für das Mammutprojekt der deutschen Kultur verschoben. Droht dem Humboldt Forum das Schicksal des Hauptstadtflughafens? » mehr

Udo Kittelmann

21.08.2019

Udo Kittelmann räumt Chefposten der Nationalgalerie

Als Direktor der Nationalgalerie Berlin sorgt Udo Kittelmann bisher für international beachtete Ausstellungen und spektakuläre Events. Nun hört er überraschend auf. » mehr

Pergamonmuseum

15.11.2018

Pergamonmuseum: Götter im Dornröschenschlaf 

Am 17. November öffnet das lang erwartete Ausweichquartier für das Pergamonmuseum. Aber was ist eigentlich mit der Sanierung des Stammhauses? Die Deutsche Presse-Agentur konnte die Baustelle exklusiv besichtigen. » mehr

Schloss Neuschwanstein

04.09.2019

150 Jahre Schloss Neuschwanstein

Zwischen Fantasie und Wirklichkeit: Vor 150 Jahren wurde der Grundstein von Schloss Neuschwanstein gelegt - und nun gefunden. Ein Blick in die Geschichte des weltberühmten Märchenschlosses, was eigentlich die Geschichte ... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Lkw kracht auf A 9 in Warnleitanhänger: Fahrer verletzt Gefrees/Münchberg

A9/Münchberg/Gefrees: Lkw kracht in Warnleitanhänger | 17.10.2019 Gefrees/Münchberg
» 25 Bilder ansehen

Michael Mittermeier - Lucky Punch

Michael Mittermeier - Lucky Punch | 16.10.2019 Hof
» 28 Bilder ansehen

Eisbären Regensburg - Selber Wölfe

Eisbären Regensburg - Selber Wölfe | 18.10.2019 Regensburg
» 44 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
13. 12. 2018
18:23 Uhr



^