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Arzt fordert mehr Therapie für extrem dicke Kinder

Pausbacken und Babyspeck - das ist beim Kleinkind niedlich. Kinder und Jugendliche, die mit deutlichem Übergewicht durchs Leben gehen, fühlen sich dagegen oft ausgegrenzt. Hinzu kommen schwere gesundheitliche Folgen.



Zu dick
Ein fettleibiger Junge steht an einem Badesee. 26,3 Prozent der Fünf- bis Siebzehnjährigen in Deutschland Übergewicht, 8,8 Prozent sind von Adipositas und damit von extremen Übergewicht betroffen.   Foto: Sebastian Kahnert

Manche extrem dicken Kinder und Jugendliche haben bereits eine Herzmuskelverdickung oder andere Symptome, wie sie sonst erst im Alter ab 50 Jahren vorkommen.

Gerade für diese Altersgruppe gebe es aber Versorgungslücken in der Therapie, warnte der Kinderarzt Martin Wabitsch von der Universitätsklinik Ulm. Er ist Präsident der am Freitag gestarteten Jahrestagung der Deutschen Adipositas Gesellschaft in Wiesbaden. «Sowohl Kniegelenk als auch Hüftgelenk bilden früh Verschleißerscheinungen», sagte Wabitsch.

Auch Fettleber oder eine Verfettung der Bauchspeicheldrüse «wie bei erwachsenen Patienten im Alter von 50 oder 60 Jahren» seien bei jungen Patienten anzutreffen. «Die sind früh krank und häufig untertherapiert, denn Kinder- und Jugendärzte setzen zum Beispiel selten Blutdrucksenker ein», sagte Wabitsch. «Da wird oft über viele Jahre etwas versäumt.»

«Zudem gehen Übergewicht und Adipositas mit einem hohen Leidensdruck einher», ergänzte Wabitsch. Bereits im Kindesalter würden Menschen mit Übergewicht stigmatisiert. Dabei sei das Körpergewicht in der frühen Kindheit zunächst genetisch bedingt und werde dann etwa vom Angebot an Lebensmitteln beeinflusst.

Nach einer Untersuchung des Robert Koch-Instituts zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland haben rund 26 Prozent der Fünf- bis Siebzehnjährigen in Deutschland Übergewicht, etwa 9 Prozent sind von Adipositas und damit von extremem Übergewicht betroffen.

Wer bereits im Jugendalter einen Body-Mass-Index von mehr als 30 habe, sei medizinisch nur noch schwer zu erreichen, warnte Wabitsch. «Nur ein kleiner Prozentsatz sucht aktiv nach einer Behandlung.» Wenn Jugendliche nach Diätprogrammen mit frustrierendem Ausgang zu dem Ergebnis kämen, «das bringt ja alles nichts», gingen sie oft gar nicht mehr zu Arzt.

«Gerade diejenigen, die früh im Leben adipös sind, haben später viel schlechtere Karten», so Wabitsch. «Unsere Daten zeigen uns, dass Jugendliche mit extremer Adipositas durch konventionelle Programme und Verhaltenstherapie nicht abnehmen können.» Falsch sei es, den Kindern und Jugendlichen die Schuld an ihrem Zustand zuzuschreiben: «Nicht die Kinder sind schuld, sondern die Biologie und die Lebensbedingungen.» Häufig hätten übergewichtige Kinder übergewichtige Eltern, die zudem wenig über gesunde Ernährung wüssten.

Wabitsch sieht für die wachsende Gruppe extrem adipöser Kinder und Jugendlicher drei Möglichkeiten: Entweder den Zustand des Gewichts zu akzeptieren und auf präventive Diabetes-Behandlung, Einstellung des Blutdrucks und ähnliche Maßnahmen zu achten. «Das ist nicht der optimale Weg, aber ein realistischer», sagte er. Eine weitere Möglichkeit sei eine stationäre Langzeittherapie über mehrere Monate hinweg. Dabei gehe es darum, den Lebensstil komplett umzustellen und ein ganz strenges Trainingsprogramm anzubieten. «Nur ein Teil der jungen Leute wird es schaffen, anschließend das deutlich reduzierte Gewicht zu halten», sagte Wabitsch. Für die anderen komme als dritter Weg die Adipositas-Chirurgie infrage.

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dpa

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Veröffentlicht am:
09. 11. 2018
13:38 Uhr

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