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Weibliche Metal-Band mischt Musikszene auf

Die Kultur im Libanon ist männlich geprägt und voller Tabus. Ausgerechnet fünf Frauen haben dort eine Heavy-Metal-Band gegründet - wohl die erste ihrer Art im Nahen Osten. Nun zieht es die Frauen nach Deutschland.



Heavy Metal-Band Slave to Sirens
Sheryline Beshara (l-r), Lialas Mayassi und Drummerin Tatyana Boughaba von Slave to Sirens lieben Heavy Metal.   Foto: Marwan Naamani

Wenn die Heavy-Metal-Band «Slave to Sirens» ihre laute und aggressive Musik spielt, ist das für die männlich dominierte Gesellschaft im Libanon ungewöhnlich. Denn: Alle fünf Bandmitglieder sind junge Frauen.

Mit ihren Liedern über Korruption, die Gesellschaft und die Stärkung von Frauen zeigen sie, dass sie es auch im Libanon schaffen, ein Publikum zu begeistern und einen Platz in dem von Männern dominierten Genre einzunehmen.

«In konservativen Gesellschaften im Nahen Osten und auch im Libanon ist es nicht so einfach, so eine Band zu gründen, wie es in europäischen Ländern wäre», sagt Lilas Majassi, eine der Gründerinnen der Band, die Trash und Death Metal spielt. «Wir hatten 2018 unsere ersten Auftritte. Die Leute kamen und sahen uns an, als ob wir Außerirdische wären. Sie dachten, wir wären eine Gruppe von Drogensüchtigen oder Teufelsanbetern auf der Bühne», sagt die 23-jährige Musiklehrerin und Gitarristin der Deutschen Presse-Agentur.

Der Name der Band - «Slave to Sirens» - war demnach eine Idee von Freunden. Er geht auf die griechische Mythologie zurück: Mit ihrem betörenden Gesang lockten die Sirenen Seeleute zu ihrer Insel, wo diese an den Felsenklippen Schiffbruch erlitten. «Wir wussten nicht was wir zu erwarten hatten!», sagt Majassi. Auch die meisten Zuschauer hätten nicht das erwartet, was sie dann sahen: headbangende Frauen mit offenen Haaren, die in schwarzen, zerrissenen Klamotten aggressive Musik spielen.

Majassi hatte lange davon geträumt, eine Heavy-Metal-Band zu gründen. Ihr Traum wurde wahr, als sie 2015 die Gitarristin Scheryline Beschara auf einer Demonstration in Beirut kennenlernte. «Ich wollte immer schon in einer reinen Frauen-Band spielen, aber es war schwierig, ich habe zwei Jahre nach Musikerinnen gesucht.» Bei der Demo unterhielten sich die beiden Frauen. «Wir beschlossen, uns zu treffen und eine Band zu gründen», erzählt Majassi, während sie ihre Gitarre für eine Probe in Antelias im Nordosten Beiruts vorbereitet.

Über Facebook und auf anderen Wegen suchten die beiden Musikerinnen weitere Mitglieder für ihre Band. So lernten sie die 23-jährige Bassistin Alma Dumiani kennen sowie Tatyana Bughaba, eine ebenfalls 23-jährige Schlagzeugerin und Psychologiestudentin. Die 25-jährige Innendesignerin Maya Chairllah wurde zur Leadsängerin und Komponistin für die Band.

«In unseren Songs geht es hauptsächlich um die Stärkung von Frauen, Korruption und die Gesellschaft, sagt Khairllah. Aber auch um das menschliche Wesen an sich. Weil sie aus überfürsorglichen Familien kommen, hatten es die jungen Frauen nicht leicht. «Die Familien haben nicht verstanden, was wir gemacht haben. Sie wussten nicht, was Heavy Metal ist. Sie hatten viele Fragen, das ist auch normal», sagt Majassi.

Trotz ihrer harten Arbeit glauben alle, es gebe nur eine geringe Chance im Nahen Osten tatsächlich berühmt zu werden. Das dortige Publikum ist bei der Musik nicht sehr tolerant. «Wir wollen alle später in ein europäisches Land ziehen, unser erstes Ziel wird Deutschland sein», sagt Majassi. Erst im September habe die Band in Beirut die Möglichkeit gehabt, mit der deutschen Heavy-Metal-Band «Destruction» zu spielen, erklärt die Musikerin ihren Wunsch.

«Wir wurden gefragt, ob wir als Vorband auftreten können. Das war unsere erste Chance, vor einer ausländischen, männlichen Metal-Band zu spielen, und ich finde, es war eine gute Erfahrung», sagt Majassi. «Sie haben uns ermutigt, weiterzumachen und Deutschland zu besuchen.»

«Slave to Sirens» hat bisher das Album «Terminal Leeches» mit vier Songs herausgebracht und arbeitet an einem neuen mit acht Tracks. Die jungen Frauen hoffen, dass sie mit einem höheren Bekanntheitsgrad auch mehr Akzeptanz in der Gesellschaft erreichen können. «Wir werden zunehmend akzeptiert, besonders von einigen Männern, die zu unseren Auftritten kommen», erzählt Majassi. «Vor uns liegt noch ein weiter Weg, der nicht einfach wird. Aber wir lassen uns unsere Liebe zum Heavy Metal, zu der Musik, die uns zusammengebracht hat, nicht kaputt machen.»

Veröffentlicht am:
15. 10. 2018
10:09 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
15. 10. 2018
10:09 Uhr



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