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Thalia Theater Hamburg feiert 175 Jahre Gegenwart

Am Thalia in Hamburg spielten einst Schauspiellegenden wie Inge Meysel, Heinz Rühmann und Hardy Krüger. Hier sorgten Regisseure wie Jürgen Flimm und Peter Zadek für Aufsehen. Zum 175. Jubiläum fordert der Intendant ein Bekenntnis zu Europa.



Thalia-Intendant Joachim Lux
Joachim Lux, Intendant des Thalia Theaters.   Foto: Daniel Reinhardt » zu den Bildern

Als Chérie Maurice, der Sohn eines Schnapsbrenners, 1843 das Thalia Theater in Hamburg eröffnete, wurde ihm dies unter einer Bedingung erlaubt: Er durfte nur Komödien spielen.

Ernste, dramatische Stücke waren dem Stadt-Theater an der Dammtorstraße vorbehalten, das sich neben Opern auch dem Schauspiel widmete. Deshalb benannte er sein Haus nach der griechischen Muse der komischen Dichtung: Thalia.

Seinen Ruf als Unterhaltungstheater hat das Thalia Theater seit langem abgestreift und ist heute gemeinsam mit dem Deutschen Schauspielhaus die wichtigste Sprechbühne Hamburgs. Mit einer Jubiläumsfestwoche feiert das renommierte Theater, an dem früher auch Stars wie Inge Meysel, Heinz Rühmann und Hardy Krüger spielten, vom 2. bis zum 11. November seinen 175. Geburtstag.

«Theater muss das eigene kulturelle Erbe schützen, bewahren und aus dem Geist der eigenen Gegenwart befragen», sagt Intendant Joachim Lux (60) der dpa. Dies sei wichtig, weil der Verlust des kulturellen Gedächtnisses zur Geschichtslosigkeit führe.

Gleichzeitig, so Lux, dürfe es sich nicht aus der Gegenwart davonstehlen, sondern müsse sich zu ihr bekennen. «Beides zusammen schützt gegen den Geist politischer Einfalt, der nicht nur in Deutschland, sondern leider in der gesamten westlichen Welt in Mode ist», meint Lux. Er leitet das Theater seit 2009. «Wir müssen uns zu Europa bekennen, nicht nur als Wirtschaftsraum, sondern zu seinen Idealen. Denn es gibt sie ja: Es sind die Ideale der Französischen Revolution: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.»

Zum Jubiläum wurde das Theater in der Sommerpause umfangreich saniert und die Foyers nach den Plänen des Architekten Georg Kallmorgen wiederhergestellt. Wegen des Erfolgs war 1912 ein größeres Theater am Gerhart-Hauptmann-Platz erbaut worden. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Haus zerstört und erst 1960 wiedereröffnet.

«Das Regietheater hat am Thalia viele Siege gefeiert: Hier haben der böse Peter Zadek und der schlimme Hans Neuenfels und der junge Jürgen Flimm inszeniert - die waren ja damals keineswegs Klassikaner», reflektiert Lux die wechselvolle Geschichte seines Hauses.

Geholt hatte die «Jungen Wilden» Boy Gobert, der das Theater von 1969 bis 1980 leitete. Unter Intendant Ulrich Khuon (2000-2009) wurde das Thalia gleich zweimal zum «Theater des Jahres» gekürt.

In der Festwoche zeigt das Thalia eine Auswahl preisgekrönter und beliebter Produktionen aus dem Repertoire, darunter «Faust I» (Regie: Nicolas Stemann), «Panikherz» von Benjamin von Stuckrad-Barre, «Das achte Leben (Für Brilka)» von Nino Haratischwili und «Don Giovanni. Letzte Party» (Regie: Antú Romero Nunes).

Seit 2012 verbindet das Theater eine Freundschaft mit dem Schriftsteller Navid Kermani. In bislang zehn «Herzzentren» hat sich nahezu das gesamte Ensemble mit Kermanis Texten an ungewöhnliche Orte begeben, darunter eine Moschee, eine Flüchtlingsunterkunft und ein Laufhaus auf der Reeperbahn. Am 9. November gibt es zum ersten Mal ein «Herzzentrum» im gesamten Haus - auch hinter der Bühne.

«Für die Zukunft muss dieses Theater deutlich mehr als bisher auch die zunehmende Internationalität unserer Stadtgesellschaften widerspiegeln», sagt Lux. Nach innen, nach außen, auf der Bühne und im Parkett. «Ich habe damit zwar begonnen und werde das auch fortsetzen, erledigt aber ist das nicht einmal ansatzweise. Es ist eine Aufgabe für mehrere Generationen.»

Veröffentlicht am:
28. 10. 2018
12:45 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
28. 10. 2018
12:45 Uhr



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