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Angst vor Kriminalität steigt - Zahl der Straftaten sinkt

Die Menschen in Deutschland leben relativ sicher. Dennoch treibt viele die Angst vor dem Verbrechen um. Das beginnt schon beim Schritt vor die eigene Haustür.



Münch, Seehofer und Grote in Berlin
BKA-Präsident Münch (l-r), Bundesinnenminister Seehofer und Schleswig-Holsteins Innenminister Grote stellen in Berlin die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2018 vor. Grote   Foto: Wolfgang Kumm/dpa » zu den Bildern

Immer mehr Menschen in Deutschland haben Angst vor Kriminalität. Mehr als jeder Fünfte fühlte sich 2017 nachts beim Schritt vor die eigene Haustür unsicher - fünf Prozentpunkte mehr als fünf Jahre zuvor.

Das geht aus einer Untersuchung des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Strafrecht (MPI) und des Bundeskriminalamts (BKA) hervor. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), sein schleswig-holsteinischer Amtskollege Hans-Joachim Grote (CDU) und BKA-Chef Holger Münch präsentierten die Studie am Dienstag in Berlin. Sie soll in Zukunft alle zwei Jahre erscheinen.

Von «erfreulichen Zahlen» sprach Seehofer mit Blick auf die in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) verzeichneten Straftaten: Die 5,4 Millionen Delikte stellten den niedrigsten Stand seit 1992 dar. «Deutschland ist eines der sichersten Länder der Welt», sagte er.

AUSSAGEKRAFT: Die Statistik hat Schwächen. «Der Umfang des Dunkelfelds der nicht angezeigten Delikte bleibt jedoch offen und verzerrt die Statistik», warnt der AfD-Abgeordnete Gottfried Curio. Das ist aber auch den Autoren bewusst: «Die PKS bietet kein exaktes Spiegelbild der Kriminalitätswirklichkeit, sondern eine je nach Deliktsart mehr oder weniger starke Annäherung an die Realität», heißt es in der Einleitung. Schließlich weiß niemand genau, von wie vielen Taten die Polizei nie erfährt. Aussagen über Trends liefere die Statistik aber schon, sagt BKA-Chef Münch. Denn der Anteil der Taten, die zur Anzeige gebracht werden, sei recht stabil. Das folgert er aus Befragungen dazu, in welchem Ausmaß Menschen in Deutschland Opfer von Kriminalität geworden sind.

SICHERHEITSGEFÜHL: Immer mehr Bürgerinnen und Bürger fühlen sich nachts in der eigenen Wohngegend unsicher. Rund jeder Fünfte gab das bei der Befragung des BKA und des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Strafrecht 2017 an. 2012 waren es noch fünf Prozent weniger. Menschen mit Migrationshintergrund, und dabei insbesondere solche mit türkischen Wurzeln, sehen höhere Risiken.

Fast neun Prozent aller Befragten hielten es für ziemlich oder sehr wahrscheinlich, innerhalb des kommenden Jahres Opfer eines Terroranschlags zu werden. Einen Grund für die herrschende Unsicherheit sieht die Grünen-Abgeordnete Irene Mihalic bei der Bundespolitik, «die Bürgerinnen und Bürger alleine dadurch verunsichert hat, dass man auf Anschläge und Gewalttaten oft im Wochentakt mit symbolischer Gesetzgebung reagiert hat».

RISIKO: Am wahrscheinlichsten ist es, Opfer von Betrug bei Waren oder Dienstleistungen zu werden oder mit Schadsoftware in Kontakt zu kommen. Das passiert pro Jahr 4,7 beziehungsweise 4,5 Prozent der Menschen. Persönlicher Diebstahl betraf 3,1 Prozent, Opfer von Körperverletzungen waren 3 Prozent der Befragten.

AUFKLÄRUNGSQUOTE: 56,5 Prozent der Delikte wurden 2018 aufgeklärt, nach 57,1 Prozent im Jahr davor. Solche Veränderungen haben aber - wie die Quote insgesamt - eine begrenzte Aussagekraft. Denn die in einem Jahr gemeldeten Delikte werden ins Verhältnis gesetzt zu den aufgeklärten Fällen. Diese beiden Gruppen sind aber nur zum Teil deckungsgleich.

DIE HÄUFIGSTEN STRAFTATEN: Insgesamt 5,39 Millionen Straftaten hat die Polizei 2018 erfasst - wenn man ausländerrechtliche Verstöße wie etwa illegalen Aufenthalt ausklammert.

TRENDS: Die Polizei erfährt deutlich häufiger von der Verbreitung pornografischer Schriften, Straftaten nach dem Arzneimittelgesetz, Rauschgiftdelikten und Verstößen gegen das Waffengesetz. Mit Vorsicht ist der 40-prozentige Anstieg im Bereich Widerstand und Angriff gegen die Staatsgewalt zu werten. Die Gesetzesgrundlage dafür wurde im vergangenen Jahr ausgeweitet, auch Rettungskräfte oder Feuerwehrleute sind jetzt erfasst.

Vergewaltigung, Wohnungseinbruchdiebstahl, ausländerrechtliche Verstöße, Betrug, Diebstahl, Straßenkriminalität und Raubdelikte sind seltener bekannt geworden.

TATVERDÄCHTIGE: Mehr als drei von vier Tatverdächtigen sind Männer. Zuwanderer stellen mit 30,5 Prozent einen überproportional hohen Anteil der Tatverdächtigen - und zwar, wenn ausländerrechtliche Verstöße ausgeklammert bleiben. Obwohl die Zahl der Tatverdächtigen leicht gesunken sei, gebe es eine Zunahme an Mehrfachstraftätern aus dieser Gruppe, sagte Münch. Insbesondere Zuwanderer aus den nordafrikanischen Maghreb-Staaten, Libyen und einigen zentralafrikanischen Staaten seien auffällig.

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dpa

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Veröffentlicht am:
02. 04. 2019
17:48 Uhr

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