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Trauer um Karel Gott - Regierung plant Staatsbegräbnis

Nach dem Tod Karel Gotts legen Menschen Blumen nieder und zünden Kerzen an. Auch deutsche Kollegen trauern um den Tschechen, der sich mit der «Biene Maja» in die Kinderherzen sang. Die Regierung in Prag will ein Staatsbegräbnis.



Karel Gott
Karel Gott ist im Alter von 80 Jahren gestorben.   Foto: Rolf Haid/dpa » zu den Bildern

Die Schlagerwelt und Millionen Fans in ganz Europa trauern um Karel Gott. Der legendäre Sänger von Hits wie «Biene Maja» und «Babicka» starb am Dienstagabend kurz vor Mitternacht im Alter von 80 Jahren. Das bestätigte eine Sprecherin der dpa.

«Er ist zu Hause von uns gegangen, in ruhigem Schlaf, im Kreis seiner Familie», teilte seine Ehefrau Ivana Gottova mit. Karel Gott stand sechs Jahrzehnte auf der Bühne und verkaufte Schätzungen zufolge mehr als 50 Millionen Tonträger. Bekannt war er als «die goldene Stimme aus Prag» und «Sinatra des Ostens».

Der tschechische Regierungschef Andrej Babis kündigte nach einer Sondersitzung des Kabinetts ein Begräbnis mit staatlichen Ehren und einen nationalen Trauertag an. Die Einzelheiten würden noch mit den Angehörigen besprochen. Im September hatte Karel Gott öffentlich gemacht, dass er an akuter Leukämie litt. Eine erste Krebserkrankung am Lymphsystem hatte er wenige Jahre zuvor überstanden.

Am Zaun seiner Villa im Prager Stadtteil Smichov legten Menschen Blumen für den Sänger nieder und zündeten Kerzen an. Am Rathaus seines Geburtsorts Pilsen (Plzen) und am Präsidentenpalast auf der Prager Burg wurde Trauerbeflaggung gehisst. Das Fernsehen unterbrach sein Programm für Sondersendungen. Prager Zeitungen widmeten dem «göttlichen Kaja», so der Spitzname für Karel, am Donnerstag Sonderseiten oder gleich die ganze Ausgabe.

Auch der deutsche Schlagersänger und Fernsehmoderator Florian Silbereisen trauerte um Karel Gott. «Wir waren mitten in den Vorbereitungen für einen großen Auftritt», schrieb er bei Facebook. Er sei sehr traurig. «Karel war ein ganz besonderer Mensch.» Entertainer Bürger Lars Dietrich schrieb auf Instagram: «Er war ein Guter! Danke Karel Gott.»

Der Rapper Bushido, der mit Karel Gott 2008 das Duett «Für immer jung» aufgenommen hatte, postete auf Instagram: «Heute ist ein großartiger Mensch von uns gegangen. ... Lieber Karel, richte bitte meiner Mama Grüße von uns aus. Wir vermissen sie.» Schlagerkollegin Helena Vondrackova erinnerte an wunderbare Augenblicke: «Karel war ein sehr unterhaltsamer Mensch.»

Mit der Titelmelodie zur Zeichentrickserie «Biene Maja» wurde Karel Gotts Stimme für Generationen deutschsprachiger Kinder bekannt. Mit seinem unverkennbaren slawischen Akzent sang er von der «kleinen frechen schlauen Biene» mit den Kulleraugen. Als Single landete das Titellied der ZDF-Zeichentrickserie im Mai 1977 auf Platz eins der NDR-Schlagerparade.

Mit unvergesslichen Melodien sicherte sich der Tscheche auch unter den Erwachsenen ein Millionenpublikum. Die Hits folgten Schlag auf Schlag: «Lady Carneval» (1969), «Einmal um die ganze Welt» (1970), «Babicka» (1979) und «Fang das Licht» (1985).

In seinem Heimatland Tschechien war der Sänger eine Legende. Insgesamt 42 Mal gewann er den Publikumspreis «Goldene Nachtigall». Präsident Milos Zeman sprach von einer ungeheuer traurigen Nachricht für das ganze Land: «Karel Gott war ein wirklicher Künstler, der sein Leben anderen geschenkt hat.»

Die Zeitung «Pravo» aus Prag merkte an, dass die Musik Karel Gotts viele Menschen ihr Leben lang begleitete. Die Nachricht von seinem Ableben sei bei vielen Fans «wie ein Todesfall in der Familie» aufgenommen worden. Kritisch äußerte sich das liberale Blatt «Hospodarske noviny»: Karel Gott habe dem sozialistischen Regime vor 1989 geholfen und sei «das Gesicht der Anticharta» gegen die Bürgerrechtsbewegung Charta 77 gewesen.

Karel Gott wurde am 14. Juli 1939 im westböhmischen Pilsen geboren. Als junger Elektro-Lehrling hatte er seine ersten Auftritte in Prager Tanzcafés. Seinen 80. Geburtstag feierte er im Juli 2019, abgeschirmt von der Öffentlichkeit, mit Weggefährten in einem Prager Theater. Über seine Beziehung zu seinem Publikum sagte er einmal: «Es ist eine Art Magnetismus, eine gegenseitige Anziehungskraft, die schwer beschreibbar ist.»

Der Frauenschwarm hatte im Jahr 2008 in Las Vegas seine 37 Jahre jüngere Freundin, die Fernsehmoderatorin Ivana Machackova, geheiratet. Mit ihr bekam er zwei Töchter, Charlotte Ella und Nelly Sofie. Er hinterlässt außerdem zwei erwachsene Töchter aus früheren Beziehungen.

Kondolenzschreiben kamen auch aus dem Ausland: «Sein Tod ist ein schwerer Verlust für Millionen Bewunderer der «tschechischen Nachtigall» in Russland, in deren Gedächtnis und Herzen er für immer bleiben wird», teilte die russische Botschaft in Tschechien mit. Der deutsche Botschafter, Christoph Israng, schrieb bei Twitter: «Eine Legende ist von uns gegangen, seine Musik und unsere Erinnerung bleiben.» Der französische Botschafter dankte für die Freude, die Karel Gott den Menschen gebracht habe.

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dpa

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Veröffentlicht am:
03. 10. 2019
13:16 Uhr

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03. 10. 2019
13:16 Uhr



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