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Trotz Hausarrests: Serebrennikow inszeniert in Hamburg

Er steht in Moskau unter Hausarrest. Das hindert Kirill Serebrennikow jedoch nicht, von dort aus an der Hamburgischen Staatsoper Verdis «Nabucco» zu inszenieren. Ins Zentrum rückt er dabei die Heimatlosigkeit heutiger Geflüchteter.



Nabucco
Abed Harsony und Hana Alkourbah (l) aus Syrien wirken in «Nabucco» mit.   Foto: Christian Charisius

Die Staatsoper Hamburg bringt am Sonntag Giuseppe Verdis große Freiheitsoper «Nabucco» in der Inszenierung von Kirill Serebrennikow heraus.

Die Premiere stößt bereits im Vorfeld auf internationales Interesse, denn der russische Regisseur steht seit August 2017 in Moskau unter Hausarrest. Er war während der gesamten Produktion kein einziges Mal anwesend.

Serebrennikow darf mit kaum jemandem sprechen, darf das Internet nicht benutzen. Er kommuniziert über Videobotschaften, die aufgezeichnet und weitergeleitet werden. Für die Zusammenarbeit mit der Staatsoper Hamburg vermittelt Co-Regisseur Evgeny Kulagin von Hamburg aus beständig zwischen Serebrennikow und dem Ensemble.

Die Ermittlungsbehörden werfen Serebrennikow vor, über seine Produktionsfirma «Siebtes Studio» Fördergelder in Millionenhöhe veruntreut zu haben. Er habe Mittel für eine Inszenierung von Shakespeares «Sommernachtstraum» vereinnahmt, die Produktion aber nie umgesetzt. Tatsächlich ist die Inszenierung mehrfach im In- und Ausland gezeigt worden.

Der Künstler, der das renommierte Gogol-Zentrum in Moskau leitet und in Deutschland sowohl als Theater- und Opernregisseur als auch durch seinen Film «Leto» bekannt ist, bekennt sich offen zu seiner Homosexualität. Für ihn ist der Fall klar: Die Politik wolle ihn einschüchtern und an ihm ein Exempel statuieren.

Serebrennikow steht seit dem 7. November 2018 in Moskau vor Gericht. Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe bestreitet er. Kritiker sprechen davon, dass der Prozess ein Zeichen für die kritische Kulturszene in Russland sein könnte.

Der Regisseur - er hat auch Bühnenbild und Kostüme entworfen - nimmt auf sein eigenes Schicksal in seiner Interpretation der Oper nicht ausdrücklich Bezug, obgleich Gefangenschaft auch bei Verdi ein Motiv bildet. Serebrennikow hat die Oper «Nabucco», die vor allem durch den Gefangenenchor berühmt ist, aber durchaus in die politische Gegenwart geholt, indem er die Handlung vom alttestamentarischen Jerusalem und Babylon in den UN-Sicherheitsrat verlegt hat.

Es treten aus Syrien geflüchtete Musiker auf, unter anderem im Projektchor Nabucco. Die Titelrolle verkörpert der Bariton Dmitri Platanias, die musikalische Leitung hat Paolo Carignani. Während der Vorstellungszeiten zeigt die Staatsoper Hamburg im Foyer die Ausstellung «Kirill ebrennikov im Visier der Staatsmacht - Chronik der Ereignisse».

Veröffentlicht am:
08. 03. 2019
15:35 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
08. 03. 2019
15:35 Uhr



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