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Brennpunkte

57 Festnahmen bei Razzien gegen illegalen Böller-Handel

Über das Internet soll eine organisierte Gruppe europaweit mit illegalen Böllern gehandelt haben, auch aus Deutschland wurde das Feuerwerk fleißig bestellt. Jetzt haben Ermittler der Szene zumindest einen kleinen Schlag versetzt.



Feuerwerkskörper
Sichergestellte Feuerwerkskörper liegen in einem Spezialbehälter.   Foto: Staatsanwaltschaft Köln

Die Bilder aus Bad Berleburg im Siegerland wirken wie ein vorgezogenes Silvesterfeuerwerk. Es knallt, Funken schlagen und eine Rauchsäule steigt auf. Allerdings ist alles abgesperrt.

Zahlreiche Polizisten beobachten die Böllerei aus sicherer Entfernung: Hier wird beschlagnahmter Sprengstoff kontrolliert gesprengt - das bunte Spektakel ist das Ergebnis einer großangelegten Razzia gegen den illegalen Handel mit gefährlichen Feuerwerkskörpern.

Allein in Deutschland wurden bei der Aktion 53 Wohnungen und Sprengstofflager durchsucht, wie die Kölner Staatsanwaltschaft am Freitag mitteilte. Europaweit wurden demnach 57 Verdächtige festgenommen - wie viele davon in Deutschland, konnte ein Sprecher nicht sagen.

Ein Onlineshop für Pyrotechnik in Polen hatte den Verdacht der Ermittler geweckt. Dort sollen die aus dem gesamten Bundesgebiet stammenden Beschuldigten Feuerwerk der höchsten Gefahrenklassen gekauft haben, ohne allerdings eine Erlaubnis dafür zu haben. Die Fahnder beschlagnahmten insgesamt gut 27.000 Feuerwerkskörper mit 315 Kilogramm Sprengstoffmasse. Auch Stich- und Schusswaffen sowie Drogen wurden sichergestellt.

Besonders riskant wurde es in Bad Berleburg. Vor den kontrollierten Sprengungen mussten dort sieben Mehrfamilienhäuser sicherheitshalber evakuiert werden, weil im Nachbargebäude gefährlicher Sprengstoff gefunden worden war. Ein Transport war nicht möglich, also jagten Experten die Böller gleich am Ort in die Luft.

Auf dem Weg zu Käufern fingen die Ermittler 74 Pakete mit gefährlichen Böllern ab. Der Inhalt sei «absolut lebensgefährlich», sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. «Die Käufer wissen gar nicht, auf was sie da sitzen.» An den Durchsuchungen am Mittwoch und Donnerstag waren die Zollfahndungsämter Berlin-Brandenburg, Dresden, Essen, Frankfurt/Main, Hannover, Hamburg, München und Stuttgart beteiligt.

Für die Razzia arbeiteten die Ermittler über die Grenzen hinaus zusammen, auch in Polen und den Niederlanden schlugen sie zu. Nach Europol-Angaben soll eine gut organisierte Gruppe mit Sitz in Polen über Onlineshops tonnenweise illegales Feuerwerk in ganz Europa verkauft und verschickt haben. In diesem Zusammenhang habe es in Polen in den vergangenen Wochen 35 Festnahmen gegeben, vier Onlineshops seien abgeschaltet worden. Die Ermittlungen in den Niederlanden konzentrierten sich den Angaben zufolge vor allem auf mutmaßliche Mittelsmänner und Kunden.

Prinzipiell raten Experten vom Feuerwerkskauf im Ausland ab, nicht nur wegen möglicher fataler Sprengwirkungen. Gebetsmühlenartig warnen sie auch vor den Folgen der Knallerei mit illegalen Böllern zur Jahreswende. Nach Angaben der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) kann ein nicht zugelassener Knallkörper durchaus je nach Größe die gesamte Hand wegreißen. Ein geprüfter Böller, der in der Hand explodiert, hinterlässt dagegen zwar Brandspuren auf der Haut, aber er reißt keine Gliedmaßen ab.

Auch Handchirurgen warnen vor nicht zugelassenem Feuerwerk: Die schwersten Folgen - wie eine zerstörte Hand - verursachen selbstgebastelte oder außerhalb des Fachhandels erworbene Böller, teilen die Fachgesellschaften DGH und DGOU Jahr für Jahr mit.

Illegale Knaller gelangen in immer größeren Mengen über die Grenze. Auch sehr große Feuerwerke, die nur von Profis gezündet werden dürfen, findet der Zoll immer wieder. Erst vor wenigen Wochen stellten Bundespolizisten auf der Autobahn 12 an der Anschlussstelle Frankfurt (Oder) in einem Wagen verbotene Pyrotechnik sicher, gekauft in Polen.

In der Zeit um Silvester ist es in der Vergangenheit immer wieder zu schweren Unfällen gekommen. Sprengkräftige Böller der Kategorien 3 und 4 werden nach Angaben des Zollkriminalamts zudem oft für Straftaten - etwa Geldautomaten-Sprengungen - benutzt.

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dpa

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Veröffentlicht am:
07. 12. 2018
15:47 Uhr

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