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Armut, Klimawandel und Kommerz bedrohen Kinder weltweit

Minderjährige in reichen Ländern haben es besser als Altersgenossen in armen Ländern. Aber auch dort lassen Regierungen die jungen Leute im Stich. Es geht um Klimawandel und schädliche Werbung.



Klimawandel
Es regnet zu wenig: Viele Böden auf der Welt sind rissig und ausgetrocknet.   Foto: Federico Gambarini/dpa

Kinder und Jugendliche in Norwegen, Südkorea und den Niederlanden haben nach einer UN-Studie die besten Chancen auf gutes Gedeihen.

Ihre Altersgenossen in der Zentralafrikanischen Republik, im Tschad und in Somalia sind weltweit am schlechtesten dran. Das geht aus einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und des UN-Kinderhilfswerks Unicef hervor, der in der Fachzeitschrift «The Lancet» vorgestellt wird. Deutschland liegt demnach auf Platz 14, die Schweiz auf Platz 15 und Österreich auf Platz 19 von insgesamt 180 Ländern. Die Rangliste berücksichtigt Faktoren wie Gesundheit, Ernährung und Bildung.

Es gebe aber kein Land der Welt, dass seine Minderjährige nicht in einem Bereich im Stich lasse, sagte der Gesundheitsexperte Anthony Costello, einer der Hauptautoren. Hinter dem Bericht steht eine Kommission mit mehr als 40 Kolleginnen und Kollegen aus aller Welt.

In ärmeren Ländern blieben nach Schätzungen 250 Millionen Kinder wegen Mangelernährung in ihrer Entwicklung so weit zurück, dass sie ihr Potenzial ihr Leben lang nicht ausschöpfen könnten, so die Autoren. Reichere Ländern gefährdeten die Zukunft der Kinder weltweit durch ihre hohen klimaschädlichen CO2-Emissionen. «Wir stimmen mit Greta Thunberg überein», sagte Costello. «Unsere Welt brennt.»

Wenn es unter Berücksichtigung der Emissionen um Nachhaltigkeit gehe, komme Norwegen nur auf Platz 156, die Niederlande auf Platz 160 und Deutschland auf Platz 161. Wegen ihrer niedrigen Emissionen stehen Burundi, Tschad und Somalia auf den ersten Plätzen - sie schneiden aber auf der Skala des Wohlergehens ihrer Kinder nach Gesundheit, Ernährung und Bildung miserabel ab. Von den Ländern, in denen es jungen Leuten relativ gut geht (Top 70), schafften es nur neun Länder, ihre Ziele zur Reduktion der Pro-Kopf-Emissionen von CO2 bis 2030 zu erreichen, schreiben die Autoren. Darunter sind Sri Lanka, Moldau und Armenien - keine Industrieländer.

Alle Länder setzten junge Menschen Werbung für gesundheitsschädliche Produkte wie Alkohol, Tabak, überzuckerte Getränke und Fast Food aus, heißt es weiter. In Los Angeles sähen Jugendliche im Durchschnitt vier Alkoholwerbungen am Tag. In China könnten 86 Prozent der Fünf- und Sechsjährigen mindestens eine Zigarettenmarke identifizieren.

Die Werbung für stark zuckerhaltige Getränke und Fast Food sei mitverantwortlich für die alarmierende Ausbreitung von Fettleibigkeit. 1975 seien elf Millionen Minderjährige weltweit fettleibig gewesen, 2016 schon 124 Millionen. Der Bereich der Online-Werbung, die auf Minderjährige ziele, sei völlig unreguliert, monierte Costello. Vereinbarungen mit der Industrie zu Selbstregulierung funktionierten nicht.

«Jede Regierung muss Minderjährige zur Priorität ihrer Entwicklungspläne machen und ihr Wohlergehen über alle anderen Gesichtspunkte stellen», forderte Unicef-Chefin Henrietta Fore. Unicef schlägt auf der Ebene von Gemeinde bis zur hohen Politik Jugendkomitees vor, und Apps, über die junge Leute äußern können, was sie bewegt und was sie wollen. Schulen müssten Kinder besser ausbilden, damit sie wissen, wie sie Anliegen vortragen können.

«Es gab zwar in den vergangenen 20 Jahren Verbesserungen bei der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, aber die Entwicklung geht nicht weiter und die Zeichen stehen auf Rückschritt», sagte die Co-Vorsitzende der Kommission, die frühere neuseeländische Regierungschefin Helen Clark. «Länder müssen sich nicht nur heute um ihre Minderjährigen kümmern, sondern auch sicherstellen, dass sie die Welt schützen, die sie ihren Kinder vererben.»

Die Autoren empfehlen unter anderem, den CO2-Ausstoß dringend zu stoppen, Minderjährige in politische Entscheidungen mit einzubeziehen und Werbeeinschränkungen zu verschärfen.

Veröffentlicht am:
19. 02. 2020
03:53 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
19. 02. 2020
03:53 Uhr



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