Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom WochenendeHofer Filmtage 2019EhrenamtskampagneVER Selb

Brennpunkte

Ali B. gesteht Tötung von Susanna vor Gericht

Der gewaltsame Tod der Schülerin Susanna sorgte mitten in der Flüchtlingskrise deutschlandweit für Aufsehen. Ein irakischer Asylbewerber soll das Mädchen vergewaltigt und umgebracht haben. Vor Gericht bittet Ali B. die Eltern der Schülerin um Entschuldigung.



Prozessauftakt
Die Strafkammer wirft dem aus dem Irak stammenden Flüchtling vor, im vergangenen Mai die aus Mainz stammenden 14-jährige Susanna vergewaltigt und ermordet zu haben.   Foto: Boris Roessler » zu den Bildern

Ein Dreivierteljahr nach dem gewaltsamen Tod der 14-jährigen Susanna aus Mainz hat der Angeklagte Ali B. die Tötung des Mädchens gestanden. «Bei der Mutter und beim Vater entschuldige ich mich», sagte der 22-jährige Iraker am Dienstag zum Auftakt des Mordprozesses vor dem Landgericht Wiesbaden. «Ich weiß, dass meine Entschuldigung nichts wieder gut machen kann.»

Seitdem er im Gefängnis sei, habe er verstanden, dass er etwas sehr Schlimmes getan habe. «Ich habe ja auch Vater und Mutter», sagte der Flüchtling. «Ich weiß, dass es schlimm ist, dass es sehr weh tut. Ich bin bereit, alles zu machen, was ich kann.»

Laut Anklage vergewaltigte Ali B. in der Nacht vom 22. zum 23. Mai 2018 Susanna in einem Feld. Susanna habe sich schon vorher bedroht gefühlt. Als die 14-Jährige später angekündigt habe, zur Polizei zu gehen, habe Ali B. sie von hinten angegriffen und erwürgt, sagte die Staatsanwältin. Anschließend habe er mit einer weiteren, bislang unbekannten Person ein Erdloch ausgehoben und die Tote vergraben.

« Ich weiß nicht, wie das geschehen konnte », sagte der Angeklagte zu dem Mordvorwurf. Die Vergewaltigung, die ihm in der Anklage ebenfalls vorgeworfen wird, bestritt er. Nach seiner Entschuldigung wollte er am ersten Prozesstag keine weiteren Angaben machen.

«Für mich gehört zu einer Entschuldigung ein Blickkontakt», sagte Nebenklageanwältin Petra Kaadtmann nach der Verhandlung zu der Aussage des 22-Jährigen. Auch ihre Mandantin, Susannas Mutter, habe bemängelt, dass der Angeklagte sie nicht angeschaut habe.

Vor der Tat habe er einvernehmlichen Sex mit Susanna gehabt, berichtete Ali B.. Susanna habe einmal abgelehnt, mit ihm zu schlafen, dann aber zugestimmt. «Es wurde vor meinen Augen schwarz, dann kam es zu diesem Ereignis. Ich weiß nicht, wie das geschehen konnte», sagte der 22-Jährige laut Übersetzung des Dolmetschers.

Anschließend habe er geschaut, ob das Mädchen noch am Leben sei, aber keinen Puls mehr gefühlt. Nach der Tat habe er die Leiche vergraben. Später habe er Angst bekommen und sei für einige Tage weggefahren. Von seiner Tat habe er seiner Freundin und einem Freund berichtet. Die hätten ihm nicht geglaubt.

Laut Anklage soll Ali B. von dem Handy des Opfers aus eine Nachricht an die Mutter von Susanna geschrieben haben, um sie glauben zu lassen, die Tochter sei in Paris. Die Leiche von Susanna war nach einer großen Suche am 6. Juni 2018 in einem kleinen Wald in Wiesbaden-Erbenheim gefunden worden.

Ali B. erklärte, er habe die 14-Jährige drei Monate vor der Tat über einen gemeinsamen Bekannten kennengelernt. Sie hätten öfter Zeit miteinander verbracht, Musik gehört oder seien Hand in Hand spazieren gegangen. Er habe nicht gewusst, wie alt sie gewesen sei, sagte der Iraker.

