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Viel Farbe und Natur: Der «unbekannte» Munch in Düsseldorf

Norweger unter sich: Der Bestsellerautor Karl Ove Knausgård hat eine üppige Ausstellung mit Bildern von Edvard Munch gestaltet. Gezeigt werden weniger bekannte, aber dennoch eindringliche Bilder. Das berühmte Bild «Der Schrei» ist nicht dabei.



Karl Ove Knausgård
Karl Ove Knausgård vor Munchs Bild «Die Sonne» aus dem Jahr 1912.   Foto: Federico Gambarini/dpa » zu den Bildern

Wiesengrün, tiefes Blau und Apfelrot: Die Bilder von Edvard Munch strahlen vor Farbe. Und weil es so viele sind, hängen die Gemälde des weltberühmten norwegischen Malers (1863-1944) teils in Doppelreihen an der Wand.

Die Ausstellung (12.10.-1.3.2020) in der Kunstsammlung NRW mit rund 140 selten gezeigten Arbeiten ist zugleich ein Experiment. Die Schau über die unbekannte Seiten Munchs hat nämlich kein professioneller Kurator, sondern der norwegische Bestsellerautor Karl Ove Knausgård konzipiert - von der Bilderauswahl bis zur Hintergrundfarbe der Wände. Und so heißt die Ausstellung «Edvard Munch - gesehen von Karl Ove Knausgård». Vor zwei Jahren war sie schon erfolgreich im Munch Museum in Oslo.

«Er ist so ikonisch, dass man die Bilder nicht mehr sieht», sagte Knausgård über den Mitbegründer der modernen Malerei. Munch teilt dieses Schicksal mit anderen sehr populären Künstlern: Ihre Werke sind so bekannt und wurden so oft gezeigt, dass der Betrachter sie nur noch reduziert wahrnimmt.

Um dieser Falle zu entgehen, wählte Knausgård aus dem Keller des Munch Museums und etwa tausend Bildern gerade unbekanntere Werke seines Landsmanns. Das Gemälde «Der Schrei» ist natürlich nicht dabei. Die Arbeiten stammen aus etwa 50 Jahren, beginnend mit dem Ende des 19. Jahrhunderts, als der skandalumwitterte Abbruch einer Ausstellung in Berlin Munch berühmt machte. Die jüngsten Bilder stammen aus den 1940er Jahren.

Knausgård hat die Ausstellung nach Themen geordnet. «Chaos und Kraft» zeigt Verzweifelte, Trinker, Eifersucht - extreme Lebenssituationen, die im Bild verdichtet sind. «Der Tod des Bohemiens» ist so ein Gemälde, auf dem ein leichenblasser Mann auf einem Bett liegt, die Freunde und Schnapsflaschen an der Seite. Holzschnitte zeigen mit wenigen Linien Landschaften oder sich innig umschlingende Paare.

Erstaunlich viele Motive stammen aus der Natur. Zu allen Jahreszeiten malte Munch Baumstämme. Menschenleere Landschaften fand er zum Beispiel an der Küste und in Thüringen. Doch oft sind es frische, lichtdurchflutete Szenen im Grünen, die expressiv und mit starken Farben ausgeführt sind. Ein Mädchen mit Strohhut gießt Blumen, Frauen in langen Kleidern wandeln unter Bäumen, ein Apfelbaum biegt sich unter der Last der Früchte. Männer baden im Meer.

Auf eine Beschilderung der Arbeiten hat Knausgård verzichtet, das ist ungewöhnlich. Er wolle, dass man einen unverstellten Zugang zum Werk bekomme, sagt dazu Susanne Gaensheimer, die Direktorin der Kunstsammlung. Leider sind die Bilder nicht betitelt, Besucher müssen die Titel in einem Begleitheft suchen.

Ein Raum zeigt Porträts. Die lebensgroßen Bilder hängen an einer langen Wand markant nebeneinander. Würdige Männer in edlen Anzügen nehmen Haltung an und blicken ernst. Einer von ihnen ist der dänische Psychiater Daniel Jacobson, bei dem Munch wegen einer Nervenkrise in Behandlung war. Unter den Frauenporträts sind Dienstmädchen und feine Damen.

Ein Blick auf die Leinwände enthüllt: Einige Bilder haben gelitten. Denn Munch arbeitete nach seiner Rückkehr nach Norwegen - zuvor war er länger in Frankreich und Deutschland - im Jahr 1909 oft in einem Außenatelier unter freiem Himmel, wo seine Werke dem Wetter ausgesetzt waren. «Er malte jeden Tag», erzählt Knausgård. Einige Motive nahm Munch sich immer wieder vor. In Düsseldorf taucht in einer Skizze sogar das schemenhafte, hohle Gesicht aus dem Bild «Der Schrei» wieder auf.

Veröffentlicht am:
10. 10. 2019
15:55 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
10. 10. 2019
15:55 Uhr



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