Vor dem Landgericht berichtete Ali B. auch von seiner Kindheit im Irak, wo er fünf Jahre die Schule besucht habe. 2015 sei die Familie nach Deutschland geflüchtet. Ali B. berichtete, häufiger Alkohol getrunken und Drogen genommen zu haben.

Zum Auftakt der Verhandlung hatte die Verteidigung einen Verhinderungsantrag gestellt: Die Rückholaktion aus dem Irak sei ohne vertragliche Grundlage erfolgt. Wenige Tage nach dem Tod der Schülerin wurde Ali B. im kurdisch kontrollierten Nordirak gefasst und von der Bundespolizei nach Deutschland zurückgebracht. Er hatte sich mit seiner Familie in seine Heimat abgesetzt.

Der Prozess wurde von zahlreichen Kamerateams und Journalisten begleitet. Vor dem Zuschauereingang bildete sich eine lange Schlange. Das Gericht hatte die Sicherheitsvorkehrungen zum Prozess verschärft, die Polizei war mit mehreren Einsatzwagen vor Ort. Vor dem Gebäude versammelten sich rund ein Dutzend Menschen zu einer Mahnwache.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
12. 03. 2019
16:22 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Angeklagte Asylbewerber Bundespolizei Flüchtlingskrisen Gewalt Landgericht Wiesbaden Leichen Mordprozesse Mütter Niels Högel Polizei Schülerinnen und Schüler Vergewaltigung
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Urteilsverkündung im Susanna-Prozess

10.07.2019

Mordfall «Susanna»: Ali B. zu lebenslanger Haft verurteilt

Sie war 14 Jahre, hilflos und dem Täter allein ausgeliefert: Der gewaltsame Tod der Mainzer Schülerin Susanna erregte vor mehr als einem Jahr bundesweit Aufsehen. Nun ist das Urteil gegen den Mörder gesprochen. » mehr

Mallorca

07.10.2019

Mallorca: 18-jähriger soll Minderjährige vergewaltigt haben

Ein volljähriger Deutscher ging an der Playa de Palma auf Mallorca mit einer 14-Jährigen an den Strand. Ihr Vorwurf: Er soll sie zum Sex gezwungen haben. » mehr

Mordprozess in Berlin

07.08.2019

Angeklagter schweigt im Mordprozess um vermisste Schülerin

Sie sollte eine kleine Rolle in der Serie «Türkisch für Anfänger» bekommen. Doch der große Traum der 14-jährigen Berlinerin erfüllte sich nicht. Im September 2006 verschwand Georgine. Nun geht es im Prozess um einen Mord... » mehr

Klinikum Oldenburg

26.09.2019

Wer wusste von Högels Morden? Anklage gegen Ex-Vorgesetzte

Jahrelang spritzte Niels Högel Patienten zu Tode - und niemand informierte die Polizei. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass ehemalige Führungskräfte des Klinikums Oldenburg sehr wohl wussten, welche Gefahr von de... » mehr

Vor Prozessbeginn

26.06.2019

Freiburger Gruppenvergewaltigung: elf Angeklagte vor Gericht

Nach der Gruppenvergewaltigung einer 18-Jährigen in Freiburg beginnt der Prozess. Elf Angeklagte drängen sich in dem Gerichtssaal. Zu den Vorwürfen äußern wollen sie sich, mit einer Ausnahme, zunächst nicht. » mehr

Tatort in Göttingen

29.09.2019

War Motiv des Göttinger Frauenmörders unerwiderte Liebe?

Was bewegte den Frauenmörder von Göttingen - war es unerwiderte Liebe? Brutal tötete er seine Bekannte und eine Frau, die dem Opfer helfen wollte. Und dann fragte der Mann mit den zwei Gesichtern besorgt bei der Polizei ... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Hofer Theaternacht

Hofer Theaternacht | 14.10.2019 Hof
» 22 Bilder ansehen

10. Hofer Steinparty

10. Hofer Steinparty | 12.10.2019 Hof
» 61 Bilder ansehen

"Trails 4 Germany" in Kulmbach

"Trails 4 Germany" in Kulmbach | 14.10.2019 Kulmbach
» 10 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
12. 03. 2019
16:22 Uhr



